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Zart errötende Diven

Rote Bete Ravioli1

In der Antike stand die Bezeichnung Diva/Divus nur Göttinnen und Göttern zu, inzwischen haftet dem Begriff Empfindlichkeit, gar Launenhaftigkeit an. Was könnte ein Ravioli besser beschreiben? In einer schlichten Pastahülle verbergen sich unerwartete Geschmacks- und Konsistenzerlebnisse. Und in der Herstellung gehören sie zu den anspruchsvollsten Nudeln. Der Teig muss elastisch, nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken sein und die Füllung kann, wie ich herausgefunden habe, nicht trocken genug sein. Doch von Anfang an. Da gab es meine erste Erfahrung mit dem Raviolibrett. Desaströs. Und den freundlichen Zuspruch der Wilden Henne – danke nochmal! Also beschloss ich am Wochenende, dem Raviolibrett noch eine Chance zu geben und plante etwas zusätzlichen Pastateig ein, falls der Versuch scheitern sollte. Dazu eine “Testfüllung” aus Schafkäsecreme mit getrockneten Tomaten.

Für den Ravioliteig:

  • 170 g Spätzlemehl (Mischung aus feinem Weizenmehl und -dunst oder 405 er Mehl)
  • 30 g Semola di grano duro rimacinata
  • 2 Eier Gr. L
  • Pr. Salz
  • 1 Tl Olivenöl

Den Teig bis zu zehn Minuten kneten und mindestens eine Stunde abgedeckt ruhen lassen. Besser mehrere Stunden. Mit der Nudelmaschine möglichst dünn ausrollen (ich: Stufe 2/ 7). Längenmäßig passende Streifen zum Raviolibrett schneiden und (auf das gut bedunstete) Brett legen.

Für die Probefüllung:

  • 100 g Schafkäse
  • 2 getrocknete Tomaten, fein gehackt, mit Käse vermust

Mit einem Teelöffel haselnussgroße Stückchen von der Masse abstechen und in die Mulden setzen. Die Ränder des Teiges mit Wasser bepinseln und eine weitere Pastaplatte darüber legen und dabei möglichst wenig Luft einschließen. Mit einem großen (!) Nudelholz mehrmals längs und quer darüber rollen und die Ravioli mit festem Klopfen aus der Form lösen.
Das Ergebnis war vielversprechend. Der Teig löste sich kaum widerstrebend. Auftritt der Roten Beete.

Für die Rote Beete Füllung:

  • 200 g Rote Beete, ca. eine Stunde bei 200°C im Bräter im Ofen gegart, gepellt, püriert
  • Pr. Salz
  • Pr. Rosa Pfeffer, gemörsert
  • 50 g Gorgonzola

Leider war die Mischung so zu feucht und die untere Teigplatte verband sich erneut mit dem Raviolibrett. Ich trocknete die Füllung eine Weile im restwarmen Backofen und gab noch ca. 50 g Schafkäse hinzu. Da der Beweis erbracht war, dass sich mit einem Raviolibrett tatsächlich Ravioli herstellen lassen, beließ ich es dabei und rollte den restlichen Teig mit der Nudelmaschine zu dünnen Bahnen aus. Ich setzte die Füllung in ca. 6 cm Abstand auf die Bahn und pinselte die Ränder mit Wasser ein. Legte eine zweite Bahn darüber und stach mit dem Plätzchenausstecher gewellte Ravioli aus.

Sie durften, während ich die Rinderbrühe erhitzte, antrocknen. Eine stark begrießte Auflage erwies sich als unerlässlich. Anschließend kochte ich die Ravioli portionsweise in siedendem Salzwasser ca. 2-3 Minuten und richtete sie in der Brühe an. Eine weitere Novität, da ich bislang kein Anhänger von “wässrigen Soßen” war. Aber so werden sie z.B. bei Anna Sgroi serviert. Das war einen Versuch wert! Inzwischen war es halb zehn, Herr H. trotz des Wurzelgemüsesalats dem Hungertod nah. Auch er beäugte die Brühe skeptisch und musste hinterher zugeben, dass sie die Diven vortrefflich begleitet hatte.

Rote Bete Ravioli2

Fazit: Ravioli selber machen – ja, bitte!  Das Ergebnis entlohnt jede Mühe und Enttäuschung, wenn man ein Ravioli (o?) al dente aufspießt, hineinbeißt und zu der cremig-erdig-süß-pikant-käsigen Füllung vorstößt. Eine unfassbare Zartheit in der Pastahülle begleitet von kräftiger Rinderbrühe. Ich kam aus dem Schwärmen kaum hinaus.

Ein Kommentar

  1. Mein Gott, sind die schön! Füllung und Brühe statt Sauce klingen sehr interessant. Danke für die Inspiration!

    • Danke 🙂 Die Inspiration zur Brühe kam von Frau Sgroi…

  2. Hey, ich freu mich total für Dich! Die sind doch wunderschön geworden. Gut, dass ich insistiert habe, als Du das Brett wieder in den Laden zurückbringen wolltest. Das wäre doch jammerschade gewesen.
    Merci noch für Deine Mail und die Vorab-Fotos – bin leider gestern nicht dazu gekommen, zu antworten.

    • Das macht doch nichts 🙂 Ja, das Brett taugt doch. Ich habe mich nur ein wenig geärgert, dass die Beetefüllung anfangs zu feucht war…aberegal, als Plätzchen sind sie ja auch schön geworden…

  3. Ich will so’ne Nudelmaschine!! Ich komm rum und leih se mir aus, ja?;)
    Schön, dass du nicht locker gelassen hast, sie sehen traumhaft aus!! Rote Bete-Gorgonzola….. zur Nor gibt es das in einer Canneloni!?

      • Klar geht das auch in einer Canneloni. Meine Nudelmaschine ist ein “Testkauf” gewesen (peinlich fast, gab es beim Discounter…). Wollte mal sehen, ob sich das für mich überhaupt lohnt. Und das tut es, so dass ich jetzt überlege, mir eine “richtige” anzuschaffen. Du könntest dann meine alte zum Testen gern haben 🙂

  4. Die sehen ganz entzückend aus – Rote Rübe mit Gorgonzola klingt vielversprechend, probier ich aus!
    Ich hatte auch zuerst eine Billignudelmaschine. Bei der hab ich mich immer geärgert, dass sie bei den Bandnudeln die einzelnen Nudeln nicht ordentlich auseinandergeschnitten hat, da musste ich immer mit dem Messer nachhelfen. Die hab ich inzwischen verschenkt und mir eine ordentliche angeschafft.

    • Danke 🙂 Für welches Modell hast du dich denn entschieden?

        • Das ist die ohne Motor…hast du denn immer eine dritte Hand? 🙂

  5. Sehen die herrlich aus! Rote Bete mit Gorgonzola ist eine Traum-Kombination. Und mir gefällt, wie die Farbe der Füllung durch den Teig schimmert, klasse!

    • Ja, nicht wahr :-)? Wie Backfischbäckchen in Reaktion auf ein unerwertetes Kompliment 😉 Was für eine Nudelmaschine hast du eigentlich?

      • Noch ein Versuch zur Nudelmaschine: es ist eine ganz einfache von Küchenprofi; steht keine Bezeichnung auf der Packung. Die Walze hat 7 Stufen und es ist ein Aufsatz zum Schneiden für Spaghetti und Tagliatelle dabei. Funktioniert gut, ist aber nichts besonderes. Ach so ….Handbetrieb.

        • Danke. Und, fehlr dir auch die dritte Hand? 😉 Ich bin ob der Neuanschaffung noch unschlüssig…

  6. Toll sind deine Ravioli geworden. Bei der Farbe kann ich dem Magentratzerl nur zustimmen!! 🙂

    • Danke für das Kompliment, da bekomme ich Raviolibäckchen 😉

  7. Du bist auf dem besten Weg zur Ravioli-Königin! Beide Varianten sind wunderschön geworden und schmecken “al brodo” wie’s in Italien heisst bestimmt sehr lecker. Übung und Ausdauer machen die Meisterin oder so ähnlich.

    • Zuviel der Ehre, Verena. Ich befinde mich noch ganz am Anfang des Weges…aber das mit dem Üben stimmt 🙂

  8. Die sind ja wirklich wunderhübsch 🙂 Rote Bete als Füllung möchte ich auch gerne noch ausprobieren!
    Meine sind zwar meistens nicht so hübsch wie diese hier, aber es schmeckt wirklich unvergleichlich gut selbst gemacht.

    • Danke 🙂 Rote Beete als Füllung ist super, nur (das musste ich leidvoll feststellen) muss man darauf achten, dass die Masse nicht zu feucht ist…ich habe sie lange ausdampfen lassen und dann noch etwas trockenen Gorgonzola hinzu gegeben.

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