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Ein Brot sieht Rot

Rote Bete Brot

Gesehen am letzten Samstag bei Lutz vom Plötzblog. Nachbackreflex aktiviert, pronto! Die Farbe spielte beim Auslösen des Reflexes nur eine untergeordnete Rolle. Viel mehr reizte mich der Geschmack. Ich habe schon Kürbis-, Kartoffel- und Möhrenbrot gebacken und war stets enttäuscht, wie wenig man davon im Brot schmeckte. Das führte zu einem absoluten Purismus in Punkto Brot. Brot soll in erster Linie nach sich selbst schmecken. Oliven, Tomaten oder was man sonst noch so in Brote hineinbacken könnte, esse ich lieber zum Brot dazu. Doch Rote Bete haben einen sehr intensiven erdigen Geschmack, den ich mir in einem milden Weizensauerbrot sehr gut vorstellen konnte. Eine Ausnahme. Und ofengegarte Rote Bete brauchte ich für die Raviolifüllung sowieso.

Für den Weizensauerteig (Menge verdoppelt für 2 Brote):

  • 120 g Weizenvollkornmehl
  • 90 g Wasser
  • 12 g Anstellgut

Mischen und abgedeckt (über Nacht) 17 Stunden reifen lassen. Die im Bräter ohne Flüssigkeit etwa 1,5 Stunden bei 190°C gegarten Roten Bete pellen und pürieren (Perfektionisten können die Masse danach durch ein Sieb streichen, um eventuelle Stückchen zu entfernen).

Für den Hauptteig:

  • Sauerteig
  • 400 g Weizenmehl 550er
  • 120 g Roggenvollkornmehl
  • 360 g Rote Bete Püree
  • 320 g Wasser * (ACHTUNG)
  • 13 g Salz (ich: Meersalz, zusammen mit einigen Rosa Pfefferbeeren gemörsert)

*Ich habe, zum Glück, die Autolyse (mischen von Weizenmehl und Wasser und halbstündige Ruhezeit) vergessen und alle Zutaten bis auf das Wasser mit dem Püree verknetet. Dabei entstand schon ein recht fester Teig. Dem gab ich noch etwa 100 g Wasser hinzu. Das war völlig ausreichend.

Rote Bete Brot

Es war ein höchst befremdliches Gefühl, einen Teig zu kneten, der farblich eher an Blaubeerquark erinnerte. Nach ca. zehnminütigen Kneten befand ich den Teig für gut und ließ ihn 3 Stunden gehen. Zwischendurch faltete ich ihn ungefähr alle 30 Minuten in der Schüssel. Ungefähr, weil ich am Schreibtisch saß und die Zeit immer wieder aus den Augen verlor. Geschadet hat es scheinbar nicht.

Ich entschied mich gegen eine zehnstündige Kühlschrankgare über Nacht. Zum einen ist mein Weizensauer so triebkräftig, dass Lockerung und Geschmacksbildung auch so funktionieren und zum anderen habe ich bei der Kühlschrankgare oft breit gelaufene Teiglinge gehabt. Es mag sein, dass ein Gärkörbchen Abhilfe schafft, aber ich besitze leider noch keines.

Rote Bete Brot

Die Teiglinge in Erwartung des Backens. Ich schnitt die Oberfläche ein. Ich bin mit meiner Technik jedoch noch nicht zufrieden. Die Brote reißen beim Backen weiterhin an unerwünschten Stellen auf. Den Ofen hatte ich inzwischen auf 250°C vorgeheizt. Mehr gibt er nicht her. Ich schob das Backblech in die Mitte des Ofen und schwadete großzügig. Nach 10 Minuten schaltete ich die Temperatur hinunter auf 200°C. Und nach weiteren 30 Minuten zog ein erdiger Geruch durch die Wohnung. Ich stellte den Ofen aus und beließ die Brote noch 5 Minuten darin.

Rote Bete Brot

Fazit: Herr H., die beste Nachbarin und ich waren vom Geschmack des Brotes hellauf begeistert. Erdig, ganz schwach süß und mild säuerlich. Nächstes Mal werde ich die Menge an Rosa Pfeffer wohl leicht erhöhen, denn davon war nichts zu schmecken. Das Brot verschwand in enormer Geschwindigkeit und wird wohl bald wieder gebacken werden.

Ein Kommentar

  1. Also der Teig in der Schüssel sieht farblich echt grenzwertig aus 😉 Gut, dass ich ein so gutes Vorstellungsvermögen habe und mir das Brot und seinen Geschmack vorstellen kann.

    • Ja, das fand ich auch. Gewisse Gedanken musste ich vehement beiseite schieben (war aber nicht schwer, weil das Wochenende recht “arbeitsintensiv” war 😉

  2. Ah, da ist das Rezept von heute Morgen! Toll, das sieht beeindruckend und ungewöhnlich aus, und was für eine super Idee, aus Rote Beete Brot zu backen! Den Geschmack kann ich mir sehr gut vorstellen – und ich persönlich finde ja die Farbe vom rohen Teig herrlich ;-). Und habe ein neues Wort gelernt: Kühlschrankgare. Was es nicht alles gibt!

    • Nicht wahr ;-)? Bei ca. 5°C verlangsamt sich die Aktivität der Hefe. Der Teig wird durch die lange Gare aromatischer und kann (meist) direkt gebacken werden. Gut, wenn man morgens frische Brötchen haben will 🙂

      • Ah, ich verstehe! Aus dem Kühlschrank mit kleinem Umweg über den Ofen auf den Tisch ;-). Das ist schlau.

        • Und leider ist die Idee nicht auf meinem Mist gewachsen 🙁 Ich backe übrigens lieber direkt und friere dann ein. Dann habe ich die Teiglinge besser unter Kontrolle 🙂

  3. Der rohe Teig sieht unterhaltsam aus 🙂 . Es ist eine tolle Idee, rosa Pfefferbeeren mit hinein zu geben.

    • Dachte ich auch, aber die Menge muss scheinbar erhöht werden – nächstes Mal 🙂

  4. Witzige Farbe, so ein Brot habe ich echt noch nicht gesehen, geschweige denn probiert. Was du auf deinen 6,6qm so rumwerkelst ist sagenhaft! Ich bin leider eine Backniete. Solche Begriffe wie Kühlschrankgare, Anstellgut, Weizensauer oder Gärkörbchen finden in meinem Wortschatz keinen Platz… leider… ich kann halt nicht alles … 🙁

    • Ich habe zum Glück eine Vorratskammer im Flur 😉 Und backen… Claudia hat doch auch behauptet, das nicht zu können und hat es scheinbar doch hinbekommen. Vielleicht ist dein Nichtkönnen eher ein Nichtwollen? 😉

        • Vielleicht schaffe ich es ja, dich zu missionieren 😉

      • Uda, das Spezial-idiotensicher-schnell-einfach-Rezept von Eva kann ich empfehlen! Ich habe ja auch zwei linke Backhände und deswegen sehr selten Lust, aber damit habe sogar ich Ciabatta hinbekommen.

        • Ach ja, du wolltest ein Bild von deinem Ergebnis zeigen 🙂 Kommt das in deinen nächsten Artikel?

      • Ja, ich wollte am Wochenende eine Vanille-Zwiebel-Variante backen, und die wollte ich dann mal bloggen (das erste war so schnell weg, so schnell konnte ich gar nicht “Foto” sagen). Natürlich mit Verweis auf Dich als meine Brotback-Mentorin :-).

        • Zwiebel-Vanille, interessant. 🙂 Ich probiere gerade Blätterteig… gar nicht soo schwierig, könnte dein nächstes Projekt werden 😉

      • Wenn Du mich coachst, backe ich jetzt alles, sogar Blätterteig ;-). Aber das dauert lange, oder? Ich habe ja meist nicht so viel Zeit zum Kochen.

        • Von der reinen Arbeitszeit her dauert’s nicht lang 🙂 uns es war unglaublich gut 😉 (Coaching 100€/ Stunde ;-), quatsch, jederzeit gern :-))

      • Da habe ich ja nochmal Glück gehabt, sowohl in Sachen Zeit als auch Honorar ;-). Und freue mich sehr , wenn ich hin und wieder mal eine dumme Frage stellen darf ;-).

  5. Ich könnt immer verrückt werden, wenn ich sehe, wie geschickt andere mit Teig umgehen. Chapeau! Für mich heißt es üben, üben, üben…

    • Nicht verrückt werden, einfach weiter üben 😉 (und ich stehe auch noch ganz am Anfang…)

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