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Orientalische Klappstulle

falafel im fladenbrot

Klappstullen oder Kniften haben bei uns als Wegzehrung für einen langen, aushäusig verbrachten Arbeitstag Tradition. Sie sättigen, lassen sich mühelos transportieren und liegen nicht schwer im Magen. Gekocht wurde schon immer abends nach der Arbeit. Früher, als wir noch beide viel unterwegs waren, nicht so aufwändig, aber immer frisch. Wenn wir abends partout keine Energie mehr zum Kochen hatten, gab es meist Falafel im Dürüm vom Türken nebenan. Eine durchaus akzeptable Alternative. Dann zogen wir um und hier gibt es keinen Nebenantürken. Also gab es auch lange kein Falafel mehr. Ich liebäugelte zwar schon eine ganze Weile damit, sie selbst zu machen, aber viele Berichte über Misserfolge dabei schreckten mich erneut ab. Misserfolge gab es in letzter Zeit genug. Aber da die letzten Frittierversuche ganz gut gelangen, schöpfte ich neuen Mut.

Für die Falafel:

  • 175 g getrocknete Kichererbsen
  • 20 g Petersilie (ca. 6 große Stängel)
  • 1 frische Knoblauchzehe
  • 1/2 mittelgroße Zwiebel, grob gehackt
  • 1/2 TL Meersalz
  • 1 TL gemahlener Kreuzkümmel
  • 1 TL gemahlener Koriander
  • 1 Pr. Kurkuma
  • 1/4 TL Cayennepfeffer
  • 1,5 EL Wasser
  • 1/4 TL Backpulver
  • Pflanzenöl zum Frittieren

Ich weichte die Kichererbsen am Vorabend in reichlich Wasser ein. Am nächsten Abend ließ ich sie gut abtropfen und gab sie gemeinsam mit Knoblauch, Zwiebel und den Gewürzen in meinen Zerkleinerer. Deckel drauf. Los püriert. In kürzester Zeit setzte sich die Masse am Rand des Behälters ab. Deckel wieder auf, runtergekratzt. Nochmal püriert. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie oft ich das Prozedere wiederholt habe. Irgendwann gab ich die 1,5 EL Wasser hinzu, aber das brachte auch keine große Erleichterung. Die Masse war sehr trocken, aber das sollte sie auch sein. Als sie einigermaßen fein püriert war, mischte ich das Backpulver unter und stellte ich sie für eine halbe Stunde in den Kühlschrank. In dieser Zeit bereitete ich die Beilagen vor.

Für die Chilisauce:

  • 1 rote Paprikaschote, geputzt, gob zerkleinert
  • 1 frische grüne Chili, Kerne entfernt
  • 1/4 TL Salz
  • 1/2 Knoblauchzehe, grob gehackt
  • 2 EL Zitronensaft

Für den Tahin-Joghurt:

  • 150 g Joghurt
  • 30 g (2 EL) Tahin
  • 1-2 EL Limettensaft
  • 1/2 kleine Knoblauchzehe, feinst gewürfelt
  • 1/4 TL Salz

Für den Salat:

  • 1 Handvoll Salatblätter
  • 4-6 Cherrytomaten, je nach Größe halbiert oder geviertelt
  • 1 Stück Salatgurke, in Scheiben geschnitten
  • 1 Handvoll Radieschen, in Scheiben geschnitten
  • 1 Möhre, in Julienne geschnitten
  • 1 Lauchzwiebel, in Röllchen geschnitten
  • 1 Handvoll Koriander, gehackt

Zunächst garte ich die Paprika für die Chilisauce ca. 10 Minuten in kochendem Wasser und pürierte sie danach mit den restlichen Zutaten. Dann rührte ich den Tahin-Joghurt mit dem Schneebesen schaumig und schnitt das Gemüse für den Salat. Herr H. war leider noch nicht von der Arbeit zurück gekehrt.

Für das Fladenbrot hatte ich morgens 100 g des Brötchenvorteigs abgenommen und ihn mit diesen Zutaten verknetet.

Für das Fladenbrot:

  • 100 g Hefevorteig (50 g Weizenmehl 550er mit 50 g Wasser und einer Prise Hefe verrührt und 12 Stunden abgedeckt stehen gelassen)
  • 100 g Weizenmehl 550er
  • 50 g Weizenmehl 1050er
  • 4 g Salz
  • 2 g Hefe
  • Sesam und Schwarzkümmel zum Bestreuen

Den Teig hatte ich ca. 3 Stunden zuvor geknetet und ihn in der Zwischenzeit mehrmals gedehnt und gefaltet. Nun rollte ich ihn auf der leicht bemehlten Arbeitsfläche etwa 30 x 30 cm groß aus und stippte ihn kräftig mit den Fingerspitzen. Anschließend besprühte ich ihn mit Wasser, bestreute ihn mit Sesam und Schwarzkümmel und schob ihn in den auf 220°C vorgeheizten Ofen. Nach ca. 12-15 Minuten war er goldbraun und leider etwas aufgebläht. Ich hatte ihn wohl nicht gründlich genug gestippt.

Inzwischen war Herr H heimgekehrt und hocherfreut, dass es kein Chili gab. Ich formte aus dem Kichererbsenteig kleine Bällchen, erhitzte 1/2 L Frittieröl auf 175°C und ließ etwas bang das erste Bällchen hineingleiten. Das Öl schäumte kräftig und ich befürchtete schon, das Bällchen habe sich aufgelöst, als es goldbraun an die Oberfläche stieg. Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Geschafft. Ich frittierte nach und nach alle Bällchen und ließ sie auf Küchenkrepp abtropfen. Dabei stellte ich fest, dass sie nahezu kein Öl abgaben. Auch der Ölstand im Topf war nach dem Frittieren fast genauso hoch wie davor.

falafel im fladenbrot

Fazit: Ich bin froh, dass ich den Versuch gewagt habe! Die Falafel waren köstlichst. Sie verströmten einen betörenden Duft, so dass Herr H. beim Fotografieren seine gesamte Willenskraft aufbringen musste. Dennoch fehlen mysteriöserweise hinterher einige Bällchen, was man an den verräterischen Lücken in der Stulle erkennen konnte. Herr H. beteuerte jedoch vehement seine Unschuld und konnte sich nicht erklären, woher der Joghurtfleck an seiner Oberlippe stammte.

Quellen: Vegetarische Rezepte der Welt Celia Brooks Brown, Genussvoll vegetarisch Yotam Ottolenghi

Ein Kommentar

  1. Salz in meine Wunden!
    Schaut klasse auch, auch das Brot ist wunderbar gelungen. Prima! 🙂

    • Danke Heike. 🙂 Das war nicht so gemeint, ich hatte echt einen Höllenrespekt vor den Dingern und hatte auch überlegt, sie zu braten…aber frittieren ist viel einfacher und fettärmer…

  2. Falafel sind immer ein Highlight – ich muss auch mal wieder ran. Ich glaube, schief geht es nur, wenn man die Kichererbsen kocht.
    Ich drücke feste die Daumen für Euren Urlaub!

    • Naja, ich weiß ja inzwischen, dass man sich auf Frau Brooks Browns Rezepte verlassen kann, aber ich habe ganz schön Herzrasen bekommen, als der Ball sprudelnd im Fett versank…
      Ich drücke uns auch die Daumen, aber realistisch betrachtet sieht’s leider nicht allzu gut aus..naja, in Punkto radeln im Regen können wir auf einen reichen Erfahrungsschatz zurück blicken. 😉

  3. Oh lecker! Ich stehe leider mit dem Frittieren noch auf Kriegsfuss, aber mehr so geruchstechnisch… wenn nicht alles danach nach Öl riechen würde.

    Wie ist das bei Dir?

    Es sieht so lecker aus! Ich muss es trotzdem versuchen, vielleicht mit Backen im Ofen? Mal schauen…

    • Sandra, mir ging es vor kurzem wie dir! Frittieren – scheußlich. Aber dann habe ich mich überwunden, das Öl erhitzt (kann mehrfach verwendet werden) und war überrascht, wie wenig es roch (Küchenfenster weit auf, eine Dunstabzugshaube habe ich nicht) und wie “unfettig” das Frittierte war… Falafel im Ofen funktionieren, glaub’ ich, nicht. Einfach ausprobieren!

      • Falafel im Ofen habe ich mal gemacht – bin heute noch froh, dass keiner daran erstickt ist 🙂

        • 😀 Ich erinnere mich an den Artikel, herrlich! Jetzt frittierst du sie auch, oder?

  4. Oh, bei mir haben sich Falafel auch mal komplett im Fett aufgelöst – eine doofe Erfahrung! Seit dem nehme ich immer Kicherernsenmehl dazu, was geschmacklich sicherlich nicht an deine köstlichen Knüdelchen rankommt. Ok, ok. Ich weich JETZT Kichererbsen ein. Hast mich überzeugt! Deine Chilisauce find ich auch toll, und dein Fladenbrot habe ich ja schon gemacht und für köstlich befunden. Kann mir vorstellen, dass ihr Spaß am Essen hattet!

    • Echt? Das war bestimmt megaärgerlich. Ich wußte gar nicht, dass man Falafel auch aus Kichererbsenmehl machen kann. Wieder was gelernt! 🙂
      Ja, mach das, lohnt sich wirklich! wie war’s in Genf? Hattet ihr etwas freundlicheres Wetter als wir? Hier hat es das ganze Wochenende geschüttet….

      • Na, ob das nun original ist sei dahingestellt – aber es geht.
        Habe sie gerade eingeweicht. 🙂 Für morgen ist das Essen gerettet. Genf war sehr schön. Geschüttet hat es am Samstag auch. Aber wir haben einige Zeit in unterschiedlichen schweizerischen und französischen Supermärkten verbracht. 😉 Flageolets, Herbsttrompeten, Öle, Pasteten, Käse, Schnecken und und und ….. das half über das Wetter hinweg. Gestern war es besser und wir sind den ganzen Tag unterwegs gewesen. Sehr schöne Stadt mit atemberaubener Kulisse!

        • Klingt, als hättest du viele neue Anregungen mitgebracht. 😉 Das mit der Kulisse habe ich mir gard mal angeschaut, mir gar nicht so recht bewußt, dass die Stadt regelrecht von Frankreich umzingelt ist…da hätte ich auch gern ein wenig eingekauft. Naja, ich darf bald in Pölser und Soft-Is schwelgen…

  5. Hier in Wien gibt es mittlerweile so viele Nebenan-Türken, das ist echt heftig. Kebab- und Falafelstandeln in der Relation zu den alt gedienten Würstelständen 2:1. Der Witz an der Sache: Kein Türke würde in der Türkei diese Sachen essen, weil sie qualitativ ein Krampf sind. Irgendwie haben wir Wiener den guten türkischen Geschmack verdorben, scheint es manchmal.

    • Hättet ihr sie halt nicht aufgehalten!

      • Sollen wir die ganzen Kebabstandeln zu euch nach Deutschland exportieren? 😉

        • Nein, die dürft ihr gern behalten. 😉 Es gibt hier auch einige, nur eben keinen, bei dem ich etwas kaufen würde, in fußläufiger Entfernung…

    • Na, das wäre doch für dich ein Grund mehr, selbst frittierte Falafel zu bereiten 😉 (und ich weiß, dass du frittieren kannst…die einzige Ausrede wäre, dass du keine Kichererbsen magst :-)).

      • Na ich liebe Kichererbsen! Sehr sogar. Und selbst gemachte Falafel stehen sogar relativ weit oben auf meiner Nachkochliste. Leider scheitert das an einem vernünftigen Zerkleinerer. Ich hab nur so einen winzigen vom Zauberstab. Der große hat irgendwann den Dienst quittiert und da war jemand so faul und hat sich noch nicht schlau gemacht, welchen man am besten kaufen sollte … *schäm*

        • Das kenne ich. Echt schrecklich, wenn man sich über neue Geräte informieren muss… Sybilee (tomatenblüte) hatte Anfang des Jahres mal so einen schweizer Turbomixer zum testen und war restlos begeistert. Guckst du: http://tomatenbluete.wordpress.com/2013/02/05/test-und-ein-objekt-der-begierde/
          Ich habe so einen Multiquick von Braun und bin relativ zufrieden mit ihm. Wenn ich mehr Platz hätte, würde ich den Schweizer bestimmt anschaffen, der hat definitiv richtig Wumm. 😉

  6. Zu lesen, was du alles so kochst, ist für mich wie ein Eintauchen in fremde Welten.
    Mir ist das alles doch viel zu exotisches und aufwändig.
    Aber staunen tue ich trotzdem gerne.

    • Das freut mich, Mari. Ich staune bei dir auch oft 😉 und, uff, es gibt noch soo viel zu lernen. Heute probiere ich mal, Fondant zu machen. Drücke mir die Daumen.^^

  7. Lecker sieht sie aus, Deine Stulle ;-). In den arabischen Lokalitäten meines Vertrauens kommen da noch kleine Stückchen eingelegter roter Bete und Rübchen hinein, die setzten dem Ganzen ein schönes Krönchen auf (Ottolenghi und Tamimi beschreiben die Rezeptur für dieses Gemüse in “Jerusalem”).

    • Danke Claudia, das mit den Roten Beeten und den Rübchen werde ich mir merken und vielleicht kreuzt “Jerusalem” ja auch bald meinen Weg. 🙂

  8. So, alles ist angerührt und püriert und wartet im Kühlschrank auf den Einsatz. Bin mal sehr gespannt, ob die Bällchen ganz bleiben…. Das Fladenbrot hab ich gekauft und der salat ist auch nicht so ausgefeilt wie deiner. Aber ich bin voller Vorfreude!

    • Ich drücke dir die Daumen! Klappt bestimmt. 🙂

    • Juchu! Das gute Gefühl bei diesem Anblick kenne ich noch zu gut! 🙂

  9. 7 Stück verputzt. Erst mit Brot, dann pur. Keine Fressbremse. Wieder einmal…. Das war köstlich! Alle, die das hier lesen: unbedingt nachmachen!

    • Freut mich sehr, dass sie dir geschmeckt Haben. Wir haben auch alle restlos verputzt, weiß gar nicht mehr, wie viele das waren. Da nehme ich dann auch ausnahmsweise mal einen “zuviel”. 😉

        • Das freut mich echt total! Ich werde sie auch bald wieder machen, aber erstmal stehen Geburtstagstorten für meine Mutter auf dem Plan. In die Küche, marschmarsch 😉

          • wieder sowas Aufwändiges? Ich versuch mich grade an Erdbeerchutney…

          • Es sieht nur aufwändig aus, ist echt ganz einfach! 🙂
            Erdbeerchutney salzig? Spannend!

  10. Oh man, Brot mit was druff ist einfach das Beste auf der Welt. Ich bin so ein Brot Junkie! Und diese orientalische Variante macht mir echt großen Hunger 🙂

    • Du hast doch bestimmt einen guten Umdieecketürken, oder? Ansonsten, selbst ist die Frau, das Fladenbrot ist ganz einfach. 😉

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