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Halali! Wildfasan mit Walnussfüllung

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Als ich Zorras Aufruf zum Spezial-Blog-Event “Mit Walnüssen durchs Jahr” las, fiel mir der Wildfasan ein, der im Winter auf verschlungenen Wegen in meiner Tiefkühltruhe landete. Bislang hatte ich noch keine adäquaten Verwendungszweck für ihn ersonnen, da es der erste seiner Art war, der mir untergekommen war. Ich erinnerte mich an eine Füllung aus Trockenfrüchten und Walnüssen, die meine Großmutter früher in die Weihnachtsente gegeben hatte, und beschloss, sie in leicht verfeinerter Form dem Fasan angedeihen zu lassen. Herr H. musterte den aufgetauten Fasan skeptisch. Der Fasan war nicht besonders gründlich gerupft worden und sein Überbringer hatte uns gewarnt, dass sich noch Schrot im Fleisch des Vogels befinden könne. Ich zupfte die widerborstigen Federn mit einer Pinzette aus der Haut des Fasans. Herr H. bereitete die Füllung vor.

Für die Trockenfrüchte-Walnussfüllung:

  • 1 EL Butter
  • 2 Schalotten, fein gewürfelt
  • 1 Knoblauchzehe, gemörsert
  • 70 g Walnüsse, gehackt
  • 1 handvoll gemischte Trockenfrüchte, gehackt
  • 1 Zweig Rosmarin, gemörsert
  • 1/2 TL Salz, Pfeffer

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Die Federn des Fasans saßen sehr fest und es dauerte eine Weile, bis ich sie alle entfernt hatte. Einschusslöcher fand ich selbst bei genauester Untersuchung nicht. Herr H. hackte Walnüsse und Trockenfrüchte, mörserte den Knoblauch gemeinsam mit Salz und Rosmarin und schwitzte die Schalottenwürfel in der Butter 10 Minuten lang an. Sie sollten keine Farbe annehmen. Als ich endlich mit dem Zupfen fertig war, fragte ich Herr H., wo das Küchengarn sei. Er zuckte die Schultern und erst nach halbstündiger Suche fand ich es in einer Schublade, die ansonsten Handschuhe und Schals beherbergt. Schon komisch, wie Gegenstände sich manchmal verstecken. Ich füllte die Bauchhöhle des Fasans und band ihn zu einem ordentlichen, ähm, Päckchen zusammen.

Für den Fasan:

  • 1 Wildfasan (ca. 800 g)
  • ca. 50 g ungeräucherten Speck in dünnen Scheiben
  • 1 Möhre
  • 1 – 2 Stangen Staudensellerie
  • 1 Schalotte, halbiert
  • 30 g Butter
  • 1 EL Honig
  • Saft 1/2 Zitrone
  • 300 g Hühnerbrühe
  • 40 g Crème Fraîche
  • Salz, Pfeffer

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Anschließend umwickelt ich ihn auf der Brustseite mit dem Speck, so dass man die chaotische Schnürung nicht mehr sah. Herr H. erhitzte Butter, Zitronensaft und Honig in einem kleinen Topf und übergoss den eingewickelten Fasan damit. Ich hatte den Ofen auf 180°C vorgeheizt und gab das Gemüse und die Brühe in den Schmortopf. Dann legte ich den Deckel auf und schob den Topf für 45 Minuten in den Ofen. Zwischendurch übergoss ich ihn gelegentlich mit der Bratflüssigkeit. Als der Fasan eine Kerntemperatur von 85°C hatte, nahm ich den Bräter aus dem Ofen, wickelte den Fasan in Alufolie und stellte den Topf mit dem Bratensaft auf den Herd. Ich ließ ihn ca. 15 Minuten köcheln und gab anschließend die Crème Fraîche hinein, schmeckte mit Salz und Pfeffer ab und musste mich sehr zusammenreißen, um die köstliche Sauce nicht komplett wegzuschlürfen.
Als Beilage hatte ich Möhrchen und Staudensellerie in Butter weich gedünstet und ein Baguette aufgetaut. Ich wickelte den Fasan aus, entsorgte die Speckstreifen und versuchte ihn zu tranchieren. Gar nicht so einfach. So ein Wildfasan hat viel mehr Sehnen und Knöchelchen als ein normales Haushuhn.

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Fazit: Sowohl Brust als auch Keule des Fasans waren zart und saftig. Es war zwar schwierig, die letzten Fleischfitzelchen von den Knochen zu pulen, aber am Ende blieb kein Stück übrig. Der feine Wildgeschmack harmonierte perfekt mit der leicht süßen, nussigen Füllung und der fruchtigen Sauce. Ich erwischte die einzige Schrotkugel, die irgendwo in der Brust steckte. Herr H. hatte Glück. Das Gericht ist zwar nicht saisongemäß, aber es heißt ja, mit Walnüssen durchs Jahr und da darf auch etwas herbstliches nicht fehlen.

Spezial-Blog-Event LXXXVIV - Mit Walnüssen durchs Jahr

22 Kommentare

  1. Da hätte ich auch gerne mal probiert, Fasan gab es bei uns bisher noch nicht 😀
    Sieht aber sehr lecker aus!

    • Die Füllung passt bestimmt auch gut zu einem feinen Hühnchen. 🙂 Und ansonsten musst du zum Herbst hin die Freundschaft eines Jägers gewinnen…

  2. Hm, da hab ich wieder das Geflügelproblem mit dem Turbohausmann. Schade! Dein Rezept klingt nämlich sehr fein.

    • Du hast mal angedeutet, dass du gelegentlich auch für dich allein kochst. Hmm, ansonsten könnte man vielleicht auch eine Kalbsroulade mit der Füllung rollen. 🙂

  3. das ist ein ganz tolles Rezept!!!
    das probiere ich sicher einmal aus, mit Fasan oder vielleicht Perlhuhn, das geht womöglich auch mit Kaninchen?? was glaubst du?

    • Danke, Friederike. 🙂 Das geht ganz sicher auch mit Perlhuhn oder Kaninchen oder (s. u.) ich könnte es mir sogar in einer Roulade vorstellen…

  4. … und wo nehme ich nur den Fasan her? Im Herbst gehe ich auf die Suche.

    • Bei euch gibt’s doch bestimmt auch freundliche Jäger? 🙂 Ansonsten musst du derweil etwas anderes mit der Füllung füllen. 😉

  5. Was bin ich beruhigt, dass sich auch in kinderlosen Haushalten manchmal Dinge an den seltsamsten Stellen wiederfinden:-)
    Ich wohne hier in München in einem Ortsteil namens “Fasanerie Nord”. Nicht grade der prominenteste Stadtteil, aber er liegt zwischen dem Stadtzentrum und Oberschleißscheim. Und weil da der König früher immer vorbeikam, wenn er in sein Lustschloß (Oberschleißheim) wandelte, wurden hier Fasane zur Jagd ausgesetzt, damit er auf dem Rückweg noch ein bißchen Spaß haben konnte. Ich wüßte ja eine Stelle, wo es hieer noch immer massenhaft Fasane….was mit denen wohl passiert…..

    • Ja, manche Sachen scheinen Flügel zu bekommen und sich dann irgendwo zu verstecken. Da braucht’s keine Kinder. 😉
      Ich habe gerade mal gegoogelt. In der Ecke, wo du wohnst, war ich bei meinem letzten Münchenbesuch im November 2011 nicht. Ob prominent oder nicht, ist mir egal. Eilbek ist auch nicht gerade das trendigste Viertel Hamburgs, aber irgendwie schere ich mich nicht mehr um Trends. Wilde Fasane sehe ich hier auch öfter beim Radeln in Vierlanden, aber ich weiß nicht, ob ich’s über’s Herz brächte, einen zu erschießen. Es ist eine Sache, sie auszunehmen und zu rupfen, aber eine ganz andere, sie abzumurksen. Irgendwie ganz schön inkonsequent…

  6. Als ich Deinen Post-Titel gerade im Feed sah, durchzuckte mich kurz der Gedanke: Oh je, schon wieder Herbst! 😉 Fasan, alle Achtung – die Füllung klingt wirklich köstlich.

    • Zum Glück noch nicht, aber gut, wenn man sich schon mal drauf vorbereitet. 😉

  7. Wie herrlich es wohl in eure Küche geduftet hat. Deine Füllung muss ich mir mal abspeichern. Jetzt fehlt nur noch ein netter Jägersmann 😉

    • Oder ein Hühnchen. 🙂 Ja, es roch schon ziemlich gut…

  8. Ich fühle mich auch ein bisschen herbstlich bei dem Gedanken an Nüsse und Trockenobst. Aber für Feines dieser Art gibt es keine Saison. Fasan hatte ich leider noch nicht zwischen den Kiemen, und jemand, der einen für mich fängt, kenne ich auch nicht. Aber es gibt ja gute Alternativtiere. Oder man ißt die Füllung einfach nur so. Als Studentenfutter oder so.
    Liebste Grüße!! Heute Abend schaff ich es noch vielleicht an die Alster …. was ist mit dir?!

    • Studentenfutter. 😉 Alternativen gibt’s auf jeden fall jede Menge! Ich bin heute Morgen schon eine Stunde gelaufen. Das reicht für heute…

  9. Wie praktisch, dass du noch diesen Vogel im Gefrierer hattest und dann auch gleich noch was so Köstliches damit gezaubert hast! Danke fürs Mitmachen.

    • Danke, Zorra. Ich dachte mir, Kuchen gäbe es bestimmt schon genug. 🙂 Es war mir eine Ehre teilzunehmen!

  10. das tönt aber wirklich sehr fein … und schön fotografiert 🙂
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • Danke, Andy, das war es auch! 🙂
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

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