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Schmortopf mit Frischekick

Beinscheibe

Für letzten Donnerstag hatten wir die beste Nachbarin zum Abendessen eingeladen. Ausnahmsweise musste ich nicht lange überlegen, was ich kochen würde. Sie hatte am Sonntag zuvor die 100 km Etappe der Cyclassics (ein großes Radrennen durch das südliche Hamburger Umland) in nur 3 Stunden und 27 Minuten zurück gelegt. Ich fahre viel, gern und lang Fahrrad, aber eine solche Strecke in derart kurzer Zeit zurückzulegen, kommt mir abenteuerlich vor. Es war also klar, dass man nach so einer Anstrengung etwas Kräftigendes braucht. Wenn das dann noch mit einem extra Frischekick daher kommt, kann es nur gut werden. Ich ersetzte kurzerhand den Ochsenschwanz im Rezept durch zwei im Eis schlummernde Beinscheiben und legte los.

Für den Schmortopf mit Ochsenschwanz, Kürbis und Zimt (3 Personen):

  • 1 kg Ochsenschwanz (ich: 700 g Beinscheibe vom Rind)
  • 100 g Schalotten, grob gehackt (ich: rote Zwiebeln)
  • 2 mittelgroße Möhren, grob gehackt
  • (ich: 2 Stangen Sellerie, grob gehackt)
  • 1 Knoblauchzehe, zerdrückt
  • 200 g Rotwein
  • 325 g Tomatenstücke aus der Dose (ich: frische)
  • 5 Zweige Thymian
  • 2-3 Zweige Rosmarin
  • Schale 1/4 Orange (ich: getrocknete)
  • 1 Lorbeerblatt
  • 1 Zimtstange
  • 1 Sternanis
  • 300 g Butternutkürbis, in 2,5 cm große Würfel geschnitten (ich: Hokkaido, spart das Schälen)
  • Salz und Pfeffer

schmoren serie

Nachdem ich alle Zutaten bereit gestellt hatte, heizte ich den Backofen auf 180°C vor und erhitzte etwas Olivenöl im Schmortopf auf dem Herd. Darin briet ich die Beinscheiben beidseitig schön braun an und legte sie anschließend beiseite. Ich gab die Zwiebeln in den Topf und als sie glasig waren, kamen Möhren, Sellerie und Knoblauch hinzu. Nach 10 Minuten war das Gemüse ebenfalls goldbraun angeröstet. Ich goß den Wein an und löste den Bratensatz. Als der Wein beinahe vollständig verdunstet war, gab ich Tomatenstücke und etwas Wasser in den Topf. Die Kräuter und Gewürze steckte ich in einen Teebeutel und legte ihn zu dem Gemüse. Ich salzte und pfefferte kräftig, bettete die Beinscheiben in den Topf und goß noch etwas Flüssigkeit an, da ich meinen Topf nicht 100% verschließen kann. Wer das kann, braucht keine zusätzliche Flüssigkeit. Nun durfte der Topf für 2,5 Stunden im Ofen vor sich hin schmoren.

Für die Gremolata:

  • 4 EL glatte Petersilie, gehackt
  • Schale 1 Zitrone
  • 1 Knoblauchzehe, gehackt, mit wenig Salz gemörsert

Ich steckte gerade mit beiden Händen im Teig für das Mjukbröd, dass es dazu geben sollte, als Herr H. eintrudelte. Er wusste bereits, was es geben würde und mischte aus oben genannten Zutaten die Gremolata. Die Törtchen, die es als Nachtisch geben sollte, sollten noch eine Geleehaube bekommen. Gerade als wir das letzte Törtchen in den Kühlschrank stellten, klopfte es. Während Herr H. der besten Nachbarin öffnete, nahm ich den Topf aus dem Ofen, fischte die Beinscheiben heraus und löste das Fleisch von den Knochen. Dann gab ich es zusammen mit dem gewürfeltem Kürbis und etwas Wasser wieder in den Topf und stellte ihn für eine weitere halbe Stunde auf den Herd. In den Ofen kam das Fladenbrot.
Beinscheibe

Fazit: Die beste Nachbarin ist es schon gewohnt, dass es ein Weilchen länger dauert, bis das Essen bei uns auf dem Tisch steht. Ich bin sehr dankbar für ihr Verständnis. Als Herr H. den Teller abgelichtet hatte, quetschten wir uns an den kleinen Küchentisch und schwelgten. Es ist erstaunlich, was eine Gremolata, aus so unspektakulären Zutaten wie Petersilie, Zitrone und Knoblauch, ausrichten kann. Der eher herbstliche Schmortopf bekam dadurch eine Lebendigkeit und Tiefe, die ich nicht erwartet hätte. So kann er auch an einem lauen Sommerabend serviert werden. Wir alle aßen begeistert und im Nu war der Topf geleert und da ich die Mengen etwas knapp bemessen hatte, passten die Törtchen noch problemlos hinterher.

Aus: Das Kochbuch Yotam Ottolenghi

Ein Kommentar

  1. Gremolata! Total vergessen, dabei ist so eine tolle Sache. Danke fürdie Erinnerung.

    • Gern geschehen, Susanne, so erinnern wir uns immer wieder gegeseitig. 🙂

  2. Es wird Herbst … man schmort wieder. 😉 Ich freue mich drüber. Das klingt sehr, sehr lecker!

    • Danke, Sabine. Erstmal kriegen wir ja noch einen Sommernachschlag, aber dennoch naht der Herbst…

  3. Klasse! Ich schmor auch im Sommer und das nicht nur in der Sonne – und heute ist ja wohl Herbstanfang. Das hört sich wieder einmal total lecker an.

    • Danke, ihr beiden! Wir kriegen nochmal eine Gnadenfrist, aber so, finde ich, geht Geschmortes zu jeder Jahreszeit. 🙂

  4. Dieses Rezept würde eindeutig zum derzeitigen Wiener Wetter passen! Klingt hervorragend.

    • Danke, Susi. Oje, habt ihr es nicht mehr schön? Ich hoffe, es wird sich innerhalb der nächsten zwei Wochen bessern…

  5. Mmmh, so ein leckerer Herbst-Eintopf passt perfekt zum derzeitigen Berliner Schmuddel-Wetter. Man kann gar nicht glauben, dass es nochmal 30 Grad warm werden soll – aber da kommt dann Deine tolle Gremolata gerade recht!

    • Danke, Claudia, den kann man sicher auch einfach mit Gemüse machen. Das verringert dann die Schmorzeit erheblich. 🙂 Ich kann vor allem kaum glauben, dass ich letzten Freitag noch leicht bekleidet durch die Marschlande geradelt bin, aber wir bekommen ja zu Glück noch eine Schonfrist vor dem Herbst!

  6. Der Herbst mag kommen (wenn ich dafür sowas zu essen kriege) 😉
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • Jederzeit. 😉 Und er wird noch viele andere Genüsse mit sich bringen!
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

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