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Erinnerung an die Zukunft

Culurgiones1

Susanne feiert den ersten Bloggeburtstag, herzlichen Glückwunsch und alles Gute für die nächsten 8 Jahre, und bittet um Urlaubserinnerungen, da sie dieses Jahr Ferien auf Balkonien macht. Nichts leichter als das, dachte ich. Ich kramte, suchte und erinnerte. Cheeseburger in Amerika, geniale Steaks in Argentinien, Sushi in Japan und so weiter, aber nichts war dabei, was sich hier einfach nachkochen ließe oder was wirklich herausragend war. Meine lebhafteste und intensivste Erinnerung betrifft eher einzelne Früchte. Ein Pfirsich in Südfrankreich direkt vom Baum am Atlantik genossen, so saftig und aromatisch, dass er schon beim bloßen Anschauen zerfloss oder eine Mango im tropischen Nordwesten Argentiniens, die so intensiv süßherbfruchtig und erfrischend schmeckte, dass ich sie spontan als Lieblingsfrucht erkor. Dennoch, nichts, was für einen würdigen Blogbeitrag taugen würde.
Ich ließ das Grübeln sein und siehe da, eben beim Radeln fiel mir ein, dass wir eigentlich geplant hatten, unseren Herbsturlaub auf Sardinien zu verbringen, um uns dort unter anderem von Maria zeigen zu lassen, wie man die vermaledeiten Culurgiones, an denen sich Robert auch schon die Finger verknotet hat, schließt. Das, was in allen angeschauten Videos so einfach und völlig logisch, gar unkompliziert aussieht, wollte uns partout nicht vom Kopf in die Hände gehen.

Für den Pastateig:

  • 120 g Weizenmehl 405 er
  • 60 g Semola di grano duro rimacinata
  • 1 Ei Gr. M und 1 Eigelb, evtl. etwas Wasser
  • 1 Pr. Salz
  • 1 TL Olivenöl

Für die Kartoffelfüllung:

  • 300 g Kartoffeln, gar gedämpft, gepellt
  • 50 g Pecorino
  • 15 g Parmesan
  • 2-3 Zweige frische Minze, Blätter gezupft, gehackt
  • 1 Eigelb Gr. M
  • Pfeffer, evtl. Salz

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Den Pastateig hatte ich bereits am Nachmittag ca. 10 Minuten geknetet und abgedeckt einige Stunden im Kühlschrank gelagert. Für die Füllung dämpfte ich die Kartoffeln in der Schale in ca. 25 Minuten gar, pellte sie noch heiß und gab sie durch die Kartoffelpresse in eine Schüssel. Anschließend fügte ich das Eigelb, die gehackte Minze, den geriebenen Käse und etwas Pfeffer hinzu. Beim Abschmecken beschied ich, dass es kein zusätzliches Salz brauchte. Gerade als ich die erste Portion Pastateig schrittweise bis zum zweit kleinsten Stufe ausgerollt und Kreise mit 7,5 cm Durchmesser ausgestochen hatte, kam Herr H. nach Hause. Kopfschüttelnd sah er auf die Schüssel  mit der Kartoffelfüllung und bot an, die Füllung zu Kugeln zu rollen. das sei wesentlich einfacher, als sie löffelweise auf die Teigscheiben zu geben. Nun gut.
Während er rollte, erklärte ich, dass diese Ravioli keine gewöhnlichen, sondern speziell verschlossen Culurgiones werden sollten. Ich zeigte ihm das Video, in dem die Verschlusstechnik spielend einfach aussieht. Alles klar? Kein Problem. Ich nahm den ersten Pastakreis, setzte die Füllung darauf und – stutzte. Video nochmals angeschaut. Klar. Zunächst faltet man das eine Ende nach innen und dann geht es immer von rechts nach links und links nach rechts. Wie beim Flechten. Nach dem 4. Versuch gab ich auf. Herr H. nahm mir den Teigkreis aus der Hand und verkündete, dass es doch wirklich ganz einfach sei. Faltete, versuchte zu flechten und schickte sich an den unförmigen Klumpen wutentbrannt an die Wand zu feuern. Ich stoppte seinen Arm, schlug vor, den Teig einfach umzufalten und mit der Gabel zu verschließen. So kamen wir doch noch zum unserem wohlverdienten Abendessen.
Culurgiones2

Fazit: Geschmacklich waren die Ravioli einwandfrei! Traditionell werden sie mit einer Tomatensauce serviert, die ich aus Zeitmangel einfach durch etwas geschmolzene Butter ersetzte. Herr H. konnte die Schmach nicht auf sich sitzen lassen, recherchierte am nächsten Tag und wurde fündig. Ein Wanderurlaub auf Sardinien und der oben erwähnte Pasta-nachmittag bei Maria würden uns befähigen, die Culurgiones würdig zu verschließen. Aber irgendwie kommt es immer anders. Aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen, entschieden wir uns, den diesjährigen Wanderurlaub in Südtirol zu verbringen. Sardinien ist allerdings nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben und so habe ich die Erinnerung an den Urlaub dort einfach vorgezogen. Schön war es!

urlaub auf dem teller

Ein Kommentar

    • Da sieht man, wie oft der Schein trügt. 😉

  1. Die würde ich jetzt gerne mal probieren 😀
    Ich habe auch schon beim ersten Video beschlossen, dass ich lieber bei meinem Pasta-Maker bleibe… dazu fehlt mir einfach die Geduld 😉
    Südtirol ist einfach nur herrlich, oder? Waren wir letztes Jahr 🙂

    • Sind leider schon verspiesen. 🙂 Was ist ein Pasta-Maker? So ein Aufsatz für eine Küchenmaschine?
      Echt? Ich war noch nie da und bin sehr gespannt!

  2. Das erinnert mich an die Kärntner Kasnudeln, die ich noch immer nicht gebloggt habe, weil das Krendeln (so nennt sich diese Verschlusstechnik) mir einfach nicht perfekt gelingen will. Sieht man auch auf x Videos, wo es ganz simpel wirkt … 😉

    • Ah, Krendeln, scheint eine weit verbreitete Technik zu sein, um jungen Frauen das Fürchten zu lehren. 😉 Ich werde aber keinesfalls aufgeben! Irgendwann macht’s wahrscheinlich *klick* und dann kann ich’s im Schlaf…

  3. Danke, Eva! Diese “supereinfache” Verschlußtechnik in Kombination mit der herrlichen Kartoffelfüllung erinnert ganz leicht an die Kärtner Kasnudeln (ok, da ist noch Quark drin).
    Ich wünsche Euch einen herrlichen Urlaub in Südtirol.
    Du hast übrigens recht mit den einzelnen Früchten – für mich sind das die Charantais-Melonen in Südfrankreich. Alles andere ist fade!

    • Gern geschehen, Susanne. Bin froh, dass du meinen Beitrag annimmst. 🙂 Vielleicht gibt’s ja auch in Südtirol solche “Nudeln” und irgendeinen nette Frau erklärt sich bereit, mir die Technik zu zeigen. Ansonsten werden wir wohl ein paar Kilometer wandern und viele Knödel essen…
      Ja, das Früchte und auch Gemüse so anders schmecken kann, finde ich immer wieder faszinierend. Da war auch noch eine schlanke mittelgroße Gurke in Japan – eine echte Offenbarung!

  4. diese Zöpfchen sehen schon grandios aus, aber man muss nicht alles zusammenbringen 😉
    danke f.d. Sardinien-Link!
    lg

    • Gern, Friederike! Nein, alles muss man nicht können, aber “krendeln” schon. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  5. ich muss endlich mal wieder Pasta selber machen…. diese hübschen Teile hier sehen köstlich aus.

    • Oh, danke Sabine. Mit der Gabel verschlossen, sind diese Ravioli ruckzuck gemacht. Für dich doch ein Klacks! 🙂

  6. Das mit dem Mangogeschmack kommt mir bekannt vor 😉 Und bei der spielend leichten Verschusstechnik kann ich mir sehr gut vorstellen wie sich meine Finger verknoten würden…

    • 😉 Irgendwann stelle ich auch so ein Video davon rein, auf dem es spielend leicht aussieht.

  7. Da komme ich sofort in Urlaubsstimmung! Und den Pfirsich vom Baum in Südfrankreich, den hätte ich jetzt auch gern ;-).

    • Das freut mich, Claudia. 🙂 Die Ravioli dienten übrigens auch dazu zu testen, wie sich Tüffel in einer Kartoffel-Käse-Füllung macht (der Rest des frischen Sommertrüffels). Leider ging er völlig unter…

      • Oh, da warst Du bestimmt enttäuscht, kann ich mir vorstellen. Wenn es ein Trüffelrest war, zumal Sommertrüffeln, kann der bei der Menge an Füllung aber auch nicht viel ausrichten. Da hilf nur viel, ich hätte z.B. eine Tuber von um die 15-20 g genommen. Aus Reststücken kann man noch was rausholen (allerdings dann für kleinere zu aromatisierende Mengen), wenn man sie bis zur Weiterverwendung in Ei oder Fett parkt, also nicht erst ein paar Stunden oder gar Tage vor der nächsten Verarbeitung lose lagern, da ist dann alles mausetot. Und immer in Butter anschwenken und nicht roh an Füllmassen geben, das schmeckt dann nach nix (außer bei der Ei-Variante).

  8. So und ich mache jetzt sofort Ravioli.Und zwar ohne kompliziertes Fleichtwerk, aber mit Kartoffelfüllung. super.

    • Na dann, ran an die Teige. 😉 Ich will allerdings zuvor, vor den Briochebrötchen, noch einen Blätterteigboden backen – für die nächste Torte.

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