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Some like it hot

rind sezuan art 7

Der chinesische Name dieses Gerichts ist etwas irreführend, shui zhu niu rou, Rindfleisch in Wasser gekocht. Es soll schon einige unbedarfte Ausländer gegeben haben, die es in einem Restaurant in Sichuan bestellten, in der Hoffnung, ein mildes Mahl zu bekommen und bereits nach wenigen Bissen schweißüberströmt die Stäbchen streckten. Mich kann das nicht schocken, dachte ich und schlug Herrn H. vor, es einmal auszuprobieren. Er war vor Jahren, als wir uns kennen lernten, eine ziemliche “Scharf-Memme”, ist aber inzwischen einigermaßen abgehärtet, da ich Chili, Cayenne und Co. einfach zu sehr liebe. Inzwischen verträgt auch er Gerichte mit 2 scharfen roten Thai-Chilis recht gut. Alsdann.

Für den Rindfleischopf nach Sichuan Art:

  • 200 g zartes, mageres Rindfleisch, in 3 – 4 cm lange Streifen geschnitten
  • Erdnussöl zum Braten
  • 5 getrocknete lange rote Chilis, halbiert, Samen entfernt
  • 1 TL Sichuan-Pfeffer
  • 1 Stange Sellerie, in 4 cm lange, schmale Streifen geschnitten
  • 1/2 kleine Stange Porree, in 4 cm lange, dünne Streifen geschnitten
  • (ich ergänzt: 1/2 rote Spitzpaprika, in 4 cm lange, dünne Streifen geschnitten, 1/2 kleine Fenchelknolle, in 4 cm lange, dünne Streifen geschnitten)
  • 1 Frühlingszwiebel, schräg in 2 cm breite Ringe geschnitten
  • Meersalz
  • 45 g Mungbohnensprossen (ich: hatte keine)
  • 1,5 EL Chilibohnenpaste
  • 300 g Hühnerbrühe
  • 1 TL Shaoxing (alternativ trockener Sherry)
  • 1 – 2 TL dunkle Sojasauce
  • 2 TL Maisstärke, in 2 EL kaltem Wasser aufgelöst

zutaten serie

Während Herr H. das Gemüse schnitt, stellte ich die restlichen Zutaten bereit. Er übernahm außerdem das Entkernen der getrockneten Chilischoten – eine etwas undankbare Aufgabe, die ich gern abgab. Ich schnitt das Fleisch, ein Rumpsteak, quer zur Faser in Streifen, legte es in ein Schälchen und vermischte es mit 1/4 TL Salz und dem Shaoxing. Danach erhitzte ich etwas Erdnussöl im Wok und pfannenrührte Chilis und Sichuanpfefferkörner darin, bis die Chilis begannen, braun zu werden. Sie dürfen keinesfalls verbrennen. Ich ließ sie ein Weilchen abkühlen und hackte sie fein.
Herr H erhitzte erneut etwas Erdnussöl bei starker Hitze und pfannenrührte das Gemüse einige Minuten, bis es knapp gar, aber noch bissfest war. Er würzte mit einer Prise Salz und stellte das Gemüse in einer Schale im Ofen warm. Nun erhitzte er wieder etwas Öl und briet die Chilibohnenpaste ca. 30 Sekunden darin an. Er gab die Brühe, die dunkle Sojasauce hinzu und ließ alles kurz aufkochen. Ich vermengte die aufgelöste Stärke mit dem Fleisch und gab es in die Brühe. Herr H. teilte die einzelnen Streifen vorsichtig voneinander und ließ das Fleisch eine gute Minute in der Brühe garen.
Ich hatte zwischendurch die Nudeln gekocht und abgeschreckt. Eigentlich wird das Gericht mit viel Reis serviert, um der Schärfe etwas Mildes entgegenzusetzen, aber ich hatte die Nudeln nun einmal da, warum, das ist eine andere lange Geschichte, die ich hoffentlich bald erzählen kann. Herr H. erhitzte ein letztes Mal etwas Öl im Wok. Ich richtete Nudeln, Gemüse und Fleisch in zwei Schalen an, bestreute es mit den gehackten Gewürzen und Herr H. goss das heiße Öl darüber. Es zischte wie verrückt.
rind sezuan art 9

Fazit: Ein köstliches, aber unglaublich scharfes Gericht. Ich war heilfroh, nicht gleich die komplette Ladung Chili und Sichuanpfeffer über das Essen gegeben zu haben. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet, wie scharf die Gewürzmischung sein würde. Dabei bin ich wirklich recht hartgesotten. Herrn H. stand nach wenigen Minuten dichter Schweiß auf der Stirn und auch meine Wangen verfärbten sich verdächtig rot. Dennoch bemerkte Herr H. nach dem Essen, dass wir es gern öfter kochen könnten – mit leicht nach unten korrigierter Schärfe.

Aus: Sichuan Cookery Fuchsia Dunlop

Ein Kommentar

  1. Oh je, dass wäre dann doch nichts mehr für mich. Erst gestern Abend haben wir festgestellt: um so älter, um so weniger scharf. Aber es sieht lecker aus.

    • Danke, Toettchen, ich hoffe, das mir das mit zunehmendem Alter nicht auch so geht. 😉

  2. Sieht köstlich aus, würde gerne die Schärfe testen, da ich hier in Thailand absolut mithalten kann und in der Türkei mehrmals Leute staunten, wenn ich ein, zwei rohe knackige Biber einfach so lächelnd wegdrückte.
    Die Vielfalt Eurer Zutaten versetzt mich in Staunen, sogar Shaoxingcheo habt Ihr, an den ich schlechte Erinnerungen aus Taiwan habe, allerdings an den Trink- nicht den Kochwein.

    • Danke, Erich. Das mit den ganzen Chilis kommt mir bekannt vor. Ich habe danach allerdings nicht gelächelt, sondern nur noch gan flach durch die Nase geatmet. 😉
      Der Shaoxing scheint in der chinesischen Küche unabdingbar, also mussten die Vorräte aufgestockt werden…

  3. Das sieht wirklich köstlich aus, aber man ahnt die Schärfe schon beim Blick auf die Zutatenliste: 5 getrocknete Chilis. Wenn ich da an meine Balkonchilis denke, schaffen wir nicht einmal EINE ganze. Wir haben sie schließlich mit Salz gemörsert und bedienen uns nur im Milligrammbereich an den scharfen Dingern 😉

    • Danke, Richensa. Ich glaube, die gekauften langen Chilis sind nicht gar so arg scharf. Deine Balkonier scheinen da von anderem Kaliber zu sein. Gute Ware. 🙂

      • Oh ja! Ich habe gestern aus ein paar noch ganzen Stücken für die neue Saison die Kerne herausgenommen und später ausgesät, ohne Handschuhe. Stuuuuuunden später, nach mindestens einmal Spülen, Fensterputzen und Händewaschen habe ich mir das eine Auge gerieben und dann minutenlang gejault, weil’s so gebrannt hat!
        Heiße Ware!!!

        • Wow.Du weißt nicht zufällig, um welche Sorte es sich handelt? Nur falls ich irgendwann mal in die Verlegenheit kommen sollte, Platz zum Pflanzen zu haben… 🙂

  4. Ich habe mir vorgenommen, öfter chinesisch zu koche; da kommt Dein Anstupser natürlich grade recht 🙂
    Das scheint doch ein Rezept aus der Abteilung “hot and numbing” zu sein….so mit Chili und Sichuan-Pfeffer. Ich liebe Sichuan-Pfeffer, aber zusammen mit dem Chili leistet er ganze Arbeit 🙂

    • Du hast doch schon begonnen. 😉
      Hot and numbing trifft’s gut. Den Rest der gerösteten Würzmischung musste ich nach dem Essen auch entsorgen, mehr ging nicht.

  5. Du bist also auch so eine “scharfe Braut” 😉 …
    Mir schmeckt es auch, wenn es scharf ist und es tötet alles, was böse ist ab…
    Ich muss unbedingt mal wieder mehr Asiatisches kochen..
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    • Das mit dem Abtöten funktioniert scheinbar tatsächlich (in Kombination mit Ingwer und Knoblauch), habe diesen Winter unbeschadet überstanden. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  6. Herr C. ist ja auf diesem Gebiet eine richtige Memme (Die Suppe ist scharf – Kann nicht sein – Oh doch, ich schmecke den Pfeffer raus – *Gnah*….) und je länger wir zusammen sind, desto mehr nimmt meine Abenteuerlust bezüglich Chilis & Co. ab. Deshalb verkneife ich mir das Nachkochen und bewundere einfach mal dein hübsches Schälchen.

    • Danke, Cookie, oje. Mit unserer besten Nachbarin ist es ähnlich wie mit deinem Herrn. C. und manchmal, wenn sie zum Essen kommt, habe ich nicht daran gedacht und dann muss sie “leiden” oder hungern. 😉

  7. Oh ja 😉 Getrocknete Chilis + Sichuanpfeffer + Chilipaste hat es dann doch in sich. Ich kenn das auch mit Fisch und jeder Menge Chinakohl in einer Art Suppe. Auch seeeehr lecker 😉 Eigentlich das richtige Essen für den Winter – das wärmt zumindest ordentlich…

    • Mit Fisch und Chinakohl? Klingt auch gut, mal sehen, ob ich so ein Rezept in dem Buch finde und ja, es wärmt herrlich!

  8. Oh jaaaa, *Fingerhebe* ICH like es hot 😉
    Um deine Einkaufsquelle beneide ich dich, ich habe eben alleine Stunde durchs Netz gesurft, um dieses Paprikapulver für Kimchi zu bekommen und habe dann irgendwann unzufrieden aufgegeben.

    • Hey, das feut mich. 🙂
      Und um meine Quellen musst du mich nicht beneiden, sag einfach, was du brauchst, dann schike ich es dir!

      • Oh, das ist ein ganz liebes Angebot von dir. Wenn ich darf, komme ich darauf tatsächlich mal gerne zurück. In ca. 2 Wochen fliegt eine Freundin nach Berlin, sie kennt dort eine Einkaufsquelle für dieses koreanische Paprikapulver und hat versprochen sich umzuschauen. Falls sie nicht fündig wird, komme ich gerne auf dein Angebot zurück.

  9. Mein Mann ist ja ein scharfer Hund und ich kann gut mithalten. Also her mit deinen Teller… 🙂

    • Ich fürchte, da musst du selbst ran. 😉

  10. Achja, so ein scharfes Schälchen- wobei ich auch schon “schärfere ” Zeiten hatte. Und ja leider diese ganzen fermentierten Dinge aus der asiatischen Küche sehr schlecht bis garnicht vertrage… allerdings dieses Gericht würde vielleicht auch ohne diese Komponenten gut schmecken.

    • Ich vermute, auf die Bohnenpaste könntest du verzichten, aber ohne Sojasauce schmeckt es wahrscheinlich nicht…

      • da würde ich vielleicht nur einen Spritzer nehmen, und den Rest mit meinem Salzgemüse abschmecken….

  11. Die beste Ehefrau von allen ist auch eine “Scharf-Memme” (lach) und lässt sich nicht mehr bekehren 😉
    Liebe Grüsse aus Zermatt,
    Andy

    • 🙂 Da hilft nur getrennte Zubereitung. Schönen Urlaub noch!
      Liebe Grüße aus Berlin,
      Eva

  12. Ich sollte mal bei Dir in die Lehre gehen! Ich übe mich zwar so langsam in Sachen “Scharf”, tue mir aber immer noch bisserl schwer damit…
    Ansonsten finde ich die Kombination sehr lecker! Ich glaube, heute gibt es direkt irgendetwas asiatisches, da habe ich jetzt Lust darauf 😀

    • Danke, Sandra. In der “virtuellen Lehre” bist du ja schon, wenn du möchtest. 😉 Und ich habe auch noch lange nicht ausgelernt…

  13. Ich liebe scharf – und M. zum Glück auch. Nur dass ich, wenn ich Scharfes esse, leider mit ziemlicher Regelmäßigkeit Schluckauf bekomme, was zwar den Genuss nicht schmälert, mir aber immer mitleidige Blicke einbringt. Dabei KANN ich scharf! Auf die Geschichte zu den Nudeln bin ich schon gespannt. 🙂

    • Schluckauf bekomme ich auch manchmal davon. C’est la vie und ja, das mit den Nudeln… ich hoffe, das löst sich bald. 😉

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