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Den Eisheiligen einheizen!

Vindaloo neu 1-kl

Alles scheint dieses Jahr früher statt zu finden. Selbst die Eisheiligen, die vor der Kalenderreform erst Ende Mai stattfanden, sind schon da. Da konnten wir unseren Freunden natürlich keine frühlingsfrischen Gerichte servieren, etwas Wärmendes sollte es sein. Herr H. blätterte nur kurz und machte mir dann das südindische Schmorgericht “Vindalho” mit wenigen Worten so schmackhaft, dass ich seufzend einwilligte, zumal ein Schmorgericht stets äußerst praktisch ist, wenn es zu bewirten gilt. Es gibt keinen super exakten Garpunkt, zu dem es serviert werden muss, es kann leicht vorbereitet werden und schmeckt meist fantastisch. Ich stellte nur eine einzige Bedingung. Es müsste dazu auch noch etwas knackig frisches geben. Er hatte nichts dagegen und stürmte zum Markt, um das Fleisch zu besorgen. Die Leerung der übervollen Tiefkühltruhe musste eben noch ein wenig warten.

Für die Gewürzmischung:

  • 1 EL Koriandersamen
  • 1 EL Kreuzkümmelsamen
  • 4 Gewürznelken
  • 1 Stange Zimt
  • 1 1/2 TL schwarze Pfefferkörner
  • 1 TL Fenchelsamen
  • 1 EL Bockshornkleesamen
  • 1/2 TL Senfsamen

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Ich gab alle Gewürze ohne Fett in die Pfanne und röstete sie bei mittlerer Hitze an, bis sie zu duften begannen. Das dauerte ca. 5 Minuten. Dann füllte ich sie in ein Schälchen und ließ sie abkühlen. Anschließend mahlte ich sie in der Gewürzmühle und kam dabei mächtig in Schwitzen, denn bei der großen Gewürzmenge waren einige hundert Umdrehungen nötig. Herr H. kehrte just in diesem Moment mit dem Fleisch zurück. Perfektes Timing.

Für die Marinade:

  • geröstete, gemahlene Gewürzmischung
  • 1 TL Palmzucker, fein gehackt
  • 50 g Reisessig
  • 1 kg Schweinefleisch aus der Keule (ich: aus dem Nacken)

marinieren serie 2

Ich schnitt das Fleisch in Würfel mit 3 cm Kantenlänge, während Herr H. den Palmzucker im Essig auflöste. Er gab die Gewürze hinzu und verrührte alles miteinander zu einer Paste. Ich gab die Würfel hinzu und vermengte sie mit der Marinade, bis alle Würfel damit überzogen waren. Nun durften sie gut 5 Stunden abgedeckt im Kühlschrank ruhen.

Für das Vindalho:

  • 1 Zwiebel, fein gewürfelt
  • 4 Knoblauchzehen (ich: 2), fein gewürfelt
  • 20 g frischer Ingwer, fein gewürfelt
  • 3 rote Thai-Chilis, entkernt, in feine Ringe geschnitten
  • 250 g Tomaten, in Würfel geschnitten
  • 50 g Butterschmalz
  • 2 Lorbeerblätter
  • 500 g Rinderfond
  • Salz
  • 1 EL Speisestärke, in etwas Wasser angerührt (ich: 2 gehäufte)

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Während Herr H. das Gemüse präparierte, briet ich die Fleischwürfel portionsweise in Butterschmalz an. Ich hatte gedacht, dass ich weniger Schmalz brauchen würde, aber es reichte gerade so eben. Ich lagerte die angebratenen Würfel auf einem Teller zwischen, schwitzte Zwiebel, Ingwer, Knoblauch und Chilis ca. 4 Minuten an, gab dann Lorbeerblätter, Fond, Tomaten und Fleischwürfel in den Topf und ließ es nach dem Aufkochen bei kleiner Hitze eine gute Stunde schmoren. Anschließend schmeckte ich mit Salz ab und band die Sauce mit gelöster Stärke. Beim nächsten Mal würde ich nur ca. 300 g Fond verwenden, es war doch recht viel Sauce.

Für den Erbsen-Fenchel-Salat:

  • 150 g Erbsen
  • 2 Fenchelknollen, in sehr dünne Streifen geschnitten
  • 100 g getrocknete Datteln (ich: Medjool), in Stückchen geschnitten
  • frischer Koriander nach Belieben
  • 125 g Joghurt
  • 1 TL gemahlener Kardamom (ich: 4 Kapseln, Samen ausgelöst, gemahlen)
  • 1/2 TL gemahlener Asafoetida
  • Salz
  • 1 EL Öl

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Im Rezept wurde der Fenchel roh verwendet. Das gefiel mir nicht, also blanchierte ich ihn ca. 3 – 4 Minuten gemeinsam mit den Erbsen und schreckte beides danach eiskalt ab. Herr H. hatte inzwischen den Joghurt mit Koriander, Kardamom, Asafoetida und einer Prise Salz püriert. Ich gab Fenchel, Erbsen und Dattelwürfel in eine Schüssel und vermengte sie mit dem Joghurt-Dressing. Zusätzlich gab es diesen Möhrensalat und Basmatireis, den der Reiskocher wie üblich perfekt gegart hatte. Wir schauten auf die Uhr, 19 h 20, und klatschen uns in die Hände, alles fertig, bevor um halb acht die Gäste eintreffen würden. Genial!
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Fazit: Da der Esstisch bereits gedeckt war, musste Herr H. das Essen unter einfachsten Bedingungen in der Küche ablichten. Deshalb gibt es leider kein besonders schönes Foto. Das Essen schmeckte uns allen sehr, sehr gut. Die Fleischmenge war nicht, wie befürchtet, viel zu groß. Es hätte tatsächlich noch mehr sein können. Auch der Erbsen-Fenchel-Salat fand großen Anklang. Ein rundum gelungenes Essen!

Vindalho aus: Die Welt zu Gast in Lafers Küche Johann Lafer

Salat aus: Happinez kochen Nr. 1 – 2012

Ein Kommentar

  1. Yuki liest immer ganz begeistert mit. Und ich natürlich auch. Für unsere japanischen Gaumen sind solche Gerichte meist fremd. Wobei wir schon experimentieren! Nur z. B. fettige Bratwürste, oder Schweinshaxen, die essen wir nicht. Ich versuche zur Zeit etwas Gewicht zu machen, ein eher hoffnungsloses Unterfangen bei mir 😉 Selbst wenn ich den ganzen Tag nur Kuchen äße, wird mir vermutlich nur schlecht. Mehr passiert da nicht.

    • Gewicht machen? Du Ärmste. 😉 Was würde ich darum geben, das nur einmal für kurze Zeit zu Erleben. Ich muss nur an Schokolade denken und schon sitzt sie auf meiner Hüfte. Da hilft nur eisernes Trainig und Disziplin…

  2. Sehr fein liest sich das, mit der Gewürzmischung. Und bei der Bewirtung von Gästen gehe ich meist ähnlich pragmatisch vor…

    • Danke, Ninive. Wir haben auch schon einmal ein mehrgängiges Menue gekocht, aber dafür standen wir auch 5! Stunden in der Küche. Dieses Mal sollte es eben etwas komfortabler sein. 🙂

  3. Wunderbar liebevoll gewürzt! Da kann man etwas Besonderes aus dem Schweinefleisch machen, das ich eigentlich oft liegen lasse…
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    • Danke, Cheriechen. Bevor ich mich näher mit heimatfernen Küchen beschäftigte, ließ ich das Schwein auch oft links liegen. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  4. Gulasch auf indisch! So einen kleinen Heizofen könnte ich jetzt auch gebrauchen – die (verfrühten) Eisheiligen machen ihrem Namen dieses Jahr leider alle Ehre. Die Kombination Erbse- Fenchel mit Joghurt werde ich mir auch merken, der nächste Fenchel in der Biokiste kommt bestimmt 😉

    • Ja, das trifft es ganz gut. 🙂 Ich könnte jetzt glatt wieder eine Schüssel gebrauchen, es windet und gießt wechselweise…

  5. Für mehrgängige Menüs steht man wirklich ziemlich lange in der Küche – teilweise erledige ich die Vorarbeiten schon einen Tag vorher. Ich merke allerdings, dass ich für sowas immer weniger Lust habe – wird wohl auch ein bisschen am Alter liegen 🙂 ….

    • Ja, einiges kann man schon am Vortag erledigen, aber es bleibt dennoch stressig und ich bin nicht sicher, ob es schon am Alter liegt. 😉 Das nächste Essen wird wieder etwas aufwendiger, gefüllte Pasta für 4. 🙂

  6. Da würde ich jetzt auch gerne zugreifen, auch wenn die Mittagspause schon rum ist. Ich nehme dann vom Möhrensalat, für ihn gerne mit Fenchel-Erbsen-Salat 😉 Herrn H. würde ich mir auch gerne mal ausleihen – jemand der das Gemüse schnippelt – ein Träumchen.
    Ich glaube, ich muss auch mal etwas in die indische Küche eintauchen. Hast Du zufällig eine Buchempfehlung dafür?

    • Herr H. ist leider nicht entbehrlich, da musst du deinen Italiener halt “erziehen”. 😉
      Indische Kochbücher: “Currys” von Madhur Jaffrey ist ziemlich umfassend und soweit ich beurteilen kann, auch authentisch. Das habe ich. Leider sind kum Bilder drin. Das Buch von Pushpesh Pant hatte ich mal ausgeliehen. Viele sind begeistert davon, ich fand es nicht so doll. “Die indische Küche” von Kumar & Subiga Mahadevan ist wunderschön fotografiert, die Rezepte, die ich probiert habe, funktionieren gut, aber es ist seltsam sortiert (nach salzig, bitter, sauer, würzig etc) und es gibt kein Inhaltsverzeichnis – gewöhnungsbedürftig. Ich hoffe, ich konnte bei der Auswahl helfen!

  7. Vindalooh…ich muss auch mal wieder…..und ich liebe Schmorgerichte. Man muss nicht in Hab-Acht-Stellung den richtigen Garpunkt abwarten, und der himmlische Geruch zieht ein bißchen länger durch die Küche….

    • Ebenebeneben und heute gibt es definitiv wieder was Geschmortes, es ist einfach echt ungemütlich draußen und das im Mai. 🙁

  8. Oh ja, Vindalho ist etwas ganz Tolles! Und eine gute Idee, es für Gäste zu machen.
    Was hast du denn für eine unglaublich schöne Gewürzmühle? Also man sieht sie ja nur von oben, aber da schaut sie echt gut aus!

    • Danke, Susi. Die Mühle ist eigentlich eine kleine Hand-Getreidemühle, funktioniert aber bestens für Gewürze. Mein Vater schenkte sie mir (Kornkraft Mulino), mir wäre sie nur um Gewürze mahlen zu können vielleicht etwas zu teuer gewesen. Aber ich liebe sie sehr. 🙂

  9. Ein sehr schönes Gericht, dass mich an meine indischen Phasen erinnert. Ich hatte mich damals gewundert, wieviel Schweinefleisch in Indien gegessen wird. Mit seinen vielen Gewürzen klingt es sehr ausgewogen und war sicherlich ein Erlebnis.

    • Danke, Toettchen. Naja. Das Fleischangebot ist ja dort ansonsten etwas eingeschränkt (wegen der Kühe). Ich hätte echt nie im Leben gedacht, dass 1 kg für 4 Personen kaum reichen würde… 😉

  10. Jaja, die Eisheiligen. Alljährlich mahnt mich meine Oma, die Chilipflänzchen nicht nach ihnen ins Freie auszupflanzen 😀 Dass dieses Jahr mal wieder etwas früher dran sind stört mich daher nur wenig. Und so oder so. Ein gutes Vindalho passt für mich in jede Jahreszeit 😉

    • Hoffentlich kommt danach endlich die Wärme, ich habe meine Winterklamotten schon verräumt und friere so vor mich hin…

  11. Für die liebevolle Darstellung deiner ideenreichen Gerichte hast du meine vollste Hochachtung.

  12. Aus erster Hand (als einer der glücklichen Gäste) kann ich bestätigen: Das schmeckte alles ganz wunderbar! Das Vindalho war wirklich perfekt gewürzt (und passt für mich durchaus zu allen Wetterlagen), aber total überrascht und begeistert war ich vom Salat, weil die verschiedenen Geschmacksrichtungen so prima harmonierten – wobe für mich speziell die Datteln die Krönung waren. Da müssen wir uns bei der Gegeneinladung echt was einfallen lassen…

    • Danke, Sönke! Und hey, das soll doch kein Kochduell werden. Lass’ uns einfach irgendwann im Sommer den Grill anschmeissen, für eine gute Wurst lässt Herr H. alles links liegen. 😉

  13. Eva Eva

    Ja, der Mai hält nicht, was der April versprochen hat und da kommen solche Schmorgerichte gerade recht. Wird also direkt abgespeichert und sicherlich bald nachgekocht.
    Nur – was ist ‘Asafoetida’ und wo bekommt man es?

    • Hauptsache, der Juni wird warm und vielleicht Juli und August auch? 😉
      Asafoetida (auch Asant oer Teufelsdreck) ist das sehr aromatische Harz, das aus dem Wurzelstock der Asantpflanze gewonnen wird. Roh riecht es , wie der deutsche Name schon sagt, ziemlich penetrant, erhitzt entwickelt es ein an Zwiebel und Knoblauch erinnerndes Aroma. Es wirkt angeblich verdauungsfördernd. ich habe es bei Mehkong gekauft, aber bei Vinh Loi am Hauptbahnhof gibt es das sicher auch.

  14. Au ja, indisch gegen Kälte – davon kannst Du mir gerne etwas rüberschieben! Wobei ich überrascht war, dass Herr Lafer Vindaloo ohne Essig macht – ich dachte immer, das macht den Charakter des Gerichts aus. Klingt aber sehr lecker! Und Deine Gewürzmühle habe ich auch sehr bewundert auf den Fotos.

    • Danke, Sabine. Wieso ohne Essig? Es sind doch 50 g Reisessig in der Marinade.
      Und meine Gewürzmühle würde ich niemals wieder hergeben, genauso wie meine Küchenmaschine. 🙂

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