Zum Inhalt springen

Von Jägern und Sammlern

entelinde 4

Es wird immer noch behauptet, dass die Rollenverteilung in der Steinzeit klar geregelt gewesen sei. Die Frauen hätten das Feuer in der Höhle am Leben erhalten, den Nachwuchs betreut und in der näheren Umgebung der Höhle Essbares gesammelt, während die Männer in Gruppen auf die Jagd zogen. Diese Art der Rollenteilung ließe sich schon allein an der unterschiedlich entwickelten Physiognomie von Mann und Frau festmachen. Ich kann natürlich keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse anführen, die dagegen sprächen. Doch bin ich überzeugt, dass es eine derart strikte Rollenteilung natürlicherweise nie gegeben hat, sondern dass die Aufgabenverteilung in menschlichen Gemeinschaften eher von individuellen Charaktereigenschaften abhängig waren und sind. Herrn H.s größte Leidenschaft ist beispielsweise das Sammeln von Nahrungsmitteln in “freier” Wildbahn. Er jubelte förmlich, als er am Wochenende die ersten Lindenblüten entdeckte, konnten wir doch so ein Gericht bereiten, dass sich ganz oben auf seiner Wunschliste befand. Ich begab mich, während er sammelte, auf die Jagd nach einer Ente geeigneten Beilage und erbeutete die “Kronprinzessin”.

Für die Pommes Dauphines:

Für den Brandteig:

  • 50 g Milch
  • 10 g Butter
  • je 1 Pr. Salz und Zucker
  • 30 g Mehl
  • 40 g Ei (ein kleines), verschlagen
  • 220 g mehlig kochende Kartoffeln (ich: festkochende vom Vorjahr), geschält, klein gewürfelt, gegart
  • Pfeffer, Salz

kroketten serie

Während die Kartoffelwürfel gut 10 Minuten im Salzwasser garten, kochte ich Milch und Butter auf (idealerweise ist die Butter erst zu dem Zeitpunkt geschmolzen, wenn die Milch zu kochen beginnt), schüttete das Mehl komplett hinein und rührte die Masse einige Minuten, bis sich auf dem Topfboden ein weißer Film bildete. Nun zog ich den Topf vom Herd, ließ die Masse etwas abkühlen und rührte nach und nach etwas Ei darunter, bis das komplette Ei eingearbeitet war. Ich ließ die gegarten Kartoffelwürfel ausdämpfen, gab sie durch die Presse zum Brandteig und vermengte beides zu einer homogenen Masse. Dann erhitzte ich das Frittieröl auf 175°C, stach mit einem Löffel etwas Teig ab, tauchte einen weiteren Löffel kurz in das heiße Öl und formte einen Nocken, den ich in das Öl gleiten ließ. Die goldbraun frittierten Nocken hielt ich im Backofen warm. Idealerweise verzehrt man sie sofort.

Für die Lindenblütensauce und den Rest:

  • 500 g grüner Spargel, geputzt, ca. 20 Minuten bei 200°C in Folie im Ofen gegart
  • 2 kleine Entenbrüste à 170 g, auf der Hautseite kreuzweise eingeschnitten, angebraten, bis das Fett geschmolzen und gebräunt ist, umgedreht, 1 Minuten auf der anderen Seite angebraten, im Backofen bei 80° 5 – 8 Minuten ruhen gelassen
  • 1/2 Zwiebel, fein gewürfelt
  • 1 kleine Möhre, fein gewürfelt
  • 100 g Geflügelfond
  • 100 g Wasser
  • 1 EL Zucker
  • 1,5 EL Weißweinessig
  • 7 g Lindenblüten, mehrere Stunden angewelkt
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • 1 TL Stärke, in etwas Wasser gelöst

lindenblüten sosse serie

Herr H. kümmerte sich in der Zeit, die ich mit den Nocken verbrachte, um die Sauce. Er briet Zwiebeln und Möhre in etwas Öl an, gab den Zucker hinzu und ließ ihn leicht karamellisieren, löschte dann mit Fond, Wasser und Essig ab, gab die Lindenblüten hinzu und ließ die Sauce abgedeckt 15 Minuten köcheln. Dann gab er sie durch ein Sieb, kochte sie erneut auf, ließ sie etwas einreduzieren und schmeckte mit Salz und Pfeffer ab. Zuletzt band er sie mit der Stärke. Ich frittierte nach den Nocken noch einige Lindenblüten, Herr H. lichtete schnell den Fototeller ab und schon konnten wir probieren.
entelinde 1

Fazit: Die Pommes Dauphines waren außen knusprig und innen herrlich locker. Wir waren von ihrer Konsistenz schwer begeistert! Herr H. schmunzelte zwar, als ich ankündigte, die werde es in Zukunft häufiger geben, aber ich bin sicher, dass er insgeheim darauf hofft. Spargel und Entenbrust waren zart und die Lindenblütensauce, mit ihrem feinen Aroma und der leicht süß-sauren Note, passte absolut perfekt zu allem. Ein äußerst gelungenes Sonntagsmahl.

Frei nach: Dumaines wilde Gemüseküche Jean-Marie Dumaines, Nikolai Wojtko

Ein Kommentar

  1. Das sieht fantastisch aus! Ich frittiere ja nicht gerne, aber vielleicht doch mal für die Pommes Dauphines…
    Und Herr H. hätte hier sicherlich eine Menge Spaß, in der Umgebung ist viel zu finden! Habe gerade erst entdeckt, dass es regelmäßig Kräuterwanderungen in der Umgebung gibt. Werde ich mich mal anmelden 🙂

    • Danke, Sandra. Ich empfehle dir dringend, deine Frittierunlust zu überwinden. Es lohnt sich. 🙂
      Kräuterwanderungen gibt es tatsächlich auch in Hamburg, gut dass du mich erinnerst, wir wollten schon ewig daran teilnehmen.

  2. Ich kannte bisher nur Lindenblüten-Tee 😉 Einen wunderbaren Teller hast du da gezaubert, das schaut genial aus.

    • Danke, Sabine. Da hast du mir was voraus. Ich wusste zwar, dass es ihn gibt (den Tee), habe ihn aber noch nie getrunken. Dafür habe ich aber bereits einiges an Blüten getrocknet. Mal sehen, was ich damit noch so anstellen kann. 😉

  3. Ich bin davon überzeugt, dass auch Frauen gejagt und gekämpft haben. Nur nicht bei allen Völkern. Bekanntlich kann ich besser Gemüse hacken, als es dann zu kochen. Behauptet meine Elfe jedenfalls. In Wirklichkeit kann ich auch kochen. Aber sie lässt mich meist nicht 😉
    Aber das Rezept gefällt mir. Das werden wir probieren. Vielen Dank für den Tipp.

    • Danke, Mayumi. Ist eben kein “Geschlechterding”, sondern eher Persönlichkeitssache, sehe ich auch so und vielleicht darfst du ja auch mal den Kochlöffel schwingen. 😉

  4. turbohausfrau turbohausfrau

    Diese Erdäpfelvariante bei Roger hatte mich auch arg angelacht und fast hätte ich sie vergessen. Danke für die Erinnerung!
    Lindenblüten habe ich bis jetzt noch nicht verkocht, aber mir scheint, das war ein Fehler.

    • Gern geschehen, Susi. Das war ehrlich gesagt schon mein 2. Versuch mit den Dauphines. Beim ersten Mal habe ich fast meinen Spitzbeutel ruiniert beim Versuch kleine, hübsche Häufchen auf das Backpapier zu dressieren (die Masse war viel zu fest). Beim Backen sind sie dann unschön auseinander gelaufen – also doch zurück zum Fritieren. 😉
      Und Lindenblüten lohnen unbedingt!

  5. Ein tolles Gericht und wieder was gelernt. Lindenblüten kannte ich bisher nicht. Stadtkind halt 😉 Kompliment auch an Herr H. für das erlegen erm schießen der Fotos 😉

    • Danke, Emma. Herr H. hat sich sehr über dein Kompliment gefreut! 🙂

  6. Oh diese Pommes…. kommen unbedingt auf die Merkliste, sobald es frische mehlige Kartoffeln gibt .
    Und was die Rollenverteilung angeht hast du völlig recht, Männer und Frauen unterscheiden sich nämlich garnicht sooo sehr, die “Übergriffe” der einen in die zugesprochenen Kompetenzen der anderen sind doch häufig feststellbar. Und um ein Mammut zu jagen brauchte es allemann, frau, kind….

    • Es geht auch mit fest kochenden. 😉
      Und ja, es wäre alles viel einfacher, wenn alle “an einem Strick ziehen würden”, aber wem sage ich das…

  7. Die Kartoffeln habe ich scon bei Roger bewundert; dann sind sie im Gedächtnis weit nach hinten gewandert. Lindenblüten sind mir bsilang nicht aufgefallen; ich muss mal schauen. Irgendwie ist hier alles voll mit Birken und Kastanien….

    • So geht es mir auch mit vielen Rezepten, manchmal braucht’s eben noch einen Anstoß mehr. Linden gibt es bei euch doch sicher auch. Die Blüten verströmen beim Trocknen einen herrlich Duft. Einziges Manko: man bekommt beim Pflücken ziemlich klebrige Hände. 😉

  8. Verschlagene Eier sind mir auch noch nicht begegnet (*lach*)

  9. ich fürchte, die Lindenblüten vor dem Hause werden erst blühen, wenn die letzten Spargeln vorbei sind.

    • Unsere Großstadtbäume werden eben gut “gedüngt”. 😉

  10. Die Rollenverteilung hat es so wohl gegeben.Allerdings war zu diesem Zeitpunkt das Matriarchat weit vertreten.Erst mir dem Beginn von Ackerbau und Viehzucht und dem damit einsetzenden Mehrprodukt änderte sich das.Hm,was wollte ich eigentlich sagen.Ach ja.So ein feines Rezept.Wirklich gelungen.

    • Danke, Ute. Habe gerade wieder einmal “die Päpstin” (Film) gesehen und bin heilfroh, dass ich nicht im wunderbaren Mittelalter leben musste. 😉

      • Nur ungern widerspreche ich.Liebe Eva,dieser Film gibt nicht einen Hauch Mittelalter wieder.Ganz zu schweigen davon,dass die Päpstin wohl um 800 n.C. oder früher einzuordnen ist.

        • Ich gestehe, dass meine Geschichtskenntnisse recht rudimentär sind. 😉 Du meinst also, im Mittelalter (1200 – 1600?) war’s noch schlimmer?

          • Liebe Eva,aber nicht doch.Es bedarf dazu nur mehr Worte,als hier möglich sind.Ich freue mich schon auf deine nächste Torte.Herzlichst.Ute

          • Ich weiß. Alles gut!
            Liebe Grüße,
            Eva

      • Urgs, die Päpstin… Ich habe das Buch vor dem Ende der ersten Seite weggelegt…
        Das Mittelalter war sicherlich für unsere Vorstellungen “finster”, aber nicht so finster, wie manche Mittelalterschmonzette uns glauben machen will…
        Zu Jäger/Sammler-Kulturen, Matriarchat oder nicht ließe sich trefflich streiten, aber nicht hier.
        Kurz und gut, die Idee mit den Lindenblüten muss ich bei nächster Gelegenheit (aka nächstes Jahr) mal ausprobieren.

        • Was soll ich sagen? Ich hatte in Schulzeiten meist sehr uninspirierende Geschichtslehrer und auch später entwickelte sich auf dem Gebiet wenig Interesse. Ich nehme die Schmonzetten nicht unbedingt für “bare” Münze, dachte aber schon, dass sie einen gewissen Abbildungscharakter hätten. Was hälst du von Emma Donoghues “Das rote Band”?
          Und die Lindenblüten kann ich wirklich empfehlen. 😉

          • Ich hatte auch solche Lehrkräfte, besonders bei einer habe ich mich immer gefragt, warum sie Geschichtslehrerin geworden ist!
            “Das rote Band” kenne ich nicht, scheint aber, lt. Rezensionen beim großen Onlineversand, nicht unspannend zu sein, zumal nicht das Happy Ending ab S. 2 absehbar ist.

          • Lehrer – ein weites Feld. Immerhin hatte ich einen Deutschlehrer, der mitreißen konnte und auch einiges an Geschichtlichem vermittelte. 😉

          • Urgs… bei meiner Geschichtslehrerin gab’s auch Deutsch und später Literatur. Immerhin hat sie es nicht geschafft, mich vom Lesen und der Geschichte abzubringen. 🙂 Themenwechsel!

  11. Da läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Ich muss auch mal wieder jagen und sammeln gehen. Wobei ich heute Vormittag auf dem Gemüsemarkt recht erfolgreich war.
    Liebe Grüße
    Toettchen

    • Bin gespannt, was du mit deiner Beute anstellst. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  12. schön, aber bei uns sind die Lindenblüten leider schon vorbei, ich hätte auch so gern zB. ein Panna cotta damit gemacht… oder deine Sauce probiert, die ja ganz interessant klingt.
    lg

    • Ich habe einfach welche getrocknet, so kann ich auch noch damit kochen oder backen, wenn sie verblüht sind. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  13. Wunderbar, und dann noch die Lindenblüten!

    • Danke, Maren. Wir tun, was wir können. 😉

Schreibe einen Kommentar zu Bonjour Alsace Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen