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Unverhofft kommt oft

nasi goreng 3

Vor einigen Wochen saßen Herr H. und ich gemütlich nach dem Essen in der Küche. Während ich las, wälzte er Kochbücher, immer auf der Suche nach dem einen, dem perfekten Rezept. Plötzlich verstummten die Blättergeräusche. “Das will ich haben, unbedingt!”, ließ er vernehmen. Ich steckte seufzend ein Lesezeichen in mein Buch und sah ihn fragend an. “Nasi Goreng”. Mein Mund trocknete schlagartig aus und ich sah das Meer. Meine erste Begegnung mit dem indonesischen Reisgericht fand seinerzeit an der dänischen Nordseeküste statt. Campingurlaub mit dem Wohnmobil, weit und breit keine kochenden Großmütter in Sicht, also gab es das Reisgericht aus der praktischen Dose, einfach kurz erwärmt, ein Ei drunter gerührt, fertig. Ich schauderte, wohl wissend, dass ich um den zweifelhaften Genuss nicht herum kommen würde. Einige Tage lang konnte ich mich noch drücken. Aber als mir abends partout nicht einfiel, was ich kochen könnte, schlug ich das Rezept auf und machte mich ans Werk.

Für das Nasi Goreng:

  • Basmatireis, am Vortag gekocht, nach Belieben
  • Huhn, Rind oder Schwein zum Kurzbraten, nach Belieben  (ich: 250 g Kalbsschnitzel), in feine Streifen geschnitten
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • (ich: ein entsprechend großes Stückchen Ingwer, fein gehackt, 1 Lauchzwiebel, in feine Ringe geschnitten, 1 kleine rote Chili, fein gehackt)
  • 1/2 Stängel Zitronengras, fein gehackt
  • 1 Kaffir-Limetten-Blatt, Mittelrippe entfernt, fein gehackt
  • 1 kleiner Zucchino, gewürfelt
  • 1 Stange Staudensellerie, gewürfelt
  • 1 kleine rote Paprika, gewürfelt
  • 1 Möhre, in feine Streifen geschnitten
  • 1 Ei, verkleppert
  • Öl zum Braten
  • 1/2 TL Currypulver
  • 3 EL helle Sojasauce
  • 1-2 EL Austernsauce
  • 1/5 Bund Koriandergrün, fein gehackt

zutaten serie

Es wird zwar empfohlen, den Reis am Vortag zu garen, damit er beim Braten nicht klebt, aber dazu war es zu spät. Ich stellte den Topf nach dem Kochen einfach eine gute Stunde in eiskaltes Wasser. Das ging auch wunderbar. Nachdem ich alle weiteren Zutaten geschnitten und bereit gestellt hatte, ging die Zubereitung recht zügig von der Hand. Ich erhitze etwas Erdnussöl in der Wokpfanne, briet die Schnitzelstreifen portionsweise kurz (2-3 Minuten) darin an und entnahm sie wieder. Nun pfannenrührte ich Knoblauch, Lauchzwiebel, Ingwer, Chili, Zitronengras und Kaffir-Limetten-Blatt kurz, fügte Möhre und Paprika hinzu und rührte weiter. Nach gut 5 Minuten, gab ich die Zucchiniwürfel hinzu, garte alles noch weitere 5 Minuten und fügte die Schnitzelstreifen wieder hinzu, sowie den Reis Sojasauce, Austernsauce, Currypulver und das verklepperte Ei ein. Ich garte alles gemeinsam, bis das Ei zu stocken begann, deckte die Pfanne ab und zog sie beiseite. Herr H. schnupperte neugierig an der Küchentür. Ich grinste ihn nur breit an, “Nasi Goreng, das wolltest du doch unbedingt.” Sein Strahlen daraufhin brachte mich zum Lachen.
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Fazit: Wenig erwartungsvoll schob ich mir die erste Gabel in den Mund. Ein unerwarteter Wohlgeschmack breitete sich sekundenschnell darin aus. Knackiges Gemüse, körniger, gar nicht trockener Reis und herrlich zartes Schnitzel! Wir leerten unsere Schalen mit absolutem Hochgenuss, zum Glück gab es noch einen Nachschlag. Nasi Goreng eroberte mein Herz quasi im Sturm. Ich habe es seitdem mindestens schon fünf Mal wieder gekocht. Man kann wunderbar mit Gemüse und  Fleisch variieren, je nach Kühlschranklage und es schmeckt immer fantastisch. Meerblick gratis.

Aus: Die Welt in Lafers Küche Johann Lafer

Ein Kommentar

  1. Nasi Goreng gibt es bei uns auch öfters, seit dem ER es unbedingt wollte 🙂
    Ist wirklich eine tolle Verwertungsmöglichkeit für alle möglichen Reste.
    Bei uns ist es oft vegetarisch, aber natürlich auch mit Fleisch ein Genuss!

    • Für solche Zwecke (Resteverwertung) habe ich früher immer Risotto gemacht, aber so ein gebratener Reis ist durchaus etwas Feines, komisch, dass man dazu erst überredet werden musste… 😉

  2. Ich schau mich mal vorsichtig um….keiner da, gut. Dann kann ich es ja sagen. Wir hatten im Campingurlaub schon mal Cassoulet aus der Dose. Hat hat ganz bestimmt ähnlihc gut geschmeckt wie Euer Nasi Goreng…..
    Bratreis mache ich oft, das ist eine herrliche Resteverwertung.Und wenn man es so macht wie Du, dann schmeckt es auch toll.

    • Danke, Susanne. Ich frage mich ernsthaft, was so schlimm daran ist, gelegentlich etwas aus der Dose zu essen. Ich finde sogar, dass die Bohnen aus der Dose besser schmecken, als die selbst gekochten (zumindest meine selbst gekochten). Aber es stimmt schon, so fertige Gerichte würde ich nicht unbedingt essen wollen…

  3. Ich habe es bisher auch noch nie gekocht. Bei mir würde es allerdings statt Fleisch Tofu geben, aber das sind ja schließlich Feinheiten. Vielleicht sollte ich es einfach mal ausprobieren. Es klingt jedenfalls so, als wenn es wunderbar zum Wetter passt. Meer hin oder her.
    Liebe Grüße,
    Sarah Maria

    • Mit Tofu geht es ganz sicher auch klasse. Gut, dass du mich erinnerst, ein super Tofu-Gericht habe ich kürzlich auch gekocht, muss nur noch geschrieben werden. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  4. Nasi Goreng ist immer schnell gemacht. Lieber mag ich noch Nasi Rames oder Nasi Campur. 🙂

    • Alles Variationen von Bratreis – also gut. 🙂

  5. Eva Eva

    Das Kochbuch hab ich doch auch…warum hab ich das noch nie gekocht?! – So begeistert wie du dich äußerst, muss ich das schnellstens nachholen.

    • Geht mir auch oft so, dass ich Sachen in Büchern “übersehe”. Manchmal ist der Blick halt etwas beschränkt. 😉 Das Nasi Goreng wird dir garantiert schmecken! 🙂

  6. Nasi Goreng erinnert mich immer an meine Studi-Zeit. Meine Mitbewohner haben sich hauptsächlich von den TK-Tüten Nasi oder Bami-Goreng ernährt. Vielleicht nicht so schlimm wie die Dosesn-Variante, aber trotzdem abschreckend 😉 Beim nächsten Reisüberschuss werde versuchen mich an dein Nasi-Goreng zu erinnern. 🙂
    Liebe Grüße
    Emma

    • Stimmt, die Gefrier-Variante gibt’s ja auch noch. Die habe ich noch nie probiert. Erst gab’s nur Dosen und dann war ich schon soweit, dass ich lieber selbst kochen wollte. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  7. Meerblick wird hier schwierig…. wann genau gibst du den Reis dazu? Wobei, ich bin eh mehr für Nudeln…. die kann man ja genauso zubereiten.

    • Danke für den Hinweis, hab’s schon ergänzt. Und klar, mit Nudeln ist’s dann Bami… 😉

  8. Du schreibst so begeistert darüber, jetzt tropft mein Zahn, aaaber wie 😉

    • Es kommt wirklich selten vor, dass ich neue Gerichte mehr als einmal wieder koche. Dieses ist inzwischen fester Bestandteil des “Wochenkochplans”. 🙂

  9. Nasi Goreng, das erinnert mich an Indonesien, nie hat es mir wieder so gut geschmeckt. … Vielleicht sollte ich dein Rezept einmal wagen?

    • Klar, vor Ort schmackt alles Landestypische am besten. Das Rezept ist zwar recht schlicht, aber geschmacklich wirklich gut, wie ich finde. 🙂

  10. Und war ich doch soeben in den Niederlanden und habe meinen Vorrat an Nasi Kruiden aufgefrischt. Das gibt es dann noch diese Woche.

    • Das ist dann die spezielle Curry-Würzmischung, oder? Was genau ist denn darin?

  11. Ich liebe Nasi Goreng und freue mich sehr, dass du es anscheinend nun auch für dich entdeckt hast! Kleiner Tipp für Liebhaber: in Indonesien essen die das zum Frühstück 😉

    • Ja, in mancher HInsicht bin ich ein echter Spätzünder. 😉 Aber zum Frühstück bleibe ich doch leiber bei meinen Brötchen.

  12. turbohausfrau turbohausfrau

    Okay, nun darf ich mich outen: In der Jugend habe ich auf Campingurlauben immer Ravioli in der Dose mitgehabt. Und im Ramadan in Marokko sogar gegessen. War toll als Abwechslung von zähem Fladenbrot, von dem wir uns im Rest vom Urlaub ernährt haben. 😉
    Trotz allem habe ich den Urlaub in bester Erinnerung.

    • Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich meine jungen Jahre überleben konnte, so ernährungstechnisch. Das war schon schlimm…
      Den beschriebenen Urlaub (ich war 8) habe ich aber auch in sehr guter Erinnerung. 🙂

  13. Dein Nasi Goreng klingt köstlich!
    Bei diesem Gericht werden bei mir Kindheitserinnerungen wach: Mein Vater hat es während seiner Seefahrtszeit kennengelernt und oft für uns from cratch zubereitet. Eine Zeit lang war es mein absolutes Lieblingsessen – mit Spiegelei und gebratener Banane, Reminiszenzen an die Hapag-Lloyd-Kombüsen der frühen 70er Jahre ;-).

    • Hui, gebratene Banane. Das wäre ja nicht so meins. Aber die 70iger hatten so einige Sachen parat, an die ich mich nur mit Schaudern erinnere… 🙂

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