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Linientreue?

misogemüse 4

Nun sind sie also schon wieder vorüber, die Weihnachtstage. Schön war es mit der Familie, die kürzlich um ein Mitglied angewachsen ist. Die sechswöchige (unglaublich kleine und niedliche) Nichte konnte dem ganzen Trubel zwar noch nicht viel abgewinnen, aber spätestens im nächsten Jahr wird sie sicher einiges an Furore beizusteuern haben. Vorerst begnügte sie sich mit strikter Milchkost und unsere Mahlzeiten waren zum Glück auch eher “schlank”. Keine Ente, keine Gans und auch kein Braten. Sie wurden seltsamerweise von niemandem vermisst. Stattdessen gab es eine iranische Suppe, Raclette, das entgegen meinen Befürchtungen sehr schmackhaft war, und Hühnerfrikassee. Und natürlich auch eine Weihnachtstorte, aber davon später mehr. Da es den meisten anderen Menschen in westlichen Ländern anders ergangen sein wird, biete ich hier heute eine neue/ alte herrliche Alternative, die vor dem nächsten großen Schlemmen an Silvester für Leichtigkeit sorgen kann.

Für das Miso-Gemüse:

  • Sushireis nach Belieben
  • 1/4 TL Instant-Dashi (natürlich kann man die Brühe auch selbst machen, eine schöne Schritt-für-Schritt-Anleitung auf Englisch, aber es gibt auch Pulver ohne seltsame Ingredienzien. Ich benutze das auf dem letzten Foto ganz rechts)
  • 1 – 2 EL japanische Sojasauce nach Geschmack
  • 10 – 15 g helles Miso
  • 1 EL Mirin
  • je ein gleich großes Stück Knoblauch und Ingwer, fein gehackt
  • ca. 125 g braune Champignons, blättrig geschnitten
  • ca. 150 g Möhren, gestiftelt
  • ca. 150 g Kohlrabi
  • ca. 100 g Erbsen oder Edamame
  • frischer Koriander nach Belieben

miso serie

An Gemüse kann für dieses Gericht alles ungefähr zusammen passende, was der Kühlschrank hergibt verwendet werden. Schon wieder ein “Rumfort”. Bei der Vorgehensweise musste ich allerdings stark vom Rezept abweichen. Dort wird aus Wasser, Miso Dashi-Pulver und Co. eine Brühe gekocht, in der dann nach und nach das Gemüse gegart wird. Ich meine einmal irgendwo gelesen zu haben, dass zu langes Kochen den Geschmack der Misopaste auslaugt. Also briet ich zunächst Knoblauch und Ingwer in wenig Öl an, fügte Möhren und Kohlrabi und Champignons hinzu und ließ sie abgedeckt ca. 12 Minuten im eigenen Saft schmoren. Dann gab ich die Erbsen, ca. 200 g Wasser und die übrigen Zutaten hinein und ließ alles offen noch 5 Minuten köcheln. Nach Geschmack kann man die Flüssigkeit noch mit etwas Stärke binden. Herr H. hatte inzwischen die “Neuerung” des Gerichts zubereitet, das “Topping”.

Für das Sesamdressing:

  • 40 g Erdnusskerne, geröstet, grob gehackt
  • 15 g schwarze Sesamsaat
  • 1 EL Reisessig
  • 1 TL Ahornsirup
  • 1 TL Erdnussöl
  • 1/2 TL Chiliflocken

knusper serie

Zunächst röstete er die Erdnüsse und hackte sie grob. Dann röstete er den Sesam und gab ihn mit den übrigen Zutaten in den Mörser und zerstieß ihn leicht. Er rührte die gehackten Erdnüsse darunter und probierte und strahlte und nahm noch eine Kostprobe. Schließlich gelang es mir, ihm die Schale zu entwenden, damit noch etwas davon für das Essen übrig blieb. Ich gab den vom Reiskocher wie üblich perfekt gegarten Reis in zwei Schalen, schöpfte Miso-Gemüse darüber und bestreute es mit Sesam-Dressing. Herr H. zupfte noch einige Korianderblättchen darüber und nach dem Ablichten konnten wir endlich probieren.
misogemüse 8

Fazit: Nach meinem Gefühl könnte man die Menge des Sesamdressings durchaus noch erhöhen, es macht sich vortrefflich zu Miso-Gemüse und Reis. Wieder einmal ein vegetarisches Gericht, das völlig ohne Fleischersatzprodukte auskommt. Manchmal beneide ich Herrn Ottolenghi schon ein wenig um seine Erfindungsgabe. Manch Japaner mag zwar ob der etwas unüblichen Zusammenstellung insgeheim die Augen rollen, aber uns hat es hervorragend geschmeckt!

Aus (leicht modifiziert): Vegetarische Köstlichkeiten Yotam Ottolenghi

Ein Kommentar

  1. Ach, da bin ich auch gerne linientreu. Ich muss das aber noch etwas verschieben…..der Geburtstag meines Sohnes dräut, und wenn der keine Torte und keinen Schweinebraten kriegt, dann ist Holland ganz verloren.
    Ich kenne das übrigens auch so, dass man Miso am Ende ans Essen gibt. Es soll wohl nicht gekocht werden, weil sonst die Inhaltsstoffe perdu sind.

    • Oooch, so einen Schweinebraten könnte ich jetzt auch gut haben. 😉 Aber erstmal muss die Ochsenschwanzsuppe auf den Tisch. Und natürlich bin ich ganz besonders neugierig auf deine Torte. Gutes Gelingen!

      • Ochsenschwanzsuppe….herrlich 🙂
        Und die Torte, die ist ein Bienenstich geworden. Hat der junge Herr sich so gewünscht. Auch gut 🙂

  2. Sehr schön, es muss nicht immer alles traditionell sein an Weihnachten u da hätte ich auch sehr gerne geschlemmt bei euch!
    Miso kommt bei mir auch am Ende ans Essen. Sonst gehen doch diese guten Bakterien von der Milchsäuregärung futsch…
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    • Bei uns geschlemmt? Hm, zumindest die iranische Suppe hätte dir sicher geschmeckt. Die poste ich demnächst mal. Ich habe sie inzwischen schon mehrmals gekocht und war immer wieder von ihrem guten Geschmack überrascht!
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Das tönt einmal mehr ganz wunderbar schmackhaft. So etwas darf man mi zu jeder Gelegenheit servieren. Genießt den Rest des Jahres 🙂
    Liebe Grüsse aus Mieming,
    Andy

    • Danke, Andy. Das werden wir tun, heute bei herrlichem Sonnenschein, wenn es dafür für meinen Geschmack auch etwas zu frisch ist. 😉 Mieming? Sieht zumindest auf maps gut aus. Schönen Urlaub noch!
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

  4. Liebe Eva, danke für dieses Rezept, das kommt mir nach diesen Schlemmer-Tagen sehr recht.

    • Danke, Sabine. Bei uns fängt die Schlemmerei erst jetzt an – allerdings, wie immer, in Maßen. 😉

  5. Für mehr Sesamdressing wäre ich auch zu begeistern – ich liebe Sesam 🙂
    Und der Rest spricht mich auch sehr an. Vielleicht ein wunderbares Rumfort-Gericht für morgen!

    • Ich auch. 🙂 Vor allem Tahin. Ich muss das Glas immer ganz weit hinten im Kühlschrank verstauen, damit ich nicht so leicht drankomme. 😉

  6. Das sieht wirklich unfassbar gut aus! 🙂

  7. Zwar ein Gericht dass ich nur optisch bewundere, nichtsdestotrotz…. fein. Und Ochsenschwanz, der steht bei mir schon lange auf der Wunschliste, gleich neben den Torten…

    • Danke, Ninive. Ich weiß, die blöde Sojasauce… Der Ochsenschwanz muss dieses Jahr aber defintiv noch sein!

      • ich werd ihn nicht schaffen, soviel ist gewiss. Aber vielleicht bald im neuen Jahr….

        • Und das Gute ist, es hat noch nicht einmal angefangen. 😉

  8. Bei uns gab’s auch keinen Braten (meine komplette Familie isst vegetarisch), jedoch durchaus die eine oder andere Kalorienbombe. 😉 Da kommt also so ein leichtes Gericht genau richtig daher. 😉

    • Man muss ja auch kein Fleischesser sein, um reichhaltig zu essen. 😉 Lasst es euch schmecken!

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