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Kaeng Ham Booh oder mission possible

gelbes gemüsecurry 2
Genau wie Einflüsse aus China, Indien und Europa mit landestypischen Kochtraditionen zur heute bekannten Thai-Küche verschmolzen und sie veränderten, so verändern und prägen auch wir wiederum die Thai-Küche und passen sie unseren Gegebenheiten an. So wurde wahrscheinlich schon immer und überall verfahren. Ob man sie dann noch “Thai-Küche” nennen darf, das mögen andere entscheiden. Natürlich kann man inzwischen (zumindest in Großstädten) allerlei frisches Gemüse zur originalgetreuen Reproduktion der jeweiligen Gerichte erstehen. Aber die langen Transportwege wie auch die Unkenntnis des Herstellungsprozesses im jeweiligen Land legen für mich eine “regionale” Anpassung nahe. Wobei ich gestehen muss, dass der kambodschanische Koriander um Längen besser schmeckt als der in Europa gezogene. Es sind eben immer Kompromisse nötig. Auf jeden Fall landeten in diesem frischen, leichten und mildem Kaeng Rosenkohl statt Gai Larn und normale grüne Brechbohnen. Geschadet hat es nicht.

Für das Gemüsecurry mit Kokosnuss:

  • 250 g Gai Larn (ich: Rosenkohl)
  • 75 g Schlangenbohnen (ich: grüne Bohnen)
  • 4 Babymaiskölbchen (ich: weg gelassen)
  • 6 Champignons, in Scheiben geschnitten
  • 1 Süßkartoffel, in dünne Stifte geschnitten
  • einige Kirschtomaten, geviertelt
  • 1/2 Bund Koriandergrün (ich: plus eine Handvoll Thai-Basilikum), fein gehackt
  • 1/2 Limette, Saft und Schale
  • 2 EL Kokosraspel (ich: ungesalzene Erdnüsse, geröstet und grob gehackt
  • (ich: 130 g Kokosmilch)
  • 2 EL gelbe Currypaste
  • 1 EL Erdnussöl
  • 1 EL Nam Pla (Fischsauce)
  • 1 TL Palmzucker, fein gehackt
  • Salz und schwarzer Pfeffer

curry serie

Ist die Currypaste einmal hergestellt (oder wird gekaufte verwendet), ist die Zubereitung eines Currys eine kurzweilige Angelegenheit. Ich röstete die Paste einige Minuten in etwas Erdnussöl an und gab die Kokosmilch und alle übrigen Zutaten bis auf die Champignons hinzu. Abgedeckt ließ ich das Curry ca. 10 Minuten sanft köcheln. Dann gab ich die Champignons hinein und ließ es offen noch weitere 10 Minuten köcheln. Falls es dabei zu trocken wird, gibt man einfach etwas Wasser hinzu. Herr H. hatte inzwischen den Jasminreis gekocht, die Erdnüsse geröstet und gehackt und den Koriander vorbereitet. Der Duft des Currys verzauberte uns beide schon während des Kochens. Ich schmeckte das fertige Curry noch einmal mit Fischsauce, einer Prise Salz und Pfeffer ab und richtete es in zwei Schälchen an.
gelbes gemüsecurry 3

Fazit: Nachdem Herr H. seine Arbeit verrichtet hatte, tauchten wir mit allen Sinnen in die herrlich duftenden Schälchen ab. Das Kaeng Ham Booh, wie Herr H. es kurzentschlossen getauft hatte, schmeckte perfekt ausbalanciert. Salzig, sauer, süß und leicht scharf. Cremige Kokosmilch, Röstaromen von den Erdnüsse und Frische durch Koriander und Thai-Basilikum. Ein vegetarisches Gericht, das, ersetzt man Fischsauce und Garnelenpaste, sogar vegan ist und das uns so gar nichts vermissen ließ. Die kalte Jahreszeit ist für mich immer die Zeit der bunten, “asiatischen” Gerichte. Das wird sich in nächster Zeit vermutlich auch nicht ändern.

Aus: Rezepte aus Thailand Thomas Feller

Ein Kommentar

  1. Das klingt gut….und mir gefällt der Rosenkohl da drin ausnehmend gut. Allerdings habe ich auch gegen Gai Lan gar nix…..einfach nur mit Austernsauce durch die Pfanne gejagt Aber allein, es gibt ihn kaum zu kaufen.
    Mist, jetzt hast Du meine Sehnsucht geweckt 😉

    • Danke, Susanne. Bei uns gibt es den Gai Larn eigentlich immer, also im Laden. Das Ding ist nur, kaufe ich ihn, dümpelt er ewig im Gemüsefach rum, kaufe ich ihn nicht, brauche ich ihn dringend, das scheint irgendein komisches Einkaufsgesetz zu sein. 😉

      • Den richtigen? Echt? Also den original chinesischen Brokkoli? Das wäre ja fast ein Umzugsgrund. Hier gibt es immer alles mögliche Grünzeug, den wahren Stoff aber kaum.

        • Ja, den absolut echten, soweit ich weiß. Und es gibt durchaus noch weitere Umzugsgründe. 😉

  2. Ich habe gestern Rosenkohl gekauft, war zuviel, so dass ich die Häfte blanchiert und eingefroren habe. Nun weiß ich, was ich nächstes Wochenende zubereiten werde! Danke für die Idee!

    • Gern geschehen. 🙂 Ich hoffe, es schmeckt dir.

  3. Basler Dybli Basler Dybli

    Lecker und alles da. Selbst Rosenkohl und grüne Bohnen aus dem Tiefkühler. Statt Tamarind-Chicken (mir fehlt noch Makham) werde ich mir dieses Gericht “reinziehen”. Danke für deine Rezept-Inspiration !

    • Das freut mich und du scheinst recht gut bevorratet zu sein. Das Tamarind-Chicken musste bei uns auch noch warten, da andere Dinge schon länger der Verwertung harrten. 😉

  4. brittakama brittakama

    Das seh ich genauso… es musst nicht immer das Originalgemüse sein 😉 ich bekomme im Asialaden bei der Arbeit um die Ecke zwar wirklich fast alles, aber mir ist was heimisches meistens lieber.
    Und das Curry trifft ja mal wieder genau meinen Geschmack 😀

    • Danke, Britta. Ich weiß. Deine Sobanudeln stehen auch noch ganz weit oben auf meiner Liste. Vielleicht schon diese Woche. 🙂

  5. Viele asiatische Gerichte schmecken sicherlich mit den Original-Zutaten authentischer, doch auch ich kaufe ähnlich wie du ein und verwende nach Möglichkeit lieger regionale Zutaten, zumal ich auch noch grossen Wert auf biologische Zutaten lege und da habe ich beim Asia-Markt so meine Zweifel.

    • Die habe ich eben auch. Wobei, eben, so 100%ig konsequent bin ich nicht, es gibt Sachen, die einfach zu gut schmecken. 🙂

  6. Das duftet ja wieder ganz wunderbar aus dem hohen Norden 😉
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • Da ist die Wolke ja schnell geflogen. 😉
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

  7. Das ist so kein Gericht für Vegetarierinnen, sondern nur für Pescetarierinnen *klugscheiß*. Ich würde es nicht essen.
    Allerdings hatte ich im Übergang zu “echtem” Vegetarismus auch einige Jahre mit Fischkonsum, ohne damals den Begriff Pescetarierin zu kennen.

    • Pescetarierin, hui, das klingt fast nach einer schlimmen Sekte. 😉 Und die Fischsauce kann man nötigenfalls ja ersetzen…

  8. Schaut wirklich großartig aus! Und an die Currypaste sollte ich mich vielleicht auch mal trauen, bisher kommt immer eine gekauft Bio-Variante zum Einsatz, die uns aber einfach zu gut schmeckt…
    Und die Asia-Küche ist bei uns zur Zeit auf wieder öfters vertreten, tut gut zwischen ein paar deftigen Schmorgerichten 🙂

    • Danke, Sandra. Woher bekommst du Bio-Currypaste? Die ist mir noch nie begegnet.
      Und so ähnlich geht es hier auch zu. Asia, Asia, Schmor, Asia, Schmor…. 😉

  9. turbohausfrau turbohausfrau

    Ich finde es verdammt schwer, thailändische Küche vegan zu machen, weil eben überall Fischsauce verwendet wird. Womit würdest du denn die ersetzen?

    • Es scheint nicht so schwer zu sein, wie es auf den ersten Blick aussieht. Ich finde dieses Rezept ganz viel versprechend: http://veganmiam.com/recipes/vegan-fish-sauce. Da meine Fishsauce fast alle ist, werde ich es mal damit probieren, bevor ich eine neue kaufe. 🙂

  10. Duftet schon beim Lesen, dein Rezept!
    Kannst du mir den kammbodschanischen Koriander beschreiben, wie er aussieht?
    Ich hatte einen tollen mit rötlich panaschierten Blättern, die aber nicht so petersilienförmig eingebuchtet waren. Er wuchs immer toll nach, brauchte viel Wasser und schmeckte großartig. Er ist leider nun erfroren, frage mich, ob es ein solcher war?? Könnte aber auch vietnamesisch gewesen sein..
    Liebe Grüße
    Cheriechen

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