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Störrische Spatzen

linsen mit knöpfli 6

Als ich kürzlich bei Tring den fruchtig-scharfen Weißkohl mit Spätzle sah, stellte ich fest, dass es im Hause H. schon viel zu lange keine Spätzle mehr gegeben hatte. Dabei lieben wir Pasta jeglicher Couleur. Und Spätzle sind im Gegensatz zu ihren italienischen Verwandten im Handumdrehen gemacht, da es weder lange Teigruhezeiten, noch mühsames Gewalze braucht. Mangels Weißkohl – nun, er liegt zuhauf in den Gemüseabteilungen, aber ich scheue mich so ein Monster mit nach Hause zu nehmen, da man zu zweit doch die ein oder andere Mahlzeit aus einem solchen herausschneiden kann und wer will schon tagelang immer nur Kohl essen? – entschied ich mich für den schwäbischen Klassiker, Linsen mit Spätzle und Saitenwürsten. Herr H. jubelte, ist er doch ein großer Fan der bodenständigen und oft deftigen deutschen Küche und holte sogleich die Fotoausrüstung in die Küche.

Für die Spätzle:

  • 100 g Weizenmehl 405 er
  • 50 g Hartweizengries, feinst gemahlen
  • 2 große Eier (à 65 g)
  • 1 Pr. Salz
  • 1 Pr. Muskat, frisch gerieben

knöpfli/ spätzle serie

Ich gab alle Zutaten in eine Schüssel und begann, sie mit dem Rührlöffel zu vermengen und anschließend zu “schlagen”. Da es eine Weile braucht, bis der Teig Blasen wirft, wechselten Herr H. und ich uns ab. Das Schlagen ist eine verdammt schweißtreibende Angelegenheit. Nachdem der Teig eine gute halbe Stunde geruht hatte, kochte ich reichlich Salzwasser auf und umwickelte die äußeren Löcher der Kartoffelpresse fest mit Klebeband, da mir der Teig dort beim letzten Mal unschöne Klumpen gebildet hatte. Als das Wasser zu kochen begann, presste ich den Teig portionsweise hinein. Herr H. lachte dabei laut auf. Ich war so mit dem Pressen beschäftigt, dass ich nicht sah, wie der Teig eher teppich- als spatzenartig ins Wasser glitt. Zum Glück ließen sich die einzelnen “Knöpfle” durch kräftiges Rühren im Wasser trennen. Vielleicht war der Teig zu fest gewesen. Nach wenigen Minuten schwammen die Spätzle/ Knöpfle oben. Ich schöpfte sie in ein Sieb, schreckte sie kalt ab und stellte sie beiseite.

Für die Linsen:

  • 125 g braune Linsen, über Nacht eingeweicht, gewaschen (ich: Berglinsen)
  • 375 g Fleischbrühe
  • 50 g durchwachsener Speck, gewürfelt
  • 1 TL Tomatenmark
  • schwarzer Pfeffer
  • 1/3 Lauchstange, in Ringe geschnitten
  • 1 große Kartoffel, geschält, fein gewürfelt
  • 1 Scheibe Knollensellerie, feinst gewürfelt
  • 1 Möhre, feinst gewürfelt
  • 1 TL Apfelessig
  • 1 TL Bergamottenschale (oder Zitrone), fein gehackt
  • 1/2 TL Harissa
  • Salz
  • Saitenwürstchen nach Belieben

Linsen serie

Ich briet den Speck knusprig, legte ihn beiseite und schwitze im gleichen Topf Lauch, Kartoffeln, Sellerie und Möhre an. Dann gab ich das Tomatenmark hinzu, ließ es kurz mitbraten und gab den Speck, die Linsen und die Brühe in den Topf. Nach ca. 35 Minuten (hängt vom Alter der Linsen ab) waren die Linsen gar und hatten gleichzeitig noch Biss. Ich schmeckte mit Salz, Pfeffer, Harissa, Bergamottenschale und Essig ab und stellte den Topf warm. Herr H. hatte inzwischen die Spätzle/ Knöpfle in Butter angebraten und die Würstchen erwärmt. Ich verteilte die Spätzle auf zwei vorgewärmte Teller, schöpfte Linsen darüber und begann, die erste Wurst in Scheiben zu schneiden. Herr H. sah mich fragend an. Ich erklärte, dass dieses Essen doch ein Löffelgericht sei und die gestückelte Wurst natürlich praktischer, er schüttelte bloß den Kopf, als ich die Wurst auf den Teller legte.
linsen mit knöpfli 11

Fazit: Auch wenn ich nicht ganz sicher bin, ob das nun Spätzle, Knöpfle oder was auch immer gewesen waren, so schmeckten sie doch köstlich. Die Kombination mit den leicht säuerlichen Linsen ist völlig zurecht zu einem Klassiker avanciert. Die leichte Schärfe stand den Linsen wunderbar und Herr H. bestand darauf, dieses Gericht von nun an häufiger auf unserem Speiseplan zu sehen. Das habe ich mir selbst eingebrockt. Vielleicht kann ich diesem Ansinnen entgegen wirken, wenn ich auf einem echten Spätzlehobel bestehe. Denn vom Brett werde ich sie ganz sicher in diesem Leben nicht mehr schaben.

Aus: Hülsenfrüchte – das Kochbuch Achim Schwekendiek, Simon Vollmeyer

Ein Kommentar

  1. Oh ja, das könnten wir auch mal wieder essen!
    Ich habe auch eine solche Presse und klebe die Seiten zu 🙂 Und meine Oma hat sie immer von Hand geschabt, was mich direkt daran erinnert, dass ich da noch was kochen wollte…
    Und so ein Sieb habe ich auch da, das werden dann Knöpfle. Kann es Euch gerne zum Probieren mal schicken.

    • eva eva

      Wie witzig, dass du auch mit Klebeband arbeitest. 🙂 Ich dachte schon, ich stünde allein da mit meiner merkwürdigen Idee. Das Sieb werde ich wahrscheinlich selbst anschaffen, irgendwann. Soo oft mache ich sie ja nicht…

  2. Ich habe gerade letzte Woche Knöpfli auf Vorrat gemacht und eingefroren. Und freue michwie ein kleines Kind darauf 🙂 Bei uns allerdings meist als Beilage zu Wild, oder dann süss mit Kompott.
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • eva eva

      Aha. Ich hatte schon vermutet, dass sie sich gut einfrieren lassen. Das werde ich nächstes Mal auch machen. Danke!
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

  3. Oh ja! Spätzle muss ich auch mal wieder machen!
    Andy, ich wusste gar nicht, dass man sie einfrieren kann und schon hat nicht, dass man sie süß mit Kompott ist! *merken*
    Liebe Grüße
    Guido

    • eva eva

      Viel Spaß beim Kochen!
      Liebe Grüße,
      Eva

  4. Ich hätte die Wurst auch kleingeschnitten, mit Gabel, Messer und Löffel ist mir das zu umständlich, da hast Du schön recht. 🙂
    (Ich habe jetzt Hunger)

    • eva eva

      Gell? Und außerdem lässt sie sich so viel schöner anordnen. 😉

  5. Oh, die Idee mit den Bergamotteschalen und der Harissa klingt tatsächlich großartig! Wenn ich das jetzt auch noch auf die “Ab-morgen-wieder-beim-Kerl”-Kochliste setze, ist die wirklich voll… 😉

    • eva eva

      Danke schön. 🙂 Und das mit den Listen ist eh überbewertet. 😉 Ich koche eigentlich immer (recht spontan) das, worauf ich gerade Lust habe. Nachteil: manchmal schlägt die Inspirationslosigkeit zu und dann wird’s spät…

  6. wenn der Teig so schweißtreibend zu schlagen ist, war er zu fest…. und vielleicht treffen wir uns mal zu einem Austausch unsrer Küchen-Fähigkeiten- ich bring dir Spätzle schaben bei und lerne dafür von dir eine Torte, wenigstens eine….

    • eva eva

      Das ist eine sehr gute Idee. Ich war schwer versucht gewesen, die Maschine rühren zu lassen, aber ich wusste nicht, ob das dem Teig schadet… 😉

      • neenee, einfach einen Schuß Sprudel dran oder noch was Ei.

  7. Mit einer Kartoffelpresse!?! Eva!?! Wirklich?!? Mir verschlägt es wirklich den Atem und fast die Sprache – als einem dem Spätzle sozusagen heilig sind.
    Es gibt für so um die 10 Euro wirklich gute Knöpfle-Hobel, die auch wenig Platz in der Küche wegnehmen und, wenn der Teig OK ist, perfekte Ergebnisse liefern. (Tipp: Alles gleich (!) mit kaltem Wasser abwaschen, sonst hat man später eine Freude der besonderen Art.)
    Und ich weiß auch nicht, warum man da mit Hartweizengries arbeiten muss, denn es gibt da eine einfache Lösung. Im Süden kann man “Spätzlemehl” kaufen, gibt es aber nördlich von Mannheim wohl nicht mehr. Aber “Spätzlemehl” ist nichts anderes als “Weizendunst” der im Laden als “Doppelgriffiges Weizenmehl” verkauft wird. Probier es aus – es ist einfach nur herrlich, denn Weizendunst ist etwas grober als Mehl gemahlen, aber feiner als Gries: und für Spätzle und Spatzen einfach nur perfekt.

    • eva eva

      Ich weiß, ich weiß, manchmal schlägt das “polnische Improvisationsgen” durch. 😉
      Ich wollte die “Heiligkeit” der Spätzle auch gar nicht stören, irgendwann schaffe ich sicher so ein Sieb an. Aber eben, so oft mache ich sie nicht und es gibt soo viele andere Sachen, die ich auch gern hätte, die ich aber aus Platzmangel nicht anschaffe.
      Das Spätzlemehl gibt es hier sogar im Bioladen. Ich hatte es nur nicht da und auf der Packung steht, dass 405er und Gries drin sind…

      • Was da alles als “Spätzlemehl” verkauft wird, tztztz

        • eva eva

          Ist sogar Demeter-Qualität. 😉

  8. turbohausfrau turbohausfrau

    Jössas, da hast dir was angetan mit den Spätzle. Das Foto schaut auf jeden Fall genial aus! 😀
    Nachdem ich mich auch weigere, Spätzle zu schaben, habe ich ein Nockerlblech, das man einfach oben auf den Kochtopf legt, da streicht man den Teig durch und fertig. Werden halt kleine Nockerl und keine langen Spätzle. Die faulen Wiener … 😉

    • eva eva

      Danke, Susi. Das Pressen war auch ganz schön anstrengend, ich denke mal, der Teig war zu fest. Nächstes Mal… 😉
      Und faul sind die Wiener definitiv nicht, ich sage nur Ochsenschlepp…

  9. Ich las “Seitanwürste” und dachte, die sehen aber ziemlich echt aus. Und dazu noch so lecker.. 😀
    Bin wohl schon im Hungerdelirium, so kurz vor Mittag.

    • eva eva

      Der Ausdruck ist hier auch nicht so verbreitet. Eigentlich heißen sie ganz schnöde “Wiener”. Das mit dem Hungerdelirium kenne ich gut, setzt auch hier gerade wieder ein. 😉

  10. Was sind Saitenwürste? Hab ich noch nie gehört. Ist das mit Schweizer Wienerli zu vergleichen?
    Ich bin dank lieber lecker auf deinen Blog gestossen und schwer beeindruckt. Vor allem die Bilder gefallen mir sehr.
    Liebe Grüsse aus Zürich
    Vera

    • eva eva

      Danke für das Fotokompliment, Vera. Ich leite es weiter! 🙂
      Und die schweizer Wienerli kenne ich nicht. Seitenwürste sind auf jeden Fall hier ganz schlichte Wiener Würstchen.
      Liebe Grüße,
      Eva

  11. Ich hab auch so ein Ding wie die Turbohausfrau….und ich liebe es 🙂
    Ich hab ja einige Zeit im Herzen des Linsen-mit-Spätzle-und Saitenwürstchen-Landes gelebt und kann nur eines zu deinem Teller sagen: seeeehr viel eleganter als das Original 🙂

    • eva eva

      Danke, Susanne. Vielleicht liegt’s an der “Wurstparade”. 😉
      Es scheint, jeder außer mir besitzt so ein Ding. *grübel*…

      • Ist nicht teuer und nimmt auch nicht viel Platz weg.

        • eva eva

          Ja, nicht so wie gewisse andere Gerätschaften. 😉

  12. Die geschabten sind natürlich die höhere Kunst der schwäbischen Töchter. Mit der Presse ist das schon in Ordnung, der Teig war wohl etwas zu festklebend dadurch gab es das schöne Teppichmuster. Etwas wenig Würstchen, ach es ist ja Aschermittwoch: Fastenzeit.

    • eva eva

      Danke schön. Mit den schwäbischen Töchtern kann und will ich auch gar nicht konkurieren. 😉
      Pst, es gab noch mehr Würstchen, aber der Teller sollte ja elegant wirken…

  13. Bea Wyler Bea Wyler

    Saitenwürstli – heissen die so, weil sie so dünn wie Saiten von z.B. einer Violine sind? Spätzli sind die langen, Knöpfli die runden, Teig ist der gleiche, am einfachsten Eier (ohne Schale gewogen) zu Mehl 1:1. Die Bilder vom Knöpfliteppich und den Saitenspätzli (!) sind sensationell. Gruss Bea

    • eva eva

      Danke, Bea! Ich weiß nicht, warum die Würste so heißen, bin ja keine gebürtige Schwäbin. Deine Erklärung klingt jedoch plausibel. Hier bei uns heißen sie einfach “Wiener”. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  14. Ha, Linse, Spätzle un Saitewürschtle im Flachland 😀 sehr schön. Ich liebe das, bin aber selbst kein Schwabe 😉 und das Eiweiß der Linsen soll durch die Spätzle noch besser verwertbar sein….

    • eva eva

      Dann haben wir uns ja unbewusst etwas richtig Gutes getan. 😉

  15. Julia Ka Julia Ka

    Also als echte Schwäbin (die hier schon lange sehr gerne mitliest) muss ich mich nun doch Einmischen 😉
    – Spätzlesmehl braucht kein Mensch, das ist nur Geldmachereri, ganz normales Weizenmehl reicht völlig aus.
    – Wenn der Teig zu fest ist, kommt ganz einfach Wasser dazu.
    Rezept von Oma (Originalzitat:) pro Person 1 Ei und 100g Mehl + soviel Wasser bis die Konsistenz richtig ist + soviel Salz bis es richtig schmeckt =D
    … der Teig ist also Gefühlssache, soviel Wasser und solange schlagen bis es sich “richtig” anfühlt.
    – Spätzle sind übrigens prima wenn man Eigelbe übrig hat (dann einfach mehr Wasser dazu).
    – Wer eine Spätzlespresse besitzt braucht keine Kartoffelpresse im Schrank 😉
    – Die Bleche zum durchstreichen erzeugen nur Knöpfle – hierfür darf der Teig etwas fester sein, sonst gibts Sauerei 😉
    – Dieser ominösen Klumpen unter der Presse entsteht nicht wenn die Presse nur knapp über dem Wasser hängt und wenn die Presse während dem Pressen schon ab und zu ein wenig bewegt wird. (Aber der Topf darf nicht so voll, dass die Presse im Wasser hängt!)
    – Spätzle schaben geht sogar mit einem normalen Küchenbrett und einem großen Messer 😉 …einfach mal testen ;-P
    so genug der Klugscheißerei – ein großes Lob liebe Eva ich lese hier echt gerne mit!

    • eva eva

      Danke, Julia. Ich habe halt einfach versucht mich den Spätzle mit norddeutscher Unbedarftheit zu nähern. Hätte ich gewusst, was für eine komplexe Wissenschaft das ist… 😉
      Danke für die Tipps! Das einzige, was ich schwer nachvollziehen kann ist, wann der Teig sich “richtig” anfühlt. Das ist vermutlich wie so vieles, reine Übungssache. Ich bleibe dran.
      Liebe Grüße,
      Eva

  16. philisoft philisoft

    Das braucht es eigentlich alles nicht. Es genügt 3 Eier (für 2 große Portionen) mit einem gestrichenem TL Salz und Mehl Typ 405 (doppelt griffiges wie Wiener Grießler mindert die Klumpgefahr) mit dem Handrührer und den Knethaken ca. 6 Minuten auf hoher Stufe zu rühren. Soviel Mehl, bis der Teig von den Knethaken fast ohne Rückstand abreißt. Ca 20 Minuten ruhen lassen. Dann eine grobe Reibe verkehrt rum über den Topf mit kochendem Wasser halten und mit einem gewöhnlichem Teigschaber ins gesalzene Wasser schaben. Die form wird durch die Festigkeit des Teigs und dem Abstand zur Wasseroberfläche bestimmt. Von Knöpfle bis zu Spätzle alles möglich. Wenn alle Spätzle an der Oberfläche schwimmen rausnehmen und in einer Schüssel mit heißem Salzwasser zwischenlagern.

    • eva eva

      Danke, Philipp. Es gibt scheinbar immer so viele Meinungen zu einer Sache wie Menschen. 😉
      Ich hatte ja 2 große Eier für zwei eher mittlere Portionen und der Teig floss zäh vom Löffel… egal. Ich werde es sicher noch häufiger probieren. Das mit der groben Reibe ist allerdings schwierig, ich besitze nur das Zubehör zu meiner Küchenmaschine und keine separate Reibe. Wird wohl doch eine Anschaffung unumgänglich sein. 🙂

  17. Tipps haste ja eigentlich schon viel zu viele bekommen, aber als Allgäuerin kann ich da natürlich mein Maul auch nicht halten 😉 Ich vermute auch, dass der Teig viel zu fest war. Für den Spätzlehobel zumindest verwende ich immer auf 100g normales Weizenmehl 550 1 Ei und so viel Wasser bzw. Mineralwasser oder auch mal Milch (je nach Lust und Laune), dass der Teig reißend vom Löffel fällt (natürlich weder zu langsam noch zu schnell ;-)) Für mich sind echte Spätzle als Allgäuerin (alle Schwaben werden dir was anderes sagen) natürlich nur Knöpfle und dafür ist ein Spätzlehobel einfach am besten. Liebe Grüße Melanie

    • eva eva

      Danke für die Tipps! Ich verspreche hoch und heilig, mich demnächst noch mal an den Dingern zu versuchen und werde berichten!
      Liebe Grüße,
      Eva

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