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What goes up…

gemüse-tarte 2

Auf der Suche nach einem geeigneten Aufhänger für diesen Artikel stieß ich auf die Geschichte der Erfindung des Rades. Es erscheint mir zwar sehr schwer vorstellbar, aber scheinbar existiert das “unendlich um die eigene Achse drehbare Rad” schon seit gut 7000 Jahren. Das ist in der Erdgeschichte ein absoluter Klacks (4.540.000.000 Jahre, da passen die schlappen 7000 Jahre 648.571,4 mal rein) und auch in der Geschichte der Entwicklung der “menschenartigen” eher spät anzusiedeln (die Wiege der Menschheit wird scheinbar derzeit vor ca. 23.000.000 Jahren in Afrika vermutet). Warum brauchten wir so lange, um etwas derart simples wie ein Rad zu entwickeln und warum ist die Entwicklung seit gut 100 Jahren so dermaßen beschleunigt? Wenn ich überlege, dass meine Urgroßmutter noch zu einer Zeit geboren wurde, in der es kaum Automobile, nahezu keine Telefonverbindungen und ein recht dürftiges Stromnetz gab und mir dagegen anschaue, wie die Welt jetzt, nur gut 110 Jahre später aussieht. Schon ganz schön verrückt! Verklärt könnte man behaupten, dass zu ihrer Zeit so vieles besser gewesen wäre. Aber das ist nur möglich, wenn man über die eher unzureichenden sanitären, gesundheitlichen und kriegerischen Bedingungen gelinde hinweg sieht. Im Grunde geht es uns Menschen heute so gut wie niemals zuvor in unserer Geschichte. Ein Grund mehr, statt ewig zu lamentieren, sich des Lebens zu freuen und eine radrunde, strahlende Quiche zu backen.

Für den Mürbeteig (20 er Tarteform):

  • 120 g Einkornvollkornmehl (oder Weizen- oder 550er Weizenmehl)
  • 60 g Butter
  • 1 Pr. Salz
  • 1 EL Rosmarinnadeln, fein gehackt

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Ich hatte noch einen Rest Einkorn herumfliegen. Der Teig funktioniert sicher genauso gut mit anderen Mehlen. Ich gab alle Zutaten für den Teig in eine Schüssel, verrührte sie grob mit dem Löffel und fügte die Brösel dann rasch von Hand zu einer Teigplatte zusammen. Diese legte ich gut eingewickelt für (mindestens) 2 Stunden in den Kühlschrank. Die Ruhezeit ist gerade bei Vollkornteigen wichtig, damit die Schalenbestandteile des Korns quellen können. Nach der Ruhezeit rollte ich den Teig zwischen Folie ca. 2 mm dünn aus, löste die Folie auf der einen Seite und passte die Teigplatte mithilfe der Folie in die gebutterte Form. Nun löcherte ich den Boden des Teiges, fror die Form für 30 Minuten ein und buk sie anschließend 10 Minuten bei 200°C.

Für die Gemüsefüllung:

  • 1 rote Paprika (ca. 200 g)
  • 1 Zucchino (ca. 300 g)
  • 1 Frühlingszwiebel, in Ringe geschnitten
  • 3 getrocknete Tomaten, in Öl eingelegt, abgetropft, fein gewürfelt
  • Meersalz, schwarzer Pfeffer

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Herr H. würfelte die Paprika und den halben Zucchino sehr fein. Von der Paprika behielt er 4 Streifen zurück, die er später halbierte. Den restlichen halben Zucchino schnitt er in dünne Scheiben. Dann erhitzte er wenig Olivenöl, briet Frühlingszwiebel und Paprika einige Minuten darin an und fügte die Zucchiniwürfel hinzu. Nachdem alles knackig gegart war, würzte er mit Salz und Pfeffer und mengte die getrockneten Tomaten unter. Nach kurzem Überkühlen gab er das Gemüse in die vorgebackene Tarte.

Für den Guss:

  • 60 g Sahne
  • 60 g Crème fraîche (ich: Joghurt)
  • 2 kleine Eier
  • 1 kleine Knoblauchzehe mit Meersalz und 1 TL frischem Majoran gemörsert
  • Pfeffer
  • ca. 40 g würziger Bergkäse, fein gerieben

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Da mir das Essen durch die Butter im Mürbeteig schon reichhaltig genug erschien, ersetzte ich die Crème fraîche kurzerhand durch normalen Joghurt. Ich gab alle Zutaten in eine Schüssel und verrührte sie kräftig mit dem Schneebesen. Herr H. hatte derweil den Käse gerieben.

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Ich goss die Hälfte des Gusses auf das Gemüse, legte die Zucchinischeiben kreisförmig überlappend in zwei Reihen darauf und ordnete die Paprikastreifen strahlenförmig mittig darauf an. Herr H. goss den restlichen Guss darüber, bestreute alles mit Käse und schob die Tarte für 30 Minuten bei 190°C in den Backofen. Während diese buk, widmeten wir uns einem anderen Teig. Nach 20 Minuten begann es ziemlich verführerisch zu riechen.

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Fazit: Nach dem obligatorischen Foto war die Quiche auf perfekte Esstemperatur abgekühlt. Ich biss beherzt in das erste Stück und war sehr positiv überrascht. Normalerweise bin ich kein großer Fan von herzhaftem Mürbeiteig, aber dank Einkornvollkorn schmeckte der Teig herrlich kräftig-nussig und er harmonierte perfekt mit dem rustikalen Belag. Herr H. wägte zwar skeptisch den Kopf und merkte an, dass die Quiche mit Hefeteig sicher noch viel besser geschmeckt hätte, aber nach kürzester Zeit war sie dennoch bis auf den letzten Krümel verputzt. Zu schade, da ich mich nun auf in eine kurze Sommerfrische machen werde, während Herr H. tapfer zu Hause bleiben muss. Aber vielleicht weiß er sich ja inzwischen selbst zu helfen.

*Erinnert sich übrigens noch jemand an diesen Song?

Aus: Klassiker – Über 300 internationale Rezepte mit Tipps und Varianten von Johann Lafer Teubner Verlag

Ein Kommentar

  1. Herumfliegendes Einkorn und philosophische Gedanken morgens vor der Arbeit- da kann der Tag nur gut werden. Zu Mittag dann bitte ein Stück Quiche…. die geht bei mir immer!

    • Eva Eva

      Nicht wahr? Und, klar, du bekämest jederzeit ein Stück! 🙂 Ich muss allerdings erst wieder ankommen und einen neuen Plan aushecken.

  2. Sehr lecker! Und ich stelle gerade wieder fest, dass wir viel zu wenig Quiche essen… Muss ich mal ändern. Ich hätte hier gerade eine schöne Sammlung an bunten Tomaten.

    Und die Sache mit dem Rad, wirklich interessant. Was Zahlen, dass ist so ungreifbar – die Wiege der Menschheit vor 23.000.000 Jahre… Fasziniert mich genau so, wie die Unendlichkeit des Universums 🙂

    • Eva Eva

      Danke, Sandra. Ja, die Quiche führt bei uns ansonsten auch eher ein Schattendasein, völlig zuunrecht, wie ich wieder einmal feststellen konnte und bunte Tomaten kann ich mir auf ihr auch sehr gut vorstellen!

  3. Definitiv Fraktion “Für Mürbeteig unter Quiche”! Ich könnte hier auch, zwecks effizienter Restverwertung. Allerdings hat sich Monsieur “Abendbrot” gewünscht, mit Betonung auf der letzten Silbe. Was tut man nicht alles…
    Und wieso erinnern mich Song und Stimme so an “Jesus Christ Superstar”?

    • Eva Eva

      Ich weiß, ich weiß. 😉
      Gelegentlich kommt doch so ein echtes Abend”brot” auch richtig gut und für Quiche ist sicher auch wieder einmal Zeit.
      Das mit dem Musical verstehe ich allerdings nicht ganz, habe bislang geschafft, es nicht anzuhören. 😉

  4. Gedankenübertragung! Hier gibt es heute auch Quiche – obwohl es bei der Hitze schlauer wäre, den Ofen auszulassen. Mit Quarkblätterteig, übrigens 🙂
    Klar erinnere ich mich an das Lied. Dir eine herrliche Sommerfrische!
    ….

    • Eva Eva

      Es ist nicht immer schlau, schlau zu sein. 😉 Und gut, dass du mich an den Quarkblätterteig erinnerst. Den muss ich unbedingt mal einem genaueren Test unterziehen.
      Und die Sommerfrische? War herrlich!!! 🙂

      • Das freut mich. War aber kurz….aber auch ein paar Tage können so gut tun.

  5. Danke für das tolle Rezept, das wird gleich am Wochenende ausprobiert!
    Liebe Grüße, Juliane
    P.S. Das Ruchbrot möchte ich auch versuchen. Nach welchem Rezept machst Du Dein Lievito Madre? Ich kannte das bisher noch gar nicht.

  6. brittakama brittakama

    Ich möchte ein Stüüüüück *heul* will aber nichts tun dafür 😀 die Hitze macht mich gerade echt platt und ich kann mich zu nichts in der Küche aufraffen… das sieht aber so gut aus!

    • Eva Eva

      Danke, Bettina! Ja, ich habe es mitbekommen, bei euch da unten ist es noch ganz schön brottig. Oben in Nordfreisland war’s hingegen herrlich kühl. Vielleicht solltet ihr dort auch mal Urlaub machen? 😉 Und bis dahin, hier, ein virtuelles Stückchen für dich. 🙂

  7. Bettina Bettina

    Aus meiner Familie kannte ich Quiches überhaupt nicht. Mit 16 habe ich sie bei meinem ersten Freund und seiner Familie kennengelernt und viele Jahre genossen. Dort war es immer die unwiderstehliche Quiche Lorraine. Von Meuth/Duttenhofer habe ich gelernt wie köstlich es ist, sie mit säurebetont angemachten Salat zu genießen. Ein wenig Salatsoße auf der Quiche gibt den Kick 🙂 Und das Deine ganz besonders admirable ist der Normalfall 🙂

    • Eva Eva

      Danke, Bettina. Ich kannte Quiches auch gar nicht, bis ich vor 2,5 Jahren diesen Blog anfing. Quiche Lorraine schätzen wir auch sehr und Grünzeug braucht es für uns nicht unbedingt dazu. 😉 Wobei das mit der Salatsauce natürlich probiert werden muss. Danke für den Tipp!

  8. turbohausfrau turbohausfrau

    Dein Paprika-Rad in der Mitte ist wunderschön! Und die Quiche klingt nach einem perfekten Erntedankessen.
    Das Lied war eigentlich meine erste Assoziation, als ich deinen Titel gesehen habe. Damit bin ich quasi aufgewachsen – das Lied und ich sind beide Oldtimer. 😉

    • Eva Eva

      Danke, Susi. Und dabei habe ich es ansonsten doch gar nicht so mit Deko… 😉
      Und ich bin auch mit dem Lied aufgewachsen, obwohl ich mich noch nicht als “Oldtimer” fühle…

  9. Es ist immer wieder schön zu lesen wie die Poetin und Herr H. Harmonieren
    Den Teig backe ich meisten gar nicht vor…

  10. Klar, kenne ich den Song 🙂 Und ich mag Tarte viel lieber mit Mürbe- als mit Hefeteig. Aber ich bin ja auch so ein Hefe-DAU. Mürbeteig dagegen gelingt mir immer. Ich glaube, eine Tarte mache ich mal wieder. Mit Forellen-Füllung. Oder Pfifferlingen. Oder Spinat und Speck. Oder vegetarisch mit Tomaten und Ziegenkäse oder oder oder… Danke für die Inspi. Deine Fotos sind immer SO TOLL!!

    • Eva Eva

      Danke, Julia! Ja, die Füllung der Tartes ist ziemlich variabel. Ich halte mich jedoch lieber an Hefeteig, vielleicht so ein Nord-Süd-Ding. Wie auch immer, hauptsache, es schmeckt. 🙂

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