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Just a kiss away

schokokuss 1

Dieser Sommer treibt merkwürdige Blüten. Als ich kürzlich abends überlegte, nach welcher süßen Leckerei mich gelüstete, erinnerte ich mich plötzlich an die luftig-cremigen Hütchen, fußend auf einer bestenfalls, je nach Alter, knusprig-krachenden Waffel, umhüllt von ebenfalls knackender Schokohülle. “Negerküsse” nannten wir sie in unserer naiv-kindlichen Unschuld und dachten uns herzlich wenig dabei. Sie durften auf keiner Kindergeburtstags-Kaffeetafel fehlen und wurden auch gern heimlich aus dem Süßigkeitenversteck stibitzt. Ich dachte nach, wann ich den letzten heute politisch korrekt “Schaumkuss” genannten genossen hatte. Das musste schon eine Ewigkeit her sein. Der “Sofort-Haben-wollen-Reflex” wurde nur ganz kurz durch die Unmöglichkeit, knusprige Waffeln ohne ein Waffeleisen herzustellen gebremst. Eine Alternative war schnell gefunden.

Für die Fruchtwaffeln (ca. 20 Böden à 5 cm):

  • 75 g Fruchtsaft (ich: Johannisbeersaft aus ca. 200 g Beeren extrahiert)
  • 100 g Gelierzucker
  • 50 g Butter
  • 20 g Glukosesirup
  • 33 g Weizenmehl 405er
  • 50 g Kokosraspeln

waffel serie

Ich kochte alle Zutaten bis auf Mehl und Kokosraspeln kurz auf, siebte das Mehl darüber und verrührte alles klümpchenfrei mit dem Schneebesen. Nach 3 Minuten Köchelns zog ich den Topf von der Platte, rührte die Kokosraspeln ein und ließ die Masse im kalten Wasserbad abkühlen. In der Zeit heizte ich den Backofen auf 180°C vor. Auf die Rückseite des Backpapiers zeichnete ich 20 Kreise mit 5 cm Durchmesser, in deren Mitte ich jeweils 1 TL Masse setzte und mit angefeuchteten Fingern glatt strich. Beim nächsten Mal würde ich die Masse allerdings komplett dünn auf das gesamte Papier streichen und die Kreise hinterher ausstechen. Die Masse ist direkt nach dem Backen noch recht weich und formbar. Meine Böden wurde durch das portionierte Auftragen leider etwas zu dick. Ich buk sie 12 Minuten. Streicht man die Masse wesentlich dünner auf, reicht eine Backzeit von 5 Minuten, bis sie deutlich dunkler geworden ist und sich winzige Löcher gebildet haben.

Für die Schaummasse:

  • 2 Blatt Gelatine, in kaltem Wasser eingeweicht
  • 100 g Eiweiß (ca. 3)
  • 1 Pr. Salz
  • 170 g Zucker
  • 80 g Wasser
  • 20 g Glukosesirup
  • 75 g Johannisbeergelee (Fruchtsaft/ Zucker 1:1)

Schaummasse serie

Während ich Zucker, Wasser und Glukosesirup bis 120°C kochte, schlug Herr H. das Eiweiß mit einer Prise Salz an, bis es leicht schaumig war. Ich gab, während er weiter schlug, den Sirup in einem feinen Strahl hinzu. Er schlug weiter, bis die Masse auf ca. 30°C abgekühlt war. Ich erhitze das Gelee, löste die gut ausgedrückte Gelatine darin auf und ließ das Gelee ebenfalls in Schaummasse laufen. Herr H. rührte es noch kurz unter, gab die Masse dann in den Spritzbeutel (13 er Lochtülle, besser 15 er) und drückte ihn mir in die Hand. War klar.

füllen serie

Ich dressierte die Schaummasse auf die Böden. Dabei ist es wichtig, den Beutel möglichst senkrecht zu halten und die Masse in der Mitte des Bodens beginnend aufzudrücken. Nach einigen Versuchen hatte ich den Bogen raus. Die fertigen Schaumküsse stellte ich für 2 Stunden an einen kühlen Ort (in diesem Fall direkt in den Kühlschrank), damit sie antrocknen konnten.

Für die Glasur (eine wunderbare Glasur, allerdings nicht für Schaumküsse. Ich gebe sie der Form halber an und ergänze später die bessere Alternative):

  • 100 g Sahne
  • 30 g Milch
  • 50 g Honig (ich: Invertzucker)
  • 30 g Kokosfett
  • 150 g dunkle Kuvertüre, 66%, fein gehackt

glasur serie

Ich kochte Sahne, Milch, Kokosfett und Invertzucker kurz auf, gab die Flüssigkeit über die gehackte Kuvertüre und rührte sie nach 2 Minuten von innen nach außen zu einer homogenen Glasur. Die fertige Glasur ließ ich in einer kleinen Schale auf ca. 30°C abkühlen, bevor ich die angetrockneten Schaumküsse kopfüber hinein tauchte. Meine Befürchtung, die Schaummasse würde sich dabei vom Boden lösen, erwies sich glücklicherweise als unbegründet. Ich stellte die fertig überzogenen Küsse noch ca. 2 Stunden kalt, damit die Glasur sich verfestigen konnte. Sie wurde zwar “berührtrocken”, aber nicht knackig fest. Eine perfekte Glasur für Torten aller Art. Für die nächsten Schaumküsse werde ich eine Schokoladen-Kakaobutter-Lösung verwenden, die aus Kuvertüre und Kakaobutter im Verhältnis 4:1 hergestellt wird. Dazu wird beides fein gehackt und im Wasserbad geschmolzen (bis 45°C). Verwendet wird die Lösung bei ca. 35°C.

schokokuss

Fazit: Absolut köstlich! Als wir den ersten Kuss probierten, schlossen wir beide verzückt die Augen, herrlich luftige Schaummasse mit dezentem Fruchtaroma, knuspriger Kokosboden und satte Glasur. Ich hätte ohne weiteres locker 3, 4 oder 5 von den Küsschen verdrücken können. Zum Glück appellierte Herr H. an die Vernunft und wir blieben deutlich darunter. Wirklich perfekt, befand auch die Schwester, die ich gewarnt hatte, beim Kosten nicht an Schaumküsse zu denken, sondern eine “neutrale” Haltung zu bewahren. Auch sie war geneigt, die mitgebrachten 6 Küsse auf einen Streich zu verputzen. Stelle ich mir zu den köstlichen Küssen noch einen knackigen Überzug vor, dann ist die Liebe wirklich nur noch einen Kuss entfernt.

Böden, Schaummasse und Schokoladen-Kakaobutterlösung stark modifiziert aus: Schokolade William Curley

Glasur, eigentlich für eine Sachertorte von Robert

Und weil es so schön war:

schokokuss 8

Ein Kommentar

  1. Klasse, Eva! Ich liiieebe Neger… ääähh ‘tschuldigung … Schaumküsse! 😉 😉 Und deine hätte ich zu gern probiert. Ich habe mich ja auch schon an ähnliches herangetraut, mit durchschlagendem Erfolg bei den Vor- und Nachkostern. Eine richtig knackige Glasur habe ich auch allerdings nicht hinbekommen.
    Ganz liebe Grüße und Küsse 😉
    Maren

    • Eva Eva

      Ich auch und das Gute ist, dass ich schon wieder mindestens 2 Eiweiß übrig habe. Auf zur knackigen Glasur! 🙂
      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
      Eva

  2. Oh weia, liebe Eva, da hast du aber was angestellt. Die muß ich nachmachen, da führt kein Weg vorbei.
    ich erinnere mich an einen Nordsee-Urlaub, 2 Mütter, 4 Kinder, ein Tablett hausgemachter Mohrenköpfe einer guten Konditorei. Und wie witzig das war- 6 verschiedene Möglichkeiten so einem Werk zu Leibe zu rücken….

    • Eva Eva

      Na dann viel Erfolg und gutes Gelingen! An die Schaumküsse vom Bäcker erinnere ich mich auch noch, herrlich! Ich habe immer zuerst den Waffelboden weggeknuspert… 😉

  3. Ich liebe Schokoküsse – wenn das viele Eiweiß nicht wäre… Ich merke sie mir aber auf alle Fälle mal vor, der Mann liebt sie ebenfalls 🙂

    • Eva Eva

      Ja, ich weiß. Aber in diesem Fall führt am Eiweiß kein Weg vorbei – obwohl, ich habe gehört, dass man mit der Flüssigkeit von Kichererbsen aus der Dose auch ganz guten Eischneeersatz hinbekommt. Vielleicht wäre das etwas?

  4. Du erinnest mich. Schaumküsse stehen schon soooo lange auf meiner imaginären Liste. Allerdings ist es im Augenblick eindeutig zu heiß…..nix für Schokoglasur. Also nochmal vormerken……

    • Eva Eva

      Sie sind wirklich spielend leicht gemacht. Und zu warm kann es doch eigentlich nicht sein? Ich backe und koche immer, auch bei 28°C in der Küche. Die Brotteige gehen dann auch ganz fix. 😉

      • Naja, hier hat es seit Tagen 35°C Außentemperatur…ich habe tatsächlich keine Lust mehr auf Backofen. Befreie gerade die Tiefkühle vom Brotvorrat…..

        • Eva Eva

          Ja, der Süden hat in diesem Jahr definitiv den besseren Sommer erwischt…

  5. “Mohrenkopf” hiess das bei uns mal … tempi passati … und auch ich habe schon jahrelang keinen mehr genossen. Auf die Idee, sie selber zu machen, bin ich bisher … hmmm 😉
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • Eva Eva

      Als Mohrenköpfe kenne ich sie auch, nicht minder politisch unkorrekt. 😉
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

  6. turbohausfrau turbohausfrau

    Bei uns sind das Schwedenbomben. Auch politisch unkorrekt. 😉
    Ich finde toll, dass du so etwas selber machen kannst. Ich fürchte, bei mir wäre es da mit der Selbstbeherrschung dahin und ich würde sofort alle auf einmal verputzen.

    • Eva Eva

      Ich glaube, Schwedenbomben gefallen mir als Wort am besten. 🙂 Und meine Selbstbeherrschung war auch bis auf’s äußerste gefordert. Oje, heute mache ich neue…

  7. Oh mei, von diesen Küssen würde ich mich auch sehr gern küssen lassen. Schwedenbombe finde ich als Name grandios.

    • Eva Eva

      Danke, Ilse. Sie sind aber auch zu und zu köstlich. 🙂

  8. […] gibt diese Dinge, die mir einfach keine Ruhe lassen. Bei den ersten selbst gemachten Schaumküssen war ich weder mit den Böden – ich brauche ein Waffeleisen, unbedingt! – noch mit dem […]

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