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Mikroelemente, geerdet

Linsen mit Fregola und Salsicce 3

Da die Kochpoetin derzeit ihrer dringend benötigten Auszeit frönt, sah ich mich plötzlich in der Verantwortung, Inspiration für die Abendessen aus dem Hut zaubern zu müssen. Gar nicht so einfach. Da fiel mir ein, dass ich kürzlich im Dollase* das sehr anregende Gericht “Spargel mit Mikroelementen” erspäht hatte. Das trieb meine Phantasie sogleich zu Höchstleistungen an. Mikroelemente, das klang nach lang vergangenem Chemieunterricht. Komplizierte, meterlange Molekülketten tauchten vor meinem geistigen Auge auf, Nanotechnologie auf dem Teller, wie spannend. Mein Forschergeist war geweckt und ich machte mich auf die Suche nach geeigneten Zutaten. Was würde wohl passieren, wenn sich mikroskopisch kleine linsenförmige Körper aus proteinhaltiger Biomasse mit Kuben aus Gemüsesubsstanz und kugelförmigen Teilchen aus Hartweizengrieß durch Erhöhung der Umgebungstemperatur des sie umgebenden Feuchtraumes zu einem Konglomerat verbinden würden. Würde es die Welt revolutionieren, oder wären es nur “Linsen mit Fregola sarde”?

Für die Linsen mit Fregola sarde:

  • 100 g Beluga-Linsen (ich: Tellerlinsen)
  • 300 g Gemüsefond
  • 1 Lorbeerblatt
  • 1 EL Butter
  • 20 g Speck, fein gewürfelt
  • 50 g Petersilienwurzel, fein gewürfelt (ich: Knollensellerie)
  • 1 Schalotte, fein gehackt
  • 30 g Lauch, grüner Teil, fein gehackt
  • Fregola sarde nach Belieben (oder eine andere kleine Pastasorte), in reichlich Salzwasser gegart
  • 50 g Sherry
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • 1 EL Acetato Balsamico Traditizionale

Linsen mit Fregola Serie

Ich briet den Speck in der Butter bei sanfter Hitze langsam goldbraun, fügte Schalotte und Selleriewürfel hinzu und ließ alles noch einige Minuten brutzeln. Dann gab ich den Lauch und das Lorbeerblatt hinzu, löschte mit Sherry ab und ließ ihn etwa um die Hälfte reduzieren. Ich gab Linsen und Gemüsefond hinzu und ließ alles abgedeckt ca. 30 Minuten köcheln. Als die Linsen den gesamten Fond aufgenommen hatten und knapp gar waren, ließ ich die vorgegarten Fregola zu den Linsen hüpfen, schmeckte mit Salz, Pfeffer und Balsamico ab und stellte die Pfanne warm. Die Kochpoetin hatte inzwischen immerhin das Paprikacoulis hergestellt.

Für das Paprikacoulis**:

  • 1 rote Spitzpaprika, geputzt, fein gewürfelt
  • 2 Schalotten, fein gehackt
  • 1 EL Olivenöl
  • 100 g Kalbsfond
  • Salz, weißer Pfeffer, frisch gemörsert
  • 1 Pr. Zucker

Peperonicoulis serie

Sie hatte Schalotten- und Paprikawürfel in Olivenöl leicht angeschwitzt, den Fond hinzu gegeben und bei mittlerer Hitze um die Hälfte einkochen lassen. Nun pürierte sie das Coulis mit dem Stabmixer, schmeckte es Salz, weißem Pfeffer und einer Prise Zucker ab und verdrehte beim Kosten verzückt die Augen. Allein dieses Sößchen sei absolut himmlisch. Ich hatte in der Zwischenzeit zwei Salsicce in wenig Olivenöl rundherum gebräunt und anschließend in Scheiben geschnitten. Es konnte angerichtet werden. Das Fotografieren fiel mir bei diesem Gericht schwerer als sonst, da es einfach zu köstlich roch. Irgendwie bekam ich dann aber doch die obligatorischen Bilder in den Kasten.

Linsen mit Fregola und Salsicce 2

Fazit: Die Welt konnte das neu kreierte Linsen-Gericht leider nicht verändern, aber geschmeckt hat es uns ganz vorzüglich. Das Paprikacoulis nahm den Linsen die allzu erdige Schwere und fügte eine derartige Fruchtigkeit hinzu, dass wir nur staunen konnten. Herr Dollase hätte über unsere vollgefüllten Teller wahrscheinlich nur die Nase gerümpft, aber das war uns in diesem Moment herzlich egal. Sollte er sich doch mit seinen Mikroelementen herumschlagen, dachte ich mir und schob den letzten Löffel beherzt in den Mund.

Linsen und Paprikacoulis inspiriert von: [K]ein Kochbuch – Das Buch, das kein Kochbuch sein will Lucas Rosenblatt, Robert Sprenger

*Himmel und Erde – In der Küche eines Restaurantkritikers Jürgen Dollase

** Wikipedia erklärt zwar, das es sich bei einem “Coulis” um ein ungewürztes Gemüse- oder Fruchtpüree handele, aber ich halte mich einfach mal an die Bezeichnung aus dem Kochbuch.

20 Kommentare

  1. Linsen sind Lieblingsgemüse… egal wie mikro-elementär sie daherkommen. Ich hab neulich welche in Paprika gefüllt, das war auch fein. Von daher kann ich mir eure Kombination sehr gut vorstellen. Für die nächste Runde hausgemachter Wurst vielleicht…???

    • Eva Eva

      Oh, es gibt eine zweite Runde. 🙂 Und ich bin noch immer nicht zur ersten gekommen. Wir haben aber auch einfach zuviel Krams um die Ohren derzeit…

      • übrigens gibt es ein Ganzjahres.Evebt “Hülsenfrüchte”- falls du interessiert bist.

        • Eva Eva

          Danke für den Hinweis, aber zur Zeit mache ich eher selten bei Events mit…

  2. Wie schön, Herr H.!? Linsen haben für mich immer sowas heimelig Hausmannskostiges (im positivsten Sinne) und die Kombination mit der Paprika klingt super und ist gemerkt! Soll Herr Dollase doch rümpfen was und wie er will, ich würde den Teller sofort nehmen 🙂 Grüße an Eva! Tring

    • Eva Eva

      Nun, es war ein Co-Produktion. 😉 Und ich stimme dir zu, Linsen sind, egal wie elegant sie daher kommen, immer recht bodenständig. Und das ist gut so.
      Liebe Grüße,

      Eva

  3. Herr H. hat zwar die Welt nicht verändert, aber immerhin geforscht, kreiert und fotografiert. Und das mit dem ihm eigenen Talent. Eva, gönn Dir ab und zu eine Auszeit, Deine Vertretung hat es auch im Griff 😉
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • Eva Eva

      Ich hatte eine gewisse Redundanz befürchtet, aber es ist ja auch mal schon zu erfahren, dass es auch ohne einen läuft.
      Liebe Grüße aus dem sensationell sommerlichen Hamburg,

      Eva

  4. turbohausfrau turbohausfrau

    So eine Vertretung lobe ich mir!
    Die Farbe vom Paprikacoulis ist ein Hammer. Und geschmeckt hat sicher alles sehr gut.

    • Eva Eva

      Ich mir auch, wobei ich schon noch etwas Fleißarbeit verrichtet habe. Und ja, es hat sehr, sehr gut geschmeckt. 🙂

  5. Ich geh grad mal Paprika kaufen, ich kann den Coulis für heute abend gut brauchen 🙂
    …..und sonst….alles eine Frage der Terminologie, oder? 😉

    • Eva Eva

      Hoffe, es hat euch geschmeckt. 🙂
      Und ja, man kann sich die Dinge durchaus auch “schön” reden. 😉

  6. Herr H. studiert, fotografiert, kocht und isst alleine? Das gemeinsame zurücklehnen und stillschweigende Geniessen am Schluss des Beitrags fehlt schon ein wenig 😉

    • Eva Eva

      Ich durfte schon auch probieren und der Urlaub wird wohl leider eher ein kurzer bleiben. Wir haben zuviel “entdeckt”. 😉

  7. Herr H. geht neue Wege und schuf ein ansehnliches Mahl, dass auch mir gemundet hätte. Das Paprikacoulis mit Linsen zu kombinieren, darauf wäre ich nie gekommen. Aber ich sollte es einmal ausprobieren.

    Liebe Grüße
    Gerd

    • Eva Eva

      Die Idee ist ja nicht direkt auf seinem Mist gewachsen, aber es war auf jeden Fall eine gute. Dieses Gericht wird hier sicher noch öfter auf dem Tisch stehen. 🙂
      Schönes Wochenende und liebe Grüße,

      Eva

  8. Ein Kompliment was deine Ordnung der fotografierten Zutaten angeht. Toll sortierst du sie in die Mitte des kleinen schwarzen. Sehr übersichtlich.
    VG von Ulla

    • Eva Eva

      Danke, Ulla. Das Sortieren passiert nur virtuell und wird von Herrn H. erledigt. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

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