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Lebenszeichen

Hui. Seit meinem letzten Beitrag haben sich fast unbemerkt anderthalb Monate vom Acker gemacht. Das war nicht so geplant gewesen. Zu meiner Entlastung sei gesagt, dass ich mich fast den ganzen November lang mit einem fiesen Bazillus herumschlug, den ich tatsächlich noch immer nicht zu einhundert Prozent los bin. Ich weiß, eine schale Ausrede. Unser Urlaub erscheint mir inzwischen so fern, dass ich nicht weiß, ob ich überhaupt noch davon berichten möchte. Vielleicht soviel. Sardinien ist eine wirklich absolut wunderschöne Insel, landschaftlich sehr abwechslungsreich und ein echtes Wander-Paradies. Auch Freude guten Essens kommen voll und ganz auf ihre Kosten. Die Qualität der im Supermarkt angebotenen Nahrungsmittel ist herausragend. Ich habe noch nie zuvor so köstliches Gemüse oder Obst gegessen und die Fleischtheke, die wirklich jedes Teil vom Tier anbietet, Hammer! Leider waren wir im Urlaub des Italienischen noch nicht mächtig und mit Spanisch oder Französisch konnten die Sarden nichts anfangen. Von Englisch mal ganz zu schweigen. So gestaltete sich die Kommunikation leider recht schwierig. Inzwischen lernen Herr H. und ich fleißig jeden Tag und beginnen, abends beim entspannten Kochen ein wenig italienische Konversation zu betreiben. Und so sind wir beim nächsten Urlaub im April oder Mai vielleicht etwas kommunikativer. Wer weiß. Dieses wunderbare Curry mit Huhn entstand aus der saisonalen Gemüselage und war grandios. Mit ein wenig Vorausplanung ist es schließlich am Abend im Handumdrehen fertig und Gäste kann man damit auch beeindrucken. Das haben wir bereits getestet.

Für die brinierten Hühnerbeine:

  • 2 Hühnerbeine (hier von der Mais-Poularde)
  • 1 l Wasser
  • 45 g Salz
  • 20 g Zucker
  • 2 Sternanis

Die Hühnerbeine sollten zwischen sechs und zwölf Stunden in der Brine verweilen. Da sich das Salz besser löst, wenn man das Wasser aufkocht, es aber beim Einlegen der Beine wieder Raumtemperatur haben sollte, empfiehlt es sich, die Brine rechtzeitig herzustellen. Ich gab Salz, Zucker und Sternanis in das Wasser, kochte es auf und rührte, bis Salz und Zucker sich gelöst hatten und stellte den Topf auf den Balkon. Dort kühlte das Wasser in ca. 3 Stunden ab. Bevor ich gegen Mittag die Hühnerbeine einlegte, entfernte ich den Sternanis, da er bereits sein gesamtes Aroma an das Wasser abgegeben hatte. Den Topf ließ ich einfach bis abends auf dem Balkon. Es lebe der Winter. Falls die Beine schwimmen sollten und nicht ganz von der Flüssigkeit bedeckt sind, sollten sie beschwert werden. Am Abend heizte Herr H. den Backofen auf 180°C Ober- und Unterhitze vor, nahm die Beine aus der Brine, tupfte sie trocken und legte sie in die Edelstahlpfanne. Dann schob er die Pfanne auf mittlerer Schiene in den Backofen und ließ sie 15 Minuten garen. Anschließend schaltete er den Grill auf 250°C und ließ die Beine braten, bis die Haut herrlich knusperte. Das dauerte noch einmal ca. 10 Minuten. Man sollte sie aber am besten im Auge behalten und gegebenenfalls die Kerntemperatur (ca 70°) kontrollieren.

Für das Rosenkohl-Curry:

  • 1 TL Kokosöl
  • 2 TL Ingwer, geschält, fein gehackt
  • 1 TL Knoblauch, geschält, fein gehackt
  • 1 TL Palmzucker
  • 1 – 2 TL Currypulver, selbst gemischt macht sich immer gut, zur Not geht aber auch gutes gekauftes
  • ca. 100 g Hühnerfond
  • ca. 500 g Rosenkohl, geputzt gewogen, je nach Größe, halbiert und ca. 10 Minuten gedämpft und abgeschreckt
  • 1 – 2 Lauchzwiebeln, in feine Ringe geschnitten
  • eine Handvoll Weinbeeren
  • 200 g Kokosmilch
  • 2 EL Estragon, gehackt
  • 1 TL Limettensaft
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Reis zum Servieren

Während Herr H. mit dem Huhn beschäftigt war, den Rosenkohl hatte er freundlicherweise zuvor geputzt, kümmerte ich mich um das Curry. Ich schwitzte Knoblauch, Ingwer und Lauchzwiebeln kurz an, gab die Curry-Mischung hinzu und ließ sie einige Sekunden anrösten. Dann gab ich den vorgegarten Rosenkohl, die Weinbeeren und den Zucker hinzu und ließ alles ebenfalls kurz anrösten. Anschließend löschte ich mit Fond und Kokosmilch ab und ließ alles auf kleiner Flamme ca. 20 – 30 Minuten offen köcheln. Dabei kontrollierte ich von Zeit zu Zeit, ob noch genügend Flüssigkeit im Topf war. Idealerweise wird das Curry auf diese Weise von allein herrlich cremig. Gegebenenfalls muss Flüssigkeit ergänzt oder mit wenig Stärke gebunden werden. Zum Schluss schmeckte ich mit Limettensaft, Estragon, Salz und Pfeffer ab und richtete das Curry gemeinsam mit Reis und Huhn auf vorgewärmten Tellern an. Das Warten fiel uns beiden dieses Mal ganz besonders schwer. Wir sollten wieder häufiger fotografieren.

Fazit: Es ist höchst unwahrscheinlich, dass ich je wieder ein nicht briniertes Huhn zubereiten werde. Die Haut wird dadurch beim Grillen wirklich traumhaft kross, das Fleisch ist durch und durch perfekt gewürzt und es bleibt selbst beim leichten Übergaren wunderbar saftig. Ein Träumchen. Das Curry dazu passte wunderbar. Rosenkohl funktioniert auch in nicht heimischer Würzung wunderbar. Rosinen und Estragon gaben dem Curry eine guten Dreh und Herr H. hatte seinen Teller in Windeseile leer gefegt. Begehrlich musterte er mein erst zur Hälfte verspiesenes Hühnerbein. Ich tauschte schließlich etwas Fleisch gegen seinen Knochen, an dem noch genug abzugnagen war.So war es für uns eine perfekte Win-Win-Situation. So und nun hoffe ich, dass ich wieder regelmäßiger zum Schreiben komme. Ich bin auf jeden Fall am letzten Wochenende auf ein faszinierendes Küchlein-Rezept gestoßen, dass ich gern teilen würde!

Inspiriert von: Salz. Fett. Säure. Hitze: Die vier Elemente guten Kochens – Samin Nosrat

16 Kommentare

  1. Reka Reka

    Liebe Kochpoetin, schön wieder von dir zu hören.
    Die Ferien stehen vor der Tür und damit wieder mehr Zeit zum Kochen. Da wir Rosennkohl nicht vertragen werde ich auf Brokkoli ausweichen.
    Wir sind schon sehr gespannt auf das Ergebnis. Liebe Grüße Reka

    • Eva Eva

      Brokkoli passt sicher genauso gut! 🙂
      Schöne Festtage und liebe Grüße,
      Eva

  2. Basler Dybli Basler Dybli

    “Briniert” – noch nie gehört oder gelesen. Kochblogs bilden nach wie vor!
    Danke für das feine Rezept, dass ich bereits gespeichert habe und im neuen Jahr bestimmt nachgebastelt wird. Welche Beilagen auch immer zum Zuge kommen werden entscheidet dann das tägliche Angebot.
    Ich wünsche dir und Herrn H. schöne Festtage und einen guten Rutsch in das neue Jahr!

    • Eva Eva

      Sehr gern geschehen. Man kann auch ganz schnöde “nass pökeln” dazu sagen. Ich neige leider zur hochgestochenen Sprache… 😉
      Wir wünschen ebenfalls schöne Festtage!
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Hach, Brine! Danke für die Erinnerung, denn das wollte ich schon länger einmal ausprobieren.

    Ich hätte bitteschön sehr gern mehr von Sardinien gelesen. Einmal war ich dort und es war wirklich grandios! Lässt sich da etwas machen?

    Auf jeden Fall wünsch ich schon mal frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

    • Eva Eva

      Unbedingt probieren. Es lohnt sich auf jeden Fall, auch bei allem anderen Federvieh.
      Sardinien? Mal sehen, ob ich in diesem Jahr noch dazu komme. Ich versuche es.
      Euch ebenfalls entspannte und wunderschöne Festtage! 🙂

  4. Schön von Euch beiden zu lesen…. sehr lecker sieht es aus.

    • Eva Eva

      Danke schön! Ich bemühe mich auch wieder um mehr Regelmäßigkeit. 🙂

  5. Gleich dachte ich das fabelhafte Buch…. mir kommt inzwischen Geflügel ausschließlich nach einem “Brine”-Bad in den Topf; die Weihnachtsgans wird zumindest nach der Tabelle rechtzeitig gesalzen.
    Immer wieder eine Freude, von dir zu lesen!

    • Eva Eva

      Danke, Christine. Das Buch ist wirklich gut. Musste es nur leider schon wieder abgeben. Na ja. Jetzt weiß ich ja, wie’s geht.
      Schöne Weihnachten euch!

  6. Dann werde ich der weihnachtlichen Ente wohl mal ein Salzbad gönnen ;-).
    Schön, von dir zu lesen. Ich wünsche auch schon mal entspannte Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr :-).

    • Eva Eva

      Danke, Susanne. Und, hat es geklappt mit der Ente?
      Euch auch entspannte und herrliche Festtage!

  7. Birgit Birgit

    Liebe Kochpoetin, das Rezept wollte auf der Stelle ausprobiert werden: sagenhaft lecker! Die Hühnerbeine habe ich in der Pfanne gebraten. Ging wunderbar. Das Buch “Salz.Fett.Såure.Hitze.” kann ich nur empfehlen. Nachdem ich das erste Kapitel gelesen habe, ist mein Salzverbrauch irgendwie angestiegen…
    Liebe Grüße und noch ruhige Festtage

    • Eva Eva

      Freut mich sehr, dass es euch so gut geschmeckt hat! Ich wünsche ein gutes und gesundes 2019,
      Liebe Grüße,

      Eva

  8. Auch wieder da! Und noch eleganter! Und hoffentlich wieder ganz gesund.

    • Eva Eva

      Danke, Ilse! Unkraut vergeht nicht, weißte? 😉

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