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Mildernde Umstände

Cremige Linsensuppe1

Es wird sich vermutlich schon herum gesprochen haben, dass ich kein besonders großer Fan von Kälte bin. Schlägt den meisten anderen Menschen eine trübe, regnerische Wetterlage im Winter auf das Gemüt, genieße ich die feuchte Luft und atme auf. Herrlichstes Schmuddelwetter, alles kann, auch tagelanger Dauerniesel, bloß kein Frost. Leider hat die Großwetterlage auch in diesem Jahr kein Erbarmen mit mir. Jetzt haben wir den Salat. Sonne satt und eisige Kälte. Ich weiß, ich weiß, das ist nun einmal so im Winter, aber das ändert absolut nichts daran, dass ich sie nicht mag. Und das ist noch milde ausgedrückt. Unsere Wohnung wird trotz aufwändiger Dämmung immer noch nicht richtig warm, es zieht durch die Ritzen, dass es eine wahre Freude ist und dabei haben wir den Dichtigkeitstest scheinbar mit Bravour bestanden. Wie auch immer. Im großen und ganzen haben wir das Jahr der Sanierung einigermaßen überstanden und ich hoffe, dass wir von der diesjährigen des Nachbarblockes nicht mehr ganz soviel mit bekommen werden. Mein Rant gegen die Kälte möge mir also verziehen werden, es müssen mildernde Umstände geltend gemacht werden. Blank liegende Nerven und derlei und zudem habe ich ein perfekt molliges Süppchen im Gepäck. Es entstand aus der Vorratsnot geboren ganz zufällig eines Abends in der letzten Woche, als ich spät und frierend von der Arbeit heimkehrte.

Für die cremige Linsensuppe:

  • 125 g Puy-Linsen
  • Olivenöl zum Anbraten
  • 1 frische Chorizo (ca. 100 g), gehäutet, Hälfte gewürfelt, Hälfte in Scheiben geschnitten
  • 1 rote Zwiebeln, fein gewürfelt
  • 1 Möhre, fein gewürfelt
  • 1 Stange Sellerie, fein gewürfelt
  • 1 kleine gelbe Paprika, fein gewürfelt (rot geht auch)
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 TL Kreuzkümmel, gemahlen
  • 1 TL Thymian, frisch, gehackt oder 3 Zweige
  • 1 TL Paprikapulver, geräuchert, scharf
  • 30 g Sherry- (oder Rotwein-)essig, ca. 2 EL
  • 500 g Geflügel-, Gemüse- oder Kalbsfond
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • 1 Avocado, zerkleinert
  • Lauchzwiebel, in Ringe geschnitten
  • frische oder getrocknete Tomaten
  • Baguette

Herr H. hatte bevor ich ankam bereits das mis en place erledigt. Darin hat er es inzwischen zu wahrer Meisterschaft gebracht. Ich erhitzte das Olivenöl im Bräter, ließ die Chorizowürfel darin knusprig werden und schwitzte Zwiebel, Möhre, Sellerie, Knoblauch und Paprika (mit einer großzügigen Prise Salz) etwa 10 Minuten an. Anschließend röstete ich die Gewürze kurz mit, löschte mit Essig ab und ließ ihn vollständig einkochen. Nun gab ich Linsen und Fond hinzu, ließ die Suppe aufkochen und bei sanfter Hitze ca. 45 Minuten köcheln, bis die Linsen gegart waren. Herr H. entfernte die Thymianzweige, schüttete die Suppe dann in den Behälter des Atomisierers und mixte sie ca. 50 Sekunden cremig. Ich hatte derweil die Chorizoscheiben knusprig gebraten, Avocado, Tomaten und Frühlingszwiebeln gerüstet und die Schalen vorgewärmt. Herr H. schmeckte die Suppe noch einmal mit Salz, wenig Essig und Pfeffer ab und füllte sie in die Schalen. Ich drapierte das Topping darüber und schob Herrn H. mitsamt befüllter Schale ins Studio. Das Aufräumen war in diesem Fall im Handumdrehen erledigt. Und zum Glück kehrte Herr H. bereits nach wenigen Minuten zurück.

Fazit: Noch bevor er den ersten Löffel zum Mund führte, gab er mit betrübter Miene zu Bedenken, dass die Farbe dieser Suppe schon etwas speziell sein. Ich ging nicht weiter darauf ein, kostete einen Löffel und schloss vor Genuss die Augen. Was für eine herrlich cremige, mollige und absolut tröstende Suppe. Als ich die Augen wieder öffnete, musste ich über den Anblick, der sich mir nun bot doch etwas schmunzeln. Herr H. saß ebenfalls mit geschlossenen Augen da und seufzte wohlig. Manchmal muss man das kritische Auge einfach austricksen. Das von uns verwendete Topping wurde ebenfalls aus einer gewissen Vorrats-Notlage geboren. Crème fraîche, Schmand, Zitronenspalten und frischer Koriander hätten sicher auch sehr gut gepasst. Wir waren jedoch auch so hochzufrieden und zogen uns direkt im Anschluss auf unser wunderbares Sofa zurück, mit dicken Daunendecken bewaffnet, natürlich. Ein weitere Folge, der zugegeben etwas reißerisch gemachten, Serie “Wer zuletzt kocht” wartete bereits auf uns.

10 Kommentare

  1. Linsensuppe-genau die hab ich heute gesucht. Und mir ist es auch zu kalt…..

    • Eva Eva

      Und gefunden. 🙂
      Ich habe das Brotbuch übrigens auch gerade da. Das einzige, was mich noch abhält, ist, dass beim Züchten des Starters die Reste immer entsorgt werden…

  2. Ich habe nix gegen Kälte, aber hier ist sie gerade gepaart mit wolkenverhangener Düsternis, und sonst gibt es auch einiges, was gerade blöd ist. Ich nehme also gerne eine Schale Suppe….

    • Eva Eva

      Suppe tröstet immer. Und ich habe auch nicht alles aufgezählt, was gerade nicht so gut läuft. Wollte nicht zu düster werden. 😉 Alles Gute dir!

  3. Kälte ist ok … aber nur wenn die Wohnung gemütlich warm ist 😉
    Suppe hingegen, geht immer – danke!
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • Eva Eva

      Ja, das sehe ich auch so. Doch ich weiß mir zu helfen. Mit dicker Expeditions-Daunenjacke lässt es sich ganz gut aushalten – drinnen. 😉
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

  4. Das liegt bestimmt an der schlechten Heizung. Mit dieser Suppe kommt die Hitze von Innen.

    • Eva Eva

      Das denke ich auch. Die wurde nämlich bei der Wärmedämmungs-Maßnahme so gelassen…

  5. Bea Bea

    Kälte macht nix, Schmuddelwetter auch nicht, was gar nicht (mehr) geht ist ‘Nebelmeer auf 600 Meter über Meer’, dann ist es nämlich ‘oben blau und unten grau’, und wir sind hier halt ‘unten’. – Linsensuppe ist aber ein guter Tröster, besonders wenn sie so schön daher kommt.
    Gruss Bea

    • Eva Eva

      Danke, Bea. Nebelmeer stelle ich mir auch mies vor. Hoffe, es hat sich inzwischen aufgelöst!
      Liebe Grüße,
      Eva

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