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Salsa perfetta per gnocchi?

contest1-klBeinahe zeitgleich mit der Küchenschabe überfiel mich letzte Woche die Gnocchilust. Dabei fragte ich mich, wie jemand eigentlich auf die absurde Idee kommen konnte, gekochte Kartoffeln noch einmal zu kochen. Man kocht Kartoffeln, zerdrückt sie, mengt ihnen Mehl, vielleicht Ei und etwas Parmesan bei, rollt Stränge und formt kleine Teilchen, die man dann noch einmal kocht Hat irgendwie etwas von paniertem Paniermehl. Eine Recherche im Internet ergab keine Resultate. Die Entdeckung der doppelt gekochten Kartoffel scheint unklar zu sein. Über sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar. Trotz der ungeklärten Frage machte ich mich an’s Werk. Da ich jedes Mal unsicher bin, welche Sauce die herrlichen Bällchen am besten begleitet, entschied ich mich zusätzlich zu einem Saucentest. Tomate versus Gorgonzola.

Für die Kartoffelgnocchi:

  • 400g Kartoffeln (Sorte spielt keine Rolle)
  • ca. 110 g Mehl

Gnocchiserie1-klIch dämpfte die ungeschälten Kartoffeln in ca. 30 Minuten gar, pellte sie, obwohl sie noch sehr heiß waren und gab sie durch die Kartoffelpresse in eine Schüssel. Dann streute ich gut 2/3 der Mehlmenge darüber und vermengte beides zu einem weichen, glatten, noch leicht klebrigen Teig. Herr H. betrat die Küche und rief erfreut aus, “Gnocchi, wunderbar, die mag ich am liebsten!” Ich bemehlte die Arbeitsfläche, teilte den Teig in drei Teile und drückte Herrn. H. eine Gabel in die Hand. Ich rollte die Stränge ca. 2cm dünn aus und schnitt die Rollen in 2cm lange Stücke. Herr H. ließ derweil die Gnocchi von der Gabel springen. Nach nicht mal 10 Minuten lagen die Gnocchi auf einem bemehlten Brett zum Kochen bereit. Jeder von uns durfte eine Sauce aussuchen. Ich wollte unbedingt Marcella Hazans schlichte Tomatensauce testen, Herr H. votierte für die Gorgonzolasauce.

Für die Tomatensauce mit Zwiebeln und Butter:

  • 450 g frische, reife Tomaten, grob gewürfelt
  • 30 g Butter
  • 1 kleine Zwiebel, geschält und halbiert

Für die Gorgonzolasauce:

  • 40 g Gorgonzola, Zimmertemperatur
  • 2 EL Milch
  • 15 g Butter
  • 30 g Sahne
  • evtl. etwas Salz (ich: verzichtet, der Käse war salzig genug)

Sossenserie1-klIch gab die Tomatenstückchen mit Butter, Zwiebelhälften und einer Prise Salz in einen Topf und ließ alles ca. 45 Minuten auf kleinster Hitze köcheln, bis sich das Fett der Butter deutlich von den Tomaten absetzte. Die einzige Schwierigkeit bestand darin, meinen Drang, der Sauce noch ein Kraut oder Gewürz zuzugeben, zu zügeln. Als die Sauce fertig war, entfernte ich die Zwiebelhälften.

Herr H. wog die Zutaten für die Gorgonzolasauce ab, brachte Gorgonzola, Milch und Butter in einem kleinen Topf zum köcheln und rührte ca. 1-2 Minuten, bis der Käse geschmolzen war. Ich setzte derweil das Wasser für die Gnocchi auf und garte sie portionsweise ca. 2 Minuten in schwach siedendem, gesalzenem Wasser. Herr H. gab die Sahne zur Sauce und ließ sie wenige Minuten einköcheln. Ich verteilte die im ca. 50°C warmen Backofen geparketen Gnocchi auf zwei Teller und gab von jeder Sauce etwas hinzu. Der Test konnte beginnen.

contest2-klFazit: Eins vorab, einen klaren Sieger gab es nicht. Beide Saucen sind vorzüglich zu den schlichten Kartoffelgnocchi. Herr H. bevorzugte die kräftige Gorgonzolasauce, ich eher die unglaublich fruchtige, leicht süße Tomatensauce. Ich war sehr froh, mich mit zusätzlichen Gewürzgaben zurückgehalten zu haben. Die schlichte Verbindung von langsam gegarter Tomate mit Butter und einem Hauch Zwiebel war umwerfend gut. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass man aus so wenig so viel machen kann und werde mich in Zukunft wohl öfter zügeln.

Alles aus: Die klassische italienische Küche Marcella Hazan

Ein Kommentar

  1. Zwischen den Saucen könnte ich mich auch nicht entscheiden. Diese ganz simple Tomatensauce muss ich mal probieren.
    Und das mit den zweimal gekochten Kartoffeln…….das steht auch in den meisten Schupfnudel-Rezepten. Da werden die gekochten Kartoffeln Kartoffeln nochmal gekocht und dann noch in der Pfanne angeschwenkt. Das zweite Kochen lasse ich da in der Regel aus und brate sie nur. Womöglich könnte man das mit Gnocchi auch so machen. Aber dann wären sie ja knusprig statt weich.

    • Mir gefiel die Tomatensauce einen Tick besser.
      Ja, man könnte sie gleich braten. Habe ich mal notgedrungen mit welchen gemacht, die beim Kochen zerfielen. 😉 Aber eben, dann sind sie nicht mehr so herrlich zart und luftig…
      Ist es nicht seltsam, dass sich so absolut nichts über die Entstehung der Gnocchi finden läßt?

  2. Ich bin klare Tomatensaucenanhängerin. Käsesaucen sind mir meist zu heftig, vor allem zu Gnocchi. Vielleicht versuche ich die einfache Tomatensauce auch mal, aber wahrscheinlich eher mit Olivenöl, ich bin einfach kein Butterfan bei Saucen…

    • Klar, mit Olivenöl würde es auch gehen, ist dann eben eher süditalienisch… aber ich fand gerade die Butternote in der Sauce gut. War ja auch nicht so viel. 🙂

  3. Lecker! Ich mag Gnocchi sehr und vorallem, wenn sie ohne Ei zubereitet werden. Hatte ich bisher noch garnicht versucht, aber jetzt – werde ich umgehend nachholen!
    Ich mache meistens mehr Gnocchis und den Rest gibt es als Salat am nächsten Tag 🙂
    Bei den Sossen ist es bei mir wetterabhängig, im Winter bzw. bei kaltem Wetter darf es gerne die Käsesosse sein, ansonsten lieber Tomatensosse.
    In meine Gorgonzola-Sosse kommt noch etwas Fond und gehackte Walnüsse 🙂

    @ Magentratzerl – Werde ich auch versuchen, die Gnocchis für den Salat werden ich einfach ohne kochen direkt braten – ich bin gespannt!

    • Oh, Walnüsse. Auch eine gute Idee. Vielleicht mit noch etwas Fruchtigem?
      Ich mache normalerweise auch mehr und friere sie dann auf einem Teller vor und ein. Aber dieses Mal wollte ich erstmal testen, ob mir die eilose Variante zusagt. Und das hat sie. Noch ie hatte ich so fluffige Gnocchi!

  4. ich nehm die Tomatensauce, bitte 🙂 Ich bin mir nur nicht sicher, ob die Erdäpfelsorte wirklich keine Rolle spielt – frische Heurige etwa tät ich mich nicht trauen, womöglich zerfällt mir dann das Nockerl …

    • Gern! 🙂
      Klar, ganz frische Kartoffeln gehen natürlich nicht, weil sie noch zu wenig Stärke gebildet haben, aber bei älteren ist die Sorte dann egal… schreibt zumindest Frau Hazan…

  5. Ich votiere ebenfalls für die leckere Tomatensauce zu Deinen tollen Doppelkoch-Klößen! Das ist immer wieder toll, wie gut einfache Dinge ganz ohne weiteren Schnicke schmecken, wenn man gute Zutaten hat und die so richtig glänzen können.

    Was die doppelt gekochte Kartoffel betrifft: Kartoffel-Gnocchi sind quasi eine Spielart der weit verbreiteten Knödel-/Klöße-Kultur (und Knödel werden halt gekocht). Nachdem die Kartoffel auch in Europa eingeführt war, nahm man nicht mehr nur Mehl, Grieß etc., sondern eben auch Kartoffeln (und die ergeben vorgekocht eine homogenere Struktur als roh gerieben). Ein entsprechender Wikipedia-Beitrag weiß übrigens zu berichten, das Klößchen ursprünglich wohl aus dem Mittleren Osten stammen und dass römisch Legionäre sie in ganz Europa verbreitet haben: https://en.wikipedia.org/wiki/Gnocchi
    Kleine morgendliche Geschichts-Stunde ;-).

    • Dann scheint die Tomatensauce eine klare Favoritenrolle einzunehmen. 😉
      Vielen Dank für den Link! Auf die Idee, im englischen Wiki zu suchen, war ich nicht gekommen, nachdem der deutsche Artikel so dürftig war. Der mittlere Osten als unklare Brutstätte weit verbreiteter Spezialitäten also wieder mal. Spannend. Beim nächsten Bücherhallenraubzug werde ich mich mal umsehen, ob es nicht ein bisschen mehr zum Thema “Ernährungsgeschichte” gibt und berichten. 🙂

  6. Bei mir ist die Saucen-Vorliebe Jahreszeiten-abhängig: im Winter Käsesauce, im Sommer Paradeissauce. Diese beiden Saucen kenne ich beide nicht, aber sie klingen sehr gut und schauen auch so aus.

    Mit den zweimal gekochten Erdäpfeln ist es aber oft so: Erdäpfelknödel oder eigentlich alles aus Erdäpfelteig wird zweimal gegart. Mein liebstes Erdäpfelknödelrezept vom Lafer sieht sogar vor, dass man die gekochten Erdäpfel abseiht und sofort noch heiß ins vorgeheizte Backrohr stellt. Das wäre dann quasi noch ein weiterer Durchgang beim Garen.

    Ich liebe übrigens so ernährungstechnisch recht sinnfreies Essen sehr! Alle Vitamine rausgekocht oder gar keine drinnen (Nudeln z. B.), so schmeckt das! 😉

    • Aha, auch eine wetterabhängige Esserin. 😉 Zum Glück konnte ich deinen Kommentar noch rechtzeitig retten…
      Bei der doppelten Garung geht es mir gar nicht um die Erhaltung irgendwelcher wertvollen Inhaltsstoffe, sondern eigentlich nur um meine Faulheit (beim Kochen). Doppelt garen dauert doppelt… 🙂
      Und Nudeln sind zur Zeit mein absolutes Lieblingsessen, gestern gab’s schon wieder welche. Ich kann nicht genug davon bekommen…
      Hast du dein liebstes Knödelrezept im Blog?

      • Nein, habe ich noch nicht. Aber wenn du bei Chili+Ciabatta-Petra schaust, da werden diese Minierdäpfelknödel zum Kohlrabi in Orangen-Estragon-Sauce serviert.

        Ich danke schon im Voraus für das Herausholen meines Kommentars aus dem Spam-Ordner. 😉

        • Gerade noch rechtzeitig. 🙂 Weiß auch nicht, wieso du da landest, aber du bist nicht die einzige…
          Schade, dann schaue ich mal bei Petra. Orange-Estragon, interessant, ich hatte heute Zitrone-Sahne-Kerbel zu Kohlrabi, auch nett. 😉

  7. Die Einbürgerung der Kartoffel fand um die 1562 auf den Kanaren statt, von wo aus sie u.a. in Italien Fuss fasste. Auf einer veronesischen Seite (ohne Quellenangabe) habe ich gefunden, dass die Kartoffel-Gnocchi ein typisches Gericht des Karnevals von Verona seien, dessen Ursprung bis 1531 (der Karneval) reicht.

    • Danke, Robert. Das mit der Kartoffel habe ich auch gefunden.
      Karneval – das ist immerhin ein Ansatz. Ich werde weiter forschen.

  8. Tomatensauce!! Gerne mit etwas Schafs- oder Ziegenkäse “angedickt” oder mit gehackten schwarzen Oliven, Kapern und Sardellen zu einer “Puttanesca” gemacht. Könnt’ ich fast täglich essen 🙂 Gnocchi sind mir oft zu schwer (also im Magen). Deine Salsa tät ich drum mit Rigatoni essen. Deal?

    • Ein weiterer Ausschlag Richtung Tomate. 😉
      All das hätte ich ansonsten auch hinein gegeben, aber ich wollte unbedingt den “puren” Geschmacke testen und der war großartig.
      Gnocchi, diese luftige, kleinen Kartoffelbällchen, schwer? Das musst du mir erklären. Aber natürlich kannst du die Salsa essen, wozu du magst. 🙂

      • Naja, Kartoffelmehl ist schon irgendwie “mächtiger”, oder? Vielleicht muss ich mich bei Dir aber einfach mal zum Gnocchi-Essen einladen 😉

        • Das kannst du gern tun, falls du mal in den Norden kommst. 🙂 Und die Gnocchi sind ja nicht aus Kartoffelmehl, sondern aus frischen Kartoffeln…

  9. Ich bin auch für Tomatensauce. Ich bin sowieso immer für Tomatensauce. Gorgonzola wäre mir zu den Gnocchi zu schwer. Und wegen doppelt gekocht… null Ahnung, mein Hirn kann derzeit sowieso nicht denken 😉

    • Gell, Tomaten rocken! 😉 So schwer war die Gorgonzolasauce aber nicht, nur irgendwie etwas zu sehr aromatisch…
      und verzeih deinem Hirn, denken ist sowieso überbewertet!

  10. Auf Gnocchi habe ich immer Lust – im Sommer mit einer frischen fruchtigen Tomatensauce und nicht nur in der kalten Jahreszeit auch mit der Gorgonzolasauce.

    • Ja, beides zusammen und durcheinander war auch irgendwie am besten. Und übrigens, Rächermatjes an Puffer (heute Abend) – ein Gedicht. Danke schon mal vorab. 🙂

  11. MMhhh sieht beides gut aus, aber ich würde die Tomatensauce nehmen! Gorgonzola mag ich nicht immer.

    Das 2 malige Kochen ist wegen dem Mehl, ich meine das Mehl muss auch wenigstens 1x gegart werden.

    Ich hab ein altes Rezept für Mohnnudeln aus Erdäpfelteig, wie sie früher auf dem Land zubereitet wurden: man kochte geschälte Kartoffeln in Salzwasser, Wasser abseihen, Mehl in den Topf zu den Kartoffeln geben, mit einem Kochlöffelstiel Löcher bohren, das Kochwasser wieder drüberleeren und das Ganze durchziehen lassen. Die Erdäpfel und das Mehl waren somit gegart. Dann nur mehr verkneten, Nudeln formen und mit Mohn etc…. fertig!
    Oft gesehen, noch nie selber gemacht…
    lg aus Ö

    • Ah, das klingt sehr interessant. Danke, Friederike. Werde ich testen!
      Ich mag Gorgonzola auch nur phasenweise, aber manchmal bin ich fast süchtig danach. Zu den Gnocchi fand ich allserdings die Tomaten auch stimmiger. 🙂
      Liebe Grüße auch Hamburg!

  12. Ich bin immer für Tomate zu haben 🙂

    • Hallo Julia, gell, Tomaten sind die wahren Paradiesäpfel. 🙂

  13. Die Kärntnerin Die Kärntnerin

    Gnocchi mit Gorgonzolasauce gehn immer, obwohl die Paradeisersauce auch sehr gut ausschaut. Muss nur gestehen, ich bin meist zu faul die Gnocchi selbst zu machen… EInmal sind mir alle verkocht und seitdem kauf ich sie immer. Obwohl ich mir das jetzt schon lang vornehm, wieder selbst welche zu machen. Für die Gorgonzolasauce nehm ich übrigens Creme Fraiche, dann wird sie etwas dicker und haftet besser an den Gnocchi.
    lg, die Kärntnerin

    • Schmecken die gekauften denn? Ich habe noch nie welche probiert…
      Das mit dem selber machen ist mit dem richtigen Rezept echt im handumdrehen gemacht.
      Crème fraîche ist ein guter Tipp, danke!
      Liebe Grüße,
      Eva

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