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Fokus verrutscht

Polenta_mit_Auberginen_3-2

An dem Rattenschwanz der uns derzeit nahezu überrollenden Ereignisse ist eindeutig meine Schwester schuld. Sie war es, die mir vor einigen Wochen extrem begeistert von ihrem just erworbenen Buch zum Thema “Entrümpeln” oder eleganter, wie im Titel “Magic Cleaning”, vorschwärmte. Die Autorin Marie Kondo verspreche, man müsse nur noch ein einziges Mal gründlich aufräumen, was natürlich bis zu einem halben Jahr dauern könne, und dann nie wieder. Die sich danach im Besitz befindlichen Gegenstände besäßen fortan einen festen “Wohnort” , an den sie nach Gebrauch einfach wieder zurückkehrten. Ich lauschte gebannt. Die Zahl der Gegenstände in unserem Haushalt war zwar bereits recht übersichtlich, aber für Optimierung bin ich stets zu haben. Es stellte sich nach der Lektüre des Buches rasch heraus, dass Herr H. und ich ein phänomenal effektives Aufräum-Team bilden. Nach nur einer guten Woche waren wir vom Dachboden bis zum Keller von jeglichem Ballast befreit. Unser Wohnzimmer, im frischen Licht betrachtet, konnte gut wieder einmal einen Anstrich vertragen und ein neues Sofa wäre doch auch endlich einmal fällig? Und so kam es, dass das Thema Essen in letzter Zeit eher hintenüber fiel, für ausgedehnte Koch- oder Back-Aktionen fehlte es schlicht an Zeit. Diese Not bescherte uns glücklicherweise einen neuen Fundus an Gerichten, die Im Handumdrehen auf dem Tisch stehen. Es hat immer alles zwei Seiten.

Für die cremige Polenta:

  • 100 g Bramata-Polenta
  • je 340 g Wasser und Milch
  • ca. 20 g Butter
  • ca. 25 g Parmesan, fein gerieben
  • 1/2 TL Salz

polenta serie

Herr H. und ich sind, seit wir letztes Jahr eine sehr schlichte Polenta-Variante kennen lernten, große Polenta-Liebhaber. Ich kochte Milch und Wasser auf, gab das Salz hinzu und ließ unter Rühren langsam die Polenta einrieseln. Nach erneutem Aufkochen schaltete ich die Hitze auf ein Sieden zurück und ließ alles abgedeckt 40 Minuten köcheln. Alle 10 Minuten rührte ich die Polenta einmal kräftig durch. Herr H. schmeckte die fertige Polenta mit Butter, Parmesan, wenig Salz und schwarzem Pfeffer ab und stellte sie warm. In der Kochzeit der Polenta bereiteten wir die Auberginensauce.

Für die Auberginensauce:

  • Öl zum Anbraten
  • 1 mittelgroße Aubergine, in 2 cm große Würfel geschnitten, 30 Minuten in kaltes Wasser gelegt
  • (ich: 1 Lauchzwiebel, in feine Ringe geschnitten und 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt)
  • 2 TL Tomatenmark
  • 60 g Weißwein
  • 200 g geschälte, gehackte Tomaten (ich: Passata)
  • Salz, Zucker
  • 1 EL frischer Oregano, fein gehackt

Auberginen serie

Angeblich ziehen in Wasser eingelegte Auberginen beim Braten weniger Öl. Das wollte ich immer schon einmal überprüfen und es zeigte sich, dass das ein genauso großes Ammenmärchen ist, wie das “Dämpfchen”, das angeblich zum guten Gelingen eines Hefeteigs zwingend notwendig ist. Bei nächsten Mal werde ich die Auberginenwürfel wie gewohnt direkt nach dem Schneiden braten. Dabei saugen sie sich zunächst mit soviel Öl voll, wie man es ihnen zugesteht. Lustigerweise geben sie es jedoch, wenn sie sich dem Garpunkt nähern, auch wieder ab. Ich briet die Würfel in ca. 1 – 2 EL Öl, bis sie durch und durch gegart waren, gab Lauchzwiebel, Knoblauch und Tomatenmark hinzu und ließ alles wenigen Minuten mitbraten. Dann löschte ich mit Weißwein ab, ließ ihn etwas reduzieren, gab die Passata hinzu und ließ die Sauce ca. 20 Minuten offen köcheln. Wird sie dabei zu trocken, hilft ein Schluck Wasser. Herr H. schmeckte die Sauce mit Salz, Pfeffer und Oregano ab und arrangierte sie auf der Polenta. Der Hunger ließ gerade eben zwei Fotos zu.

Polenta_mit_Auberginen_2-1

Fazit: Wir durften uns beim Essen dieses sehr schlichten Gerichts endlich wieder einmal davon überzeugen, dass es weder exotischen Gewürze, noch exklusive, schwer erhältliche Zutaten braucht, um ein richtig gutes Mahl zuzubereiten. Das verliert man scheinbar als jemand, der sich tagein tagaus mit dem Thema Nahrungszubereitung beschäftigt, gern aus den Augen. Die “magische Reinigung” scheint auf allen Ebenen gleichzeitig abzulaufen und, oje, wenn man erst einmal einen Raum auf Vordermann gebracht hat, dann sehen die übrigen plötzlich nicht mehr so gut aus wie vorher. Ich fürchte, da kommt noch einiges auf uns zu.

Inspiriert von: Genussvoll vegetarisch Yotam Ottolenghi

28 Kommentare

  1. wie wahr…. wobei ich und Aufräumen, das ist eine sehr spezielle Beziehung. Am Besten lasse ich die Dinge erst garnicht in meine Wohnung….
    während hingegen dein Auberginengericht sehr appetitlich daherkommt, das könnte ich doch aus den im Hochbeet (hoffentlich) reifenden Auberginen zubereiten …

    • Eva Eva

      Danke, Christine. Das ist natürlich auch eine Lösung. Wobei mir die des Entrümpelns zuvor noch besser gefällt. Es fehlen nur noch zwei kleine Zimmmer (die es leider in sich haben)…

  2. Bei einem solch feinen Essen hätte ich mich auch nicht lange beherrschen können!
    Zwei schöne Fotos reichen doch auch 😉
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • Eva Eva

      Ja, zwei Fotos reichen definitiv, aber wenn dann eins davon nicht taugt… 😉
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

  3. Das sieht so gut aus! Bei Auberginen kann ich einfach nicht widerstehen. Was mich daran erinnert, dass ich in dieser Saison bisher noch viel zu selten welche hatte. Okay, stehen schon auf dem Einkaufszettel! Danke für die Inspiration.

    • Eva Eva

      Danke, Sabine. Freut mich, dass ich dich inspirieren konnte!

  4. viktoria viktoria

    auf deine inspiration hin habe ich heute auch gleich meine im kühlschrank seit einigen tagen befindliche melanzani verarbeitet. einige fisolen (grüne bohnen), die auch noch da waren, wanderten ebenfalls in den eintopf. mhmmmm – war köstlich!
    dazu ein paar einfach salzerdäpferl – perfekt!

    • Eva Eva

      Es lebe die Inspiration! 🙂

      • viktoria viktoria

        ja genau. 🙂
        nur weiter so – dann wird das leben umso schöner!
        danke!

  5. Bei mir steht noch Polenta im Vorrat, wäre also Zeit, diese mal zu verarbeiten. Zwei Fliegen mit einer Klappe: aufräumen (aka aufessen) und nachkochen! Super!

    • Eva Eva

      Das ist natürlich noch besser. Meine Polenta ist nun auch fast verbraucht – fürchte ich muss wieder neue besorgen. 😉

  6. Oh jeh, das Buch ist auch bei mir eingezogen, bis jetzt noch ungelesen… nun frage ich mich, ob ich es wagen soll 😉
    Doch wann dadurch ein solch einfaches, aber sicherlich köstliches Gericht herauskommt, kann es ja nur gut werden…

    • Eva Eva

      Wage es ruhig, Sabine. Ich finde das Buch (wenn man über seine Schwächen großzügig hinweg sieht) wirklich gut und ich schaue seitdem wirklich wieder sehr gern in meinen Kleiderschrank. 🙂

  7. Die Idee, für die Frau Kondo steht, schätze ich sehr. Ihr Buch halte ich allerdings für nur eingeschränkt lesbar – mir ist ihr Umgang mit Ressourcen, die z. B. für andere noch von Nutzen sein können, viel zu unbekümmert. Und der Versuch, die nachhaltigeren Alternativen zu ihrem Wegwerfwahn im Kopf zu ergänzen, war mir auf Dauer zu anstrengend. Nichtsdestotrotz: Dieses Essen nähme ich ohne jede Einschränkung und sofort!

    • Danke, dass du nicht auch noch eine Lobeshymne auf dieses Buch singst. Mir geht ihr fast manischer Wegwerfwahn auch gegen den Strich. Es gibt genug Leute, die meine “Altlasten” noch verwerten können, daher ist die Mülltonne für mich nur der ungeliebte allerallerletzte Ausweg.

      • Eva Eva

        Wie gesagt, man kann die “guten” Dinge ja durchaus anderweitig unterbringen. 🙂

    • Eva Eva

      Ich sehr bei dem Buch die gleichen Schwächen wie du. Aber mir fiel es leicht, mir das für mich passende dazu zu denken und natürlich schmeiße ich keine funktionsfähigen Dinge einfach in den Restmüll. Mir gefällt an dem Buch schlicht die Konsequenz und der Ordnungsansatz. Hat mir sehr geholfen und dabei hatten wir auch vorher schon einen eher überschaubaren Besitz und eine recht übersichtliche Wohnung…

  8. Wir sind gerade auch am Entrümpeln. Allerdings nicht ganz freiwillige. Der Holzwurm hat sich in Boden und Seitenleisten unseres Gartenhäuschens eingenistet. Da bleibt neben der Gartenbewirtschaftung und Bekämpfung nicht viel Zeit für anderes. 🙁

    • Eva Eva

      Oh wie ärgerlich. Hoffe, ihr habt den Schaden bald behoben. Bei mir steht als nächstes das Miso-Brot auf der “Liste”. 🙂

  9. Hihi… da kenne ich auch jemanden, dem das Buch gut tun würde. Neeeiiiin, bestimmt nicht ich 😉 Gratuliere jedenfalls zur erfolgreichen Entrümpel-Aktion! Noch mehr aber freut es mich, dass ihr offensichtlich definitiv zu Polenta-Liebhabern geworden seit 🙂 Ich war vergangene Woche in einem Grotto im Tessin, mitten im Wald. Da gab es grobkörnige Bramata-Polenta direkt über dem Holzfeuer gemacht wurde. Genial!

    • Eva Eva

      Um die Polenta beneide ich dich glühend. Wir haben hier leider keine Möglichkeit, diese spezielle Art der Zubereitung nachzumachen. Und was das Entrümpeln angeht – es lohnt sich definitiv. Nur Mut!

  10. Schöne Fotos machen wenn so ein tolles Gericht auf dem Tisch steht, unmöglich!! Das ist ein richtig leckeres Gericht für diese Jahreszeit, und das Buch auch mein Favorit.

    • Eva Eva

      Normalerweise können wir uns schon noch etwas gedulden, so dass ein paar mehr Fotos entstehen, aber an dem Abend war die Energie schlicht aufgebraucht und musste dringend nachgefüllt werden. 🙂

      • Ich kenne das Problem nur zu gut 😉

  11. Bisher tue ich mir mit Polenta schwer. Aber Deine sieht so cremig aus, dass ich es doch mal wieder probieren will… Das Aufräum-Thema hängt mir hier auch nach. Vor 5 Jahren, als wir hier eingezogen sind, hatten wir uns geschworen, mehr auszumisten und weniger anzuhäufen. Aber irgendwie sind wir da schrecklich schlecht drin. Vielleicht sollte ich doch mal das Buch lesen, von dem ich schon so viel gehört habe…

    • Eva Eva

      Sie ist wirklich herrlich cremig und es war dieses Rezept, dass mich letztlich zur Polenta-Liebhaberin werden ließ.
      Das Buch liest sich für einen literaturbegeisterten Menschen eher sperrig, aber der Inhalt passt. 🙂

  12. Nun, ich gestehe hier und heute, dass ich zur Spezies der Sammler gehöre. Es ist zwar bei mir stets ziemlich aufgeräumt und alle immer wieder benötigten Dinge haben ihren festen Platz und liegen nicht einfach so herum. Allein, ohne Stauraum komme ich nicht aus. Und dort befinden sich auch ein paar Kisten mit Dingen, die ich zwar im Moment nicht brauche, aber auch nicht weggeben will. Denn: sobald ich dies tue, kommt nach spätestens zwei Wochen die Frage «ich hatte da doch so einen …?». Dies meine Erfahrung, die Situation trifft verlässlich ein!
    Mit Polenta bin ich jedoch auf einer Linie mit dir! Grobe Bramata, cremig gekocht. Bramata-Maisgriess nimmt in guten Zeiten eine halbe Box in meiner Vorratskammer ein (wenn mir nämlich liebe Freunde welches aus der Schweiz oder Italien mitgebracht haben).
    Und, der Zufall will’s!: just als ich deinen Beitrag endlich lese, blubbert eine Crossover-Polenta (mit Zitronengras und so) lustig vor sich hin. Den Spatel, den ich dazu jeweils verwende, habe ich aus der Kiste «not in use everyday» hervorgekramt!
    Mit besten Grüssen aus Fernost,
    FEL!X

    • Eva Eva

      So einen Stauraum oder Vorrat haben wir natürlich auch. Ohne geht es ja gar nicht. Aber es gelangten halt früher Dinge hinein, die man eher nicht ein zweites Mal verwendet. Deshalb. Crossover-Polenta klingt klasse! 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

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