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Hirte ohne Rind

kartoffelgulasch 6

Das Wort Gulasch (ungarisch: gulyás) bedeutet eigentlich “Rinderhirte” und das Gericht (gulyás hús – Fleisch) war eben der Eintopf des Rinderhirten. Das, was wir meinen, wenn wir Gulasch sagen, ist in Ungarn in Wirklichkeit “Pörkölt ” oder “Paprikás“. Um die Verwirrung perfekt zu machen existieren in der sogenannten pannonischen Tiefebene zahllose Varianten des Fleischschmortopfs, vom Rind bis zum Hammel darf alles hinein. Eine weitere Spielart ist der österreichische Erdäpfelgulasch, aber auch in ihn wandert üblicherweise Fleisch in Form einer speziellen Wurst. Ob man dann dieses Gericht, das durch vollkommene Abwesenheit jeglichen Fleisches glänzt, überhaupt noch Gulasch nennen kann, weiß ich nicht. Frau Fiege macht es einfach. Und wir begannen erst einmal zu kochen. Alle Zutaten bis auf den frischen Marjoran waren zufällig im Haus. Während ich schnippelte, machte Herr H. sich auf die Jagd nach dem würzigen Kraut.

Für das Kartoffelgulasch:

  • 1/4 Stange Lauch, in Ringe geschnitten
  • 1 kleine Stange Sellerie, in Halbringe geschnitten
  • je 1 gelbe Rübe (ich: Stückchen Steckrübe) und Möhre, in schräge Scheiben geschnitten
  • 1 Handvoll breite Bohnen (ich: dicke Bohnen, enthülst), in schräge Scheiben geschnitten
  • 2 Steinpilze, blättrig geschnitten
  • 2,5 Champignons, blättrig geschnitten
  • 250 g Kartoffeln, in mundgerechte Stücke geschnitten
  • 1 Süßkartoffel, in mundgerechte Stücke geschnitten
  • 1/2 Bund frischer Marjoran, Blättchen abgezupft
  • 1 EL Butterschmalz
  • 1 Zwiebel, fein gehackt
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1/2 TL Kümmelsaat
  • 1 TL Rosenpaprika
  • 1/2 TL Cayenne
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • 1/4 Vanilleschote, Mark ausgekratzt
  • 250 g Saure Sahne (ich: 50 g Crème fraîche)
  • 1 TL scharfer Senf

kartoffelgulasch serie

Als ich alle Zutaten bereit gestellt hatte, kam Herr H. freudestrahlend mit einem zerzausten Topf Marjoran zurück. Es sei der letzte seiner Art gewesen. Glück gehabt! Ich briet Zwiebeln, Lauch und Pilze im Butterschmalz an, gab Knoblauch, Kümmel und Paprika hinzu und röstete alle kurz an. Dann gab ich alle restlichen Gemüse hinzu, röstete auch sie einige Minuten mit, würzte mit Cayenne, Salz und Pfeffer und bedeckte alles knapp mit Wasser. Herr H. gab das Mark der Vanilleschote und die Schote in den Topf, sowie die Hälfte der Marjoran-Blättchen. Nun durfte das Gulasch abgedeckt ca. 30 Minuten köcheln. Vom fertigen Gulasch entnahm ich zwei Kellen, gab Crème fraîche und Senf hinzu und pürierte alles. Ich gab das Püree zurück in den Topf, ließ es alles noch einmal aufwallen und überprüfte die Konsistenz. Perfekt sämig. Ich schmeckte noch einmal mit Salz und Pfeffer ab und stellte den Topf warm.

Für die knusprigen Champignons:

  • 150 g Champignons, in hauchdünne Scheiben geschnitten
  • 1 EL Olivenöl
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • je 1/4 TL Anis und Kümmel, gemahlen

knausprige champignons serie

Herr H. briet die Pilzscheiben ohne Öl, bis alle Flüssigkeit ausgetreten war. Dann gab er das Olivenöl hinzu und briet sie weiter, bis sie knusprig waren. Er würzte mit Salz, Pfeffer, Anis und Kümmel und gab sie zum Abkühlen in eine Schale. Ich schöpfte Gulasch in zwei Schalen, dekorierte mit Champignons und einigen Marjoranzweigen und wartete anschließend recht ungeduldig, bis Herr H. mit der Fotoausbeute zufrieden war. Es roch so gut.
kartoffelgulasch 8

Fazit: Das Gulasch schmeckte unglaublich fein und ich war sehr erstaunt, dass ich, als bekennender Wurst-Junkie, absolut nichts vermisste. Aber ich bin auch kein Hirte, der den ganzen Tag draußen irgendwelchen Viechern hinterher rennt. Die Pilze sorgten für das nötige Umami, Anis und Kümmel stand ihnen gut und Herrn H. gefiel besonders das Zusammenspiel von Vanille und frischem Marjoran. Das Gulasch gab es hier sicher nicht zum letzten Mal! Beim ersten Lesen des Rezepts hätte ich nicht vermutet, dass sich es so gut schmecken würde. Das Buch birgt sicher noch weitere Schätze. Eine gute und ausführliche Rezension findet sich übrigens hier bei bushcook. Wieder Arbeit gespart.
Aus: Mittagstisch – Leidenschaftlich vegetarisch Eschi Fiege

Ein Kommentar

  1. Die Champignons mit Anis und Kümmel gewürzt? Stelle ich mir aufregend vor. Danke für die Gulasch-Belehrung. Dass es “Rinderhirte” heißt, war mir ebenfalls neu. Lustig. 🙂

    • Mir war das vor der kurzen Recherche auch nicht bewusst. 🙂 Nachkochen lohnt sich auf jeden Fall!

      • Ach, jetzt habe ich gestern vergessen auf unserem Markt gemahlenen Anis zu kaufen. Muss ich wohl Samstag nochmal schauen gehen. Danke für daran erinnern. 🙂

  2. Zwar auch mit Vorsicht zu genießen- aber mit der Creme fraiche und Senf stelle ich mir das sehr fein vor. Die Champignons würd ich eben schweren herzens links liegen lassen…

    • Das war es, Ninive. Steinpilze gehen auch nicht, oder?

  3. Die Süßkartoffel gibt mir zu denken. Eine? Kann ich die nicht vielleicht einfach weglassen? Die Vanille überrascht etwas – aber why not?
    Und Eure Art die Pilze anzubraten … das könnte hier für leuchtende Augen sorgen!

    • Klar kannst du die Süßkartoffel weglassen. Sie schmeckte aber absolut nicht vor. Vanille war klasse und das mit dem Trockenbraten funktioniert überraschend gut. 🙂

  4. Ehrlich gesagt hörte sich die Zutatenliste abgesehen von der Vanille für mich eher nach normaler Gemüsesuppe an, aber wenn du so schwärmst… 😉 Schmeckt man die Vanille überhaupt noch bei Anis, Kümmel, Senf, Paprika und Cayenne daneben? Den frischen Majoran ersetze ich mittlerweile schon standardmäßig durch getrockneten – suchen ist hier leider zwecklos…
    Liebe Grüße Tring

    • Ich kann dir die Suppe wirklich empfehlen, hat was ottolenghisches. 😉 Und ja, die Vanille war deutlich wahrnehmbar. Frischer Marjoran hat ein viel intensiveres Aroma, hätte ich auch nicht gedacht, weil ja vieles durch’s Trocknen erst intensiviert wird. Da hilft wohl nur selbst säen. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  5. Ich liebe ja Kartoffelgulasch. Und das hier klingt nach einer besonders ausprobierenswerten Variante – schon gespeichert 🙂

    • Ich hatte schon geahnt, dass das was für dich wäre. 🙂

  6. Allein ob der Gewürzvielfalt liest sich das großartig! Leider brauche ich dem Kerl – vor allem wegen der Pilze – mit sowas nicht kommen. Aber gut: So wandert’s auf die Liste der Essen ganz für mich allein… 🙂

    • Und das hätte den Vorteil, dass du mit einem Mal kochen Essen für zwei Tage hättest. 😉

  7. Nicht nur Bilder und Text sind ein Hochgenuss. Das scheint auch noch zu schmecken. 🙂

    • danke, Mayumi. Es schmeckt tatsächlich, wobei das widerum natürlich stets Geschmackssache ist. 😉

  8. turbohausfrau turbohausfrau

    Das ist definitiv kein Erdäpfelgulasch, aber schaut nicht minder fein aus, jedoch wirklich komplett anders. Irgendwie elegant, oder? Erdäpfelgulasch ist deftig und hat keine Spur von Eleganz. 😉

    • Danke, Susi. Frau Fiege hat es wahrscheinlich auch bewusst “Kartoffelgulasch” genannt, sie ist ja Österreicherin und ja, es war fein, man könnte auch elegant sagen. 🙂

  9. Ich habe ja eigentlich auch gerne ein wenig Fleischeinlage in der Suppe oder dem Eintopf, aber ich versuche diese Variante auf alle Fälle, denn die meisten Zutaten hab ich da 😀

    • Das kann ich nur empfehlen. 🙂 Ich bin nämlich sonst auch echt ein Fleischeinlagenfan.

  10. Karin Seidl Karin Seidl

    Liebe Frau Kochpoetin,
    Als Österreicherin muss ich da widersprechen – das ist niemals nie ein “Kartoffelgulasch”!
    Da Sie ein Koch-Junkie sind, findet sich in ihrer Bibliothek sicher ein Plachutta oder ein Maier-Bruck, suchen sie unter Erdäpfelgulasch, das ist ein “Kartoffelgulasch. Ihr Gaumen wird Augen machen!
    Ihr Blog gefällt mir sehr, ich lese oft, aber diesmal muss ein Kommentar sein!
    Viele liebe Grüße
    Karin

    • Liebe Karin,
      danke für das Kompliment. Ich habe mich allerdings nur an die Begrifflichkeiten der österreichischen Kochbuchautorin gehalten, obwohl meine kurze Recherche ergeben hatte, dass sich im Kartoffelgulasch normalerweise Wurst befindet.
      Vielleicht kann ich ja mal ein echtes Kartoffelgulasch vor Ort probieren. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  11. Also ohne Fleisch wärs für mich kein Gulasch (… oder doch?), gefallen tut es mir aber auf alle Fälle. Vor allem die Idee, einen Teil davon zu pürieren, mag ich sehr.
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • Danke, Andy. Namen sind ja eh irgendwie bloß Schall und Rauch. 😉
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

  12. Egal ob mit oder ohne Fleisch, ob Gulasch oder nicht, ich finde einfach mal wieder deine gewählte Überschrift genial: “Hirte ohne Rind”…. das hat mal wieder sofort im Reader mein Neugier geweckt 😉

    • Danke, Sabine. Ja, das lag irgendwie auf der Hand, als ich las, was es mit dem Gulasch auf sich hat. 🙂

  13. […] es. Ein weiteres Knüller-Rezept daraus: Kartoffelgulasch mit Majoran. Superlecker!! Eva, die Kochpoetin, hatte das Rezept auch schon mal getestet und war ebenso angetan. Und sie hat es auch geschafft, es […]

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