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Polpette di Quinoa oder Quinoa-Bratlinge?

Herr H. und ich lernen seit unserer Rückkehr von Sardinien sehr fleißig Italienisch, da wir uns bei unserer nächsten Reise dorthin oder anderswo in Italien zumindest rudimentär verständigen können wollen. Zunächst kam die Sprache recht lässig daher und ließ sich mit französischen Vorkenntnissen von mir recht einfach erlernen. Inzwischen bin ich beim Perfekt und den Reflexiv- und anderen fiesen Kürzeln angekommen (ci, mi, ce, te, ti etc. pp.) und verzweifele regelmäßig an den Übersetzungen. Aber hey, ich bin recht zuversichtlich, dass wir auch diese Hüde irgendwann spielend nehmen werden. Beim Erlernen jeder neuen Sprache wird mir jedenfalls stets die eigene wieder vermehrt bewusst. Natürlich lese und spreche ich ständig, aber selten lasse ich mir den Klang einzelner deutscher Wörter bewusst auf der Zunge zergehen. Bratling ist ein solches Wort. Es scheint am Anfang des 20. Jahrhunderts von Bircher geprägt worden zu sein. Mir begegnete es im Rahmen der ersten Vollwert-Ernährungsphase meiner Eltern in den 1980 Jahren. An diese Zeit habe ich nicht unbedingt die besten Erinnerungen. Es gab zwar einiges, dass ich auch in meine spätere Ernährung übernahm, wie das selbst gebackene Sauerteig-Brot, aber Dinge wie Thermogrütze (gedarrtes und geschrotetes Getreide) und Vollkornpasta gehören jedoch absolut nicht dazu. Bei den Grünkern-Bratlingen war ich hingegen unsicher. Eigentlich schmeckten sie ganz OK. Aber irgendwie auch nicht. Als Herr H. gestern Abend vorschlug, Quinoa-Bratlinge herzustellen, hielt meine Begeisterung sich also sehr in Grenzen. Da ich jedoch keine bessere Alternative vorschlagen konnte, gab ich mich geschlagen. “polpetta di quinoa”

Für die Quinoa-Masse (ergibt ca. 10 – 12 Bratlinge):

  • 100 g Quinoa, abgespült
  • 100 g Orangensaft
  • 100 g Gemüsefond
  • 150 g Süßkartoffel, geschält, gewürfelt
  • 60 g Knollensellerie, geschält, gewürfelt
  • 240 g Kichererbsen (1 Dose), abgespült
  • 1 kleine Knoblauchzehe, geschält
  • 1 TL Dijonsenf
  • 1 EL Tahin
  • 1/2 TL Kreuzkümmel, gemahlen
  • 1/2 TL Rauchpaprikapulver
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • 1 kleines Ei
  • 15 g Schnittlauch, in feine Röllchen geschnitten
  • 65 g geräucherter Gouda (oder Scamorza), gerieben
  • 30 g Panko

Die Liste der Zutaten liest sich natürlich auf den ersten Blick etwas üppig. Aber bei uns waren die Bratlinge in einer Stunde auf dem Tisch. Ich garte zunächst die Quinoa in Orangensaft und Gemüsefond ca. 20 Minuten und ließ sie anschließend kurz ausdampfen. Herr H. gab Süßkartoffel- und Selleriewürfel knapp mit Wasser bedeckt in einen weiteren Topf und garte sie in gut 10 Minuten. Danach durften sie ebenfalls ausdampfen und in den Mixerbehälter umziehen. Ich gab Kichererbsen, Tahin, Senf, Rauchpaprikapulver, Knoblauch und etwas Salz dazu und mixte es mithilfe des Stößels zu einer homogenen Masse. Je trockener sie ist, desto besser! Natürlich nicht beim Mixen, aber später beim Formen der Bratlingen. Herr H. gab die gemixte Masse in eine große Schüssel, fügte die restlichen Zutaten hinzu und verknetete alles kurz.

Anschließend formte er mit feuchten Händen flache Bratlinge von ca. 8 cm Durchmesser und 2 cm Dicke und legte sie auf ein mit Backpapier belegtes Blech. Es funktioniert allerdings nur, wenn man die Hände vor jedem Bratling erneut befeuchtet, da die Masse recht klebrig ist. Vielleicht würde sie “anziehen”, wenn man sie für eine halbe Stunde kalt stellte. Dazu hatten wir leider keine Zeit mehr. Der Abend war schon zu fortgeschritten. Ich hatte den Backofen auf 200°C vorgeheizt. Nun schob ich das Blech mit den Bratlingen ein. Nach 20 Minuten Backzeit wendete ich sie und garte sie für weitere 20 Minuten. Sie waren danach herrlich gülden und hatten außen eine sehr knusprige Kruste. Man kann diese Bratlinge natürlich bestens als Burger-Patties verwenden. Wir hatten leider keine Buns und entschieden, sie einfach mit etwas grünem Kräutersalat, scharfer Tomatensauce, Crème fraîche und Baguette zu servieren. Eine gute Entscheidung!

Fazit: Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass die Bratlinge mich derart begeistern würden. Außen knusprig, innen cremig mit crunchigem Quinoa, perfekt gewürzt und einfach köstlichst. Damit auch ihr Name mir keine Bauchschmerzen mehr verursachen konnte, benannte ich sie schwungvoll in “Le Polpette di Quinoa” um. Das klingt doch schon wesentlich eleganter! Herrn H. waren solche Spitzfindigkeiten wie üblich vollkommen egal. Er verzehrte einen Bratling nach dem anderen und lehnte sich anschließend hochzufrieden zurück. Seine einzige Anmerkung lautete, wir müssten aber auch dringend noch einmal klassische Burger mit ihnen fabrizieren. Nun, das wird sich einrichten lassen, denke ich. Wobei sie mir auch ungeschichtet außerordentlich gut geschmeckt haben.

Inspiriert von: Dreimal täglich Marilou & Aleandre Champagne

8 Kommentare

  1. Mal schauen ob ich durch das Captcha komme… Polpette ziehe ich Bratlingen unbedingt vor, mit Quinoa hab ich mich noch nie beschäftigt, eure Begeisterung weckt die Experimentier-Lust

    • Eva Eva

      Geschafft. 🙂
      Experimente sind immer gut!

  2. Hier gibt es aus gewissen Vorerfahrung heraus auch keine Bratlinge. Pflanzerl, Fritter, Polpette, alles. Aber keine Bratlinge…
    Die Polpette sehen köstlich aus…ich glaube, ich habe irgendwo noch einen Rest Quinoa….

    • Eva Eva

      Danke, Susanne. Dabei sind Namen doch Schall und Rauch…? 😉

  3. Liebe Eva, eure Bratlinge klingen phantastisch. Auch mit 80er-Jahre-Titel. Gebratenen Quinoa liebe ich total und habe auch ein Lieblings-Quinoa-Bratlingrezept. Deines könnte das bisherige aber durchaus entthronen. Cool!

    Ich habe mich neulich an Bratlingen aus geröstetem geröstetem Buchweizen (kein Tippfehler) und Rosenkohl mit Dattel und geröstetem Kreuzkümmel versucht. Auch geil.

    • Eva Eva

      Danke, Peggy!
      Das mit dem Buchweizen klingt gut. Leider habe ich den gerösteten aufgebraucht und aus Gründen darf erstmal kein neuer einziehen… 😉

  4. Cairusan Cairusan

    Ich liebe deinen Blog! Wie hast Du denn die scharfe Tomatensoße gemacht?

    Lieben Gruß!

    Cairusan

    • Eva Eva

      Danke schön. Ich weiß es nicht mehr genau. Vermutlich ein paar Schalotten angeschwitzt, mit Passata abgelöscht, eingeköchelt und dann mit Sriracha pikant abgeschmeckt. Ich bin meist zu faul, Chilis zu entkernen. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

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