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Des Fleisches beraubt

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Donnerstag Abend, halb sechs. Ich sollte langsam mit den Vorbereitungen für das Abendessen beginnen. Wenn ich bloß wüsste, was ich kochen will. Im Kühlschrank findet sich ein halber Spitzkohl, der dringend nach Verarbeitung ruft und eine gute Handvoll braune Champignons, die auch schon bessere Tage gesehen haben. Seltsame Kombination. Fieberhaft, auf der Suche nach Inspiration, beginne ich in diversen Kochbücher zu blättern. Plötzlich erblicke ich Kokoswirsing mit Shiitake und Süßkartoffelbällchen. Wirsing und Spitzkohl gehören zu gleichen Familie, denke ich mir, genauso wie Shiitake und Champignons. Und eine Süßkartoffel ist auch noch im Haus. Perfekt!

Für die Süßkartoffelbällchen:

  • 500 g Süßkartoffeln
  • 1 TL Salz
  • 2 EL Mehl
  • 3 EL Semmelbrösel
  • ca. 50 g Sesamsaat

bällchen serie

Während die Monstersüßkartoffel eine gute 3/4 Stunde in der Schale vor sich hin köchelt, lese ich mir das Rezept erneut durch und stolpere über die Angabe “800 ml Kokosmilch”. Selbst für 4 Personen erscheint mir die Menge leicht übertrieben. Was tun? Während die Süßkartoffel ausdampft, wandern meine Gedanken zum kürzlich genossenen Jeyuk Bokkeum und eine Idee nimmt Gestalt an.
Ich gebe die geschälte Süßkartoffel portionsweise durch die Kartoffelpresse, vermenge das Püree mit Salz, Mehl und Bröseln und forme mit befeuchteten Händen etwas golfballgroße Kugeln, die ich rundherum in Sesamsaat wälze und auf einem Teller ablege. Herr H. kommt leicht verfrüht nach Hause und ist willens, mich zu unterstützen.

Für das “koreanisch gewürzte” Gemüse:

  • 1/2 Spitzkohl, der Länge nach halbiert, quer in feine Streifen geschnitten
  • ca. 125 g braune Champignons, nach Belieben zerkleinert
  • 1 kleine Zwiebeln, fein gewürfelt

Für die Marinade:

  • 1/2 oder 1 kleiner Apfel, fein gewürfelt
  • 1 EL Chilipaste (Gochujang)
  • 1 TL Chiliflocken
  • 1,5 EL helle Sojasauce
  • 1,5 EL Reiswein
  • 1 EL Sesamöl (hell)
  • 1 Knoblauchzehe, fein gewürfelt
  • 1 EL Ingwer, fein gewürfelt

Gemüse Serie

Gemeinsam schnippeln wir das Gemüse. Dann erhitze ich etwas Öl in der Wokpfanne, schwitze Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer kurz an und gebe dann das restliche Gemüse und die Marinade hinzu. Zugedeckt lasse ich es, mit einem Extra-Schluck Wasser, ca. 15 Minuten schmoren. Herr H. hat inzwischen das Frittieröl im Stieltopf auf 175°C erhitzt. Ich gebe das erste Süßkartoffelbällchen hinein und fische es glücklich nach ca. 2 Minuten wieder hinaus. Goldbraun. Nach und nach frittieren wir die übrigen Bällchen und lassen sie kurz auf Küchenkrepp abtropfen.
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Fazit: Die Süßkartoffelbällchen waren außen herrlich knusprig durch den Sesammantel und innen cremig. Das scharf gewürzte Gemüse passte perfekt zu den leicht süßen Bällchen. Ich hatte eigentlich die doppelte Menge der Marinade bereitet, was ein wenig zu scharf war. Mit der hier angegebenen halben Menge sollte es perfekt sein. Das Fleisch vermissten wir beide nicht und ich hoffe, dass sich die Koreaner unter uns nicht von dieser Zweckentfremdung beleidigt fühlen.

Süßkartoffelbällchen aus: Sehr gut vegetarisch kochen Christian Wrenkh

Würzung inspiriert von: missboulette

Ein Kommentar

  1. Golfbälle sind mir vertraut und sehr sympathisch 😉
    Liebe Grüsse und frohe Weihnachten aus Zürich,
    Andy

    • Ich habe beim Schreiben an dich gedacht. 😉
      Jetzt schön Weihnachtsgrüße? Verreist ihr?
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

  2. Das hört sich aber lecker an! Meinst du man kann auch Kräuterseitlinge nehmen? Wir haben seit 2 Wochen eine solche Pilzkultur hier auf der Fensterbank stehen und wenn ich sie so anschaue, dann steht uns in den nächsten Tagen eine Kräuterseitlingsinvasion ins Haus, bibber! Da braucht’s Rezepte zur Eliminierung ;-). Oder hast du sonst noch eine gute Idee?
    Liebe Grüße MaLu

    • Danke, Malu. Klar kann man die nehmen, vor allem, wenn sie beginnen, einen aus der Wohnung zu schmeissen. 😉 Weier Vorschläge wären: Flammkuchen, Risotto und Pasta.
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Oh wie lecker! Ich liebe Sesam und dann wieder Süsskartoffeln – herrlich 🙂
    Die Bällchen kann man sicherlich auch zu Frikadellen formen und kurz in die Pfanne geben? Ich steh doch auf Kriegsfuss mit dem Frittieren…

    • Danke, Sandra. Ich weiß nicht so recht. Der Teig war eher nicht so fest, wahrscheinlich würden sie sich in der Pfanne auflösen. Ich würde sie, wenn eine unüberwindbare Frittierabneigung besteht, eher im Ofen backen. 😉

  4. Da würde ich auch kein Fleisch vermissen 😉 Vor allem die Kombinaton von den Süßkartoffelbällchen und dem herzhaft scharfen Gemüse ist genau mein Ding!

    • An dich habe ich beim Schreiben auch gedacht. 😉 Probiere die “Marianade” unbedingt mal aus, die ist echt superlecker! 🙂

  5. Ein super “Was-hab-ich-in-den-Kühlschrank-Essen” 😉

    • Im Erfinden selbiger bin ich Meisterin, weil ich immer so “planlos” einkaufe und dann plötzlich Sachen da sind, die unbedingt weg müssen. 😉

  6. ohhh… das sieht so gut aus in diesem Sesammäntelchen, wer um Himmels Willen braucht denn da noch Fleisch??

    • Mein Reden. 😉 Falls du die “Marinade” noch nicht kennst, dringende Probierempfehlung!

  7. Wenn ich so kreativ wäre, wenn es um Resteessen geht, da gäbe ich was drum!

    • Nur die optisch ansprechenden Gerichte schaffen es ins Blog – eigentlich ungerecht, es gibt Sachen, die himmlisch schmecken, aber einfach, mhm, sagen wir mal nicht besonders appetitlich aussehen… 😉

  8. Das sieht ja hübsch aus! Und alles Resten – genial. Aber leider sind Süsskartoffeln nun gar nicht mein Fall.

    • Danke, Toettchen! Ich vermute mal, man kann solche Bällchen auch mit Kartoffeln bereiten. 🙂

  9. Ha, das ist ja wie bei dieser Sendung “Kochduell”, gibt es die eigentlich noch?
    Da kam aber selten so etwas Tolles raus..

    • Ich weiß gar nicht. Vor Urzeiten ließen Herr H. und ich uns davon inspirieren. Abwechselnd bekam jeder drei “Hauptzutaten” zugeteilt und musste etwas daraus zaubern – ich bin froh, dass es von den Ergebnissen keine Fotos gibt. 😉

  10. Die Marinade ist genau meins….ich kaufe morgen Chili-Paste 🙂
    Und Fleisch gibt es hier ja sowieso eher selten – von daher sind die Bällchen auch meins und ich würde nichts vermissen.

    • Ich weiß nicht, wie schärferesistent du/ ihr seid. Die Paste hat es in sich. Vielleicht erstmal vorsichtig an den gewünschten Schärfegrad herantasten. Bin gespannt, wie’s schmeckt! 🙂

  11. Ich würde mich dann Toettchen anschliessend un die Bällchen aus Kartoffeln machen. Süsskartoffeln sind irgendwie zu weit weg von mir. Aber aussehen tun sie sehr gut, Deine Bällchen. So richtig fluffig innen drin.

    • Danke, Henne. Mit Kartoffeln werden sie wahrscheinlich etwas fester, naja, kommt auf die Sorte an. Inwiefern weit weg? Geografisch oder geschmacklich?

  12. O, was freue ich mich, wenn ich ab Montag wieder eine eigene Küche zur Verfügung habe! Und da steht ja auch noch Gochujang im Kühlschrank, Apfel ist auch noch da – dem Gemüse mit koreanischer Marinade steht nichts im Weg. Weihnachten kann kommen!

    • 🙂 So geht es mir auch immer, wenn ich eine Weile “fremdgekocht” habe. Eine gute Heimreise wünsche ich euch und viel Spaß beim Kochen!

  13. Sehr schön. Improvisation in der Küche ist, was ich zu pflegen alle ermutigen möchte, auch oft in meinem Blog. Nicht verzweifeln, wenn etwas aus dem Rezept nicht vorhanden ist, das Gefühl spielen lassen, überdenken, dann machen und schauen, wie es schmeckt.
    Ich habe, als Neuleser bei Dir, Deine koreanische Seite erst jetzt erkannt. Freut mich, erinnere mich gut an den Geschmack von Gochujang, habe aber jetzt keinen im Hause, da hier in Thailand alles mögliche aus und verschiedenste Formen von Chili vorhanden sind.
    Witzig die Gemeinsamkeit der Worte für Chili, Gochu koreanisch, Prick in Thai, aber das ist ein Zufall, denn in Thai bedeutet Prick nur Chili und nichts anderes.
    Süsskartoffeln werden hier fast ausschliesslich zu Süssigkeiten verkocht oder ohne Zutaten nach Grillen, Sieden oder Dämpfen gegessen.

    • Danke, Erich. Ich habe im Laufe des letzten Jahres feststellen müssen, dass es zur Improvisation ein solides Grundwissen braucht und bin an meinem noch recht lückenhhaften gelegentlich gescheitert. Aber generell funktioniert’s schon ganz gut.
      Vor den vielen unterschiedlichen Chihizubereitungen stehe ich im Asia-Laden oft noch recht ratlos. Ich würde einem “echten” Tahi-Koch wirklich gern mal über die Schulter schauen. Bis dahin begnüge ich mich damit, bei dir zu lesen. 😉

  14. Bewundernswert, was Du Dir einfach mal so aus Kühlschrank-Resten aus dem Ärmel schüttelst. Diese Bällchen haben es mir angetan – ich koche sie dann allerdings mit der Henne und Toettchen mit normalen Kartoffeln 😉

    • Danke, Sabine, ich hatte ja ein Rezept zur Inspiration. Du magst auch keine Süßkartoffeln? Vielleicht gibt es da eine Art Nord-Süd-Gefälle… 😉

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