Zum Inhalt springen

Siegeszug der Taschen

Kimchimandu 6

Je länger ich mich mit verschiedenen Länderküchen beschäftige, spezifische Eigenheiten und Unterschiede feststelle, desto überraschter bin ich, dass es in jedem (?) Land dieser Welt irgendeine Art von gefüllten Teigtaschen gibt. Wie kamen die Menschen bloß auf die Idee, Teigtaschen zu füllen? Gibt es einen Ursprungsort, vom dem aus die kleinen Täschchen ihren Siegeszug rund um den Globus antraten? Ich ging der Frage nach, fand aber leider keine befriedigende Antwort. Ich fand eine Legende, in der ein täglich nach neuen Gaumenfreuden verlangender Kaiser von einem ratlosen Koch “arme-Leute-Essen” serviert bekommt, allerlei gefüllte Teigtaschen, und ihn anschließend nicht wie befürchtet umbringen lässt, sondern hellauf begeistert fordert, man möge ihm fortan gegen den kleinen Hungen die köstlichen Täschchen (in diesem Fall Dim Sum) bereiten. Anderswo wird der Ursprung der gefüllten Teigtaschen nach Persien oder Sibirien verortet. Auch die Herkunft der koreanische Mandu scheint nicht eindeutig geklärt zu sein. Ich gab zunächst die weitere Recherche auf und machte mich auf in die Küche, da es am Abend Herrn H. und die beste Nachbarin zu verköstigen galt.

Für die scharf eingelegten Gurken (Oikimchi):

  • 3 dünne Salatgurken (ich: zwei normale)
  • 1 EL Salz
  • 1 kleine Zwiebel, in feinste Scheiben geschnitten
  • 1/3 Lauchstange, in ca. 4 cm lange dünne Streifen geschnitten
  • 1 kleine Möhre, in feinste Steifen geschnitten
  • 1 rote Peperoni, in ca. 4 cm lange, dünne Streifen geschnitten
  • 1 grüne Peperoni, in 4 cm lange, dünne Streifen geschnitten
  • 3 cm frischer Ingwer, gerieben
  • 2 Knoblauchzehen, gehackt und gemörsert
  • 3 EL Sesamsaat, trocken geröstet
  • 1 EL Sesamöl
  • 3 EL Chilipulver (Gochugaru)
  • 2 TL Zucker

eingelegte Gurken Serie

Als erstes schnitt ich die Gurken jeweils in vier gleich lange Teile und viertelte sie der Länge nach, so dass 8 cm lange Stücke entstanden. Da mir die Stücke noch etwas zu dick vorkamen, drittelte ich jedes erneut der Länge nach. Dann legte ich sie in ein Sieb, vermengte sie mit dem Salz und ließ sie eine Stunde lang Wasser ziehen. Gelegentlich rührte ich sie währenddessen durch. Nachdem ich den Manduteig geknetet hatte, schnitt ich die restlichen Zutaten für das Oikimchi, verrührte in einer Schüssel Ingwer, Knoblauch, Sesamsaat, Sesamöl, Chilipulver und Zucker. Dort hinein gab ich die abgetropften Gurkenstücke und die Lauch- und Möhrensteifen. Ich rührte alles gut durch und ließ es eine gute Stunde durchziehen.

Für die Teigtaschen mit Kimchifüllung (Kimchimandu):

  • 300 g Weizenmehl
  • 6g Salz
  • 150 g Wasser
  • 150 g fester Tofu
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • entsprechend viel Ingwer, fein gehackt
  • 300 g Hackfleisch vom Schwein (für die vegetarische Variante einfach mehr Tofu)
  • 1 knapper TL Sesamöl
  • 1/2 TL Salz, schwarzer Pfeffer
  • 150 g fermentiertes Kimchi, gehackt
  • 100 g Mungbohnensprossen (ich: keine da, etwas mehr Kimchi genommen)

Füllung Teigtaschen Serie

Als erstes bereitete ich die Füllung vor. Im Rezept wird rohes Hackfleisch verwendet. Da ich sehr unsicher war, ob es im Teig verhüllt innerhalb von 5 Minuten garen würde, beschloss ich, es vorher zu garen. Ich erhitzte etwas Öl, gab das Hack hinein und briet es rundherum an, bevor ich es mit dem Löffel in der Pfanne zerdrückte. Ich gab Knoblauch, Ingwer, Kimchi und den ausgedrückten Tofu hinzu und ließ alles noch einige Minuten durchziehen. Dann schmeckte ich mit Salz, Pfeffer und Sesamöl ab und ließ die Füllung abkühlen.
Der Teig hatte eine Stunde im Kühlschrank geruht. Ich knetete ihn mit Hilfe der Nudelmaschine und rollte ihn anschließend zu Bahnen bis Stufe 4 von 7 aus. Die erste Bahn hatte ich bis Stufe 2 ausgerollte und versucht zu füllen. Da der Teig dabei riss, machte ich die folgenden Bahnen dicker. Theoretisch sollte ich nun Kreise mit einem Durchmesser von 10 cm ausstechen, was daran scheiterte, dass ich keine Form in dieser Größe hatte. Die Füllung, ca. 1 EL sollte in der Mitte des Kreises platziert werden, der Kreis zum Halbmond geformt und die Spitzen des Mondes anschließend zusammengefügt werden, so dass eine kreisförmige Tasche entsteht. Dazu brauchte es natürlich den großen Kreisdurchmesser. Ich entschied mich für Plan B, stach die Kreise mit dem “Gebiss” aus, legte den Teigkreis hinein und drückte es über der Füllung zusammen. Vielleicht nicht ganz originalgetreu, aber so konnte ich zügig ca. 30 Mandus füllen. Die Zeit drängte. Ich garte die Mandu anschließend portionsweise ca. 5 Minuten in leicht siedendem Wasser.

Für die Sauce:

  • 1 TL Sesamsaat, geröstet
  • 50 g dunkle Sojasauce (ich bevorzuge die helle)
  • 1 EL Essig (ich: Apfelessig)
  • 1 EL Wasser
  • 1 EL Zucker
  • 1 EL Frühlingszwiebel, klein gehackt, vom grünen Teil
  • 1 TL rote Peperoni, klein gehackt

sosse serie

Herr H., der inzwischen eingetrudelt war, rührte aus den Zutaten eine Sauce. Ich lagerte die fertigen Mandu abgedeckt im Backofen zwischen, da klingelte es auch schon. Die beste Nachbarin betrat neugierig schnuppernd die Küche. Was es denn gäbe? Ravioli etwa? Die hatte sie bislang noch nie bekommen, da das Füllen so vieler Teile mir einfach zu aufwendig war. Nein, es gäbe koreanische Mandu, aber die sähen zumindest ähnlich aus. Sie zuckte die Schultern und setzte sich.
Kimchimandu 4

Fazit. Ich habe sie inzwischen schon häufiger zubereitet, da sie absolut süchtig machen. Die gut 30 Mandu verschwanden an dem Abend spurlos und auch von den scharfen Gurken blieb kein Fitzelchen übrig. Die beste Nachbarin erzählte am nächsten Tag, sie habe gar nicht frühstücken mögen, um die Erinnerung an den köstlichen Geschmack des Essens nicht zu zerstören. Es scheint wirklich gut gewesen zu sein! Egal, woher die Teigtaschen auch immer gekommen sein mögen, ihre weltweiter Siegeszug ist auf jeden Fall völlig plausibel und auch in unserer Küche vollzogen.

Aus: Das Korea-Kochbuch Minbok Kou, Sunkyoung Jung, Yun-Ah Kim

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

  1. Das kann ich mir vorstellen, dass die köstlich waren… ich sehe, du liebst asiatisches genauso wie ich 🙂
    Würde auch gerne mal die japanischen Gyoza ausprobieren, aber selbst in meinem super sortierten Asialaden haben sie keine Gyozablätter…

    • Ja, vor allem im Winter – aber ich weiß nicht genau, warum.
      Gyozablätter kannst du recht leicht selber machen, vor allem, wenn du eine Nudelmaschine hast, um den Teig so dünn ausrollen, schau mal hier: http://www.nekobento.com/?page=gyozateig

  2. das sieht für mich (auch jetzt vor dem Frühstück) total verführerisch aus. Noch dazu gibts in meinem Asialaden die eingefrorenen Teigblätter …

    • Vor dem Frühstück? 😉
      Dann kannst du dir das selber machen ja sparen. 🙂

  3. Hmmm… darauf hätte ich jetzt auch Lust. Ich weiss zwar nicht, ob ich dafür das Brathähnchen, das es heute Mittag bei uns gibt, stehenlassen würde, aber ich wäre zumindest hin- und hergerissen 😉

    • Ein anständiges Brathähnchen ist auf jeden Fall auch eine feine Sache. Das würde ich, glaube ich, bevorzugen. 😉

  4. Du bist nicht nur Tortenmeisterin, sondern mittlerweile auch Teigtascherlmeisterin! Das klingt wirklich hervorragend, was du da gemacht hast.
    Bei mir ist mittlerweile immer Kimchi im Haus, ich bin dem Zeug verfallen. Reicht allerdings noch nicht zum Verbloggen, weil ich ein fertiges Kimchi-Gewürz habe und noch nicht die einzelenen Originalzutaten, wie sich das so gehört.

    • Danke, Susi, aber von wahrer Meisterschaft trennen mich noch einige KNiffe, zum Beispiel das kunstvolle Verschließen. Aber das tut zum Glück dem guten Geschmack keinen Abbruch.
      Mein Kimchi war tatsächlich ein gekauftes (aus Korea importiert), ich müsste mal wieder welches machen…

  5. irgendwelche Zutaten in Teig zu verpacken und damit transportabel und womöglich ohne “Werkzeug” genießbar zu machen- ist doch eigentlich logisch dass das allen Menschen irgendwann mal einfällt. Deine koreanische Variante schaut sehr fein aus….

    • Danke, Nini! Ich habe den Eindruck, es ging eher darum, Reste und “Unansehnliches” appetitlich zu verpacken, aber so genau ließ sich das leider nicht herausfinden.

  6. Wie gerne würde ich mich mal bei dir zum Essen einladen…*hach*

  7. Teigtaschen sind ja meins…..ich sollte mich mal an die koreanische Variante wagen. Dazu müßte ich dann erst mal Kimchi machen…..

    • Kimchi kann man zumindest bei uns auch fertig kaufen und soweit ich das beurteilen kann, ist es sogar recht gut (ohne komische Zusätze und so). Ich mache mich demnächst mal an die Gyoza. 🙂

  8. Teigtaschen halten mich derzeit auch total gefangen! Es ist ja auch immer mit einem Überraschungseffekt verbunden sie zu essen (falls man sie nicht selbst zubereitet hat). Außerdem lassen sich auch Reste toll aufpimpen!
    Sehr schön dein Rezept!
    Schönen Sonntag wünscht
    Cheriechen

    • Danke, Cheriechen. Eben, Reste hübsch verpacken, obwohl ich zugeben muss, dass ich die Füllung meist eigens für die Tasche zubereite. Total spannende Ravioli wird es morgen geben. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  9. diese frage hab ich mir erst kürzlich beim tibeter vor einem teller köstlicher momos gestellt.
    aber egal, ich freu mich, dass es diese vielfalt an teigtaschen gibt!
    lg, susi

    • Ich freue mich auch über die Vielfalt und werde erstmal nachsehen, was Momos sind, die kannte ich noch gar nicht. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  10. Warum willst Du wissen? Ganz einfach: Weil es so unglaublich GENIAL ist, einen ohnehin schon superben (Pasta-)Teig mit Textur und Geschmack zu füllen… ich finde wenig verführerischer – und heißen sie nun Momos, Mandu, Jiaoze, Maultasche, Pelmeni oder Ravioli…
    Zumal in dieser Zubereitung und in Anbetracht meines festen Vorsatzes, endlich Kimchi selber zu machen… ich speicher’ das hier mal…

      • Ganz bestimmt, das war einfach ein Zeitfaktor, Dämpfen dauert mehr als doppelt so lange. 🙂

    • Warum ich das wissen will? Keine Ahnung, wahrscheinlich, weil mich “Warums” schon immer interesssiert haben. 🙂 Ich finde auch, dass es wenig Köstlicheres gibt. Und falls du kein Kimchi machen willst, kannst du es auch kaufen, meins war auch gekauft und schmeckte super!

  11. Wie immer schaut es sehr lecker aus!
    Ich glaube, ich habe noch kein Rezept wahrgenommen, in dem Tofu und Fleisch zusammen verarbeitet wird. Ich hatte bisher nur chin. Teigtaschen gemacht – Dimsum. Die waren auch sehr lecker. Wollte die Tage eh eine kleine Nudelproduktion starten, mal schauen, ob ich zeitlich auch zu Deiner leckeren Variante komme 😀

    • Danke, Sandra. Dim Sum stehen auch noch auf meiner Liste. 🙂 Und Tofu wird häufig mit Fleisch kombiniert, z. B. beim Mapo Tofu. Ich weiß allerdings nicht, ob das aus Sparsamkeit gemacht wird oder ob die Verbindung der beiden Eiweißquellen vorteilhaft für die Aufnahme des Eiweißes ist…

  12. Schaut ja echt grandios aus, da wässert mir schon frühmorgens der Mund 🙂 Teigtaschen scheinen wirklich eine universelle Geschichte zu sein. Es scheint aber wohl doch eine Ausnahme zu geben: hier in der Schweiz sind mir keine typischen Gerichte mit gefüllten Teigtaschen bekannt. Die Ravioli, die’s im Süden des Landes gibt zähle ich da mal nicht dazu 😉
    Die marinierten Gurken gibt’s heute übrigens gleich zum Abendessen. Das geht ja fix und da habe ich gerade richtig Lust drauf!

    • Danke, Marco. Echt, es gibt keine Teigtaschen in der Schweiz? Schon merkwürdig. Wäre ja mal interessant herauszufinden, woran das liegt. Ob es etwas mit dem Getreideanbau zu tun hat? Wie auch immer, viel Freude mit den Gurken! 🙂

    • Bea Wyler Bea Wyler

      Es gibt aber doch Teigtaschen in der Schweiz! Ein Süssgebäck namens Zigerkrapfen: eine süsse Füllung aus Ziger (oder Ricotta), Rosinen, Zucker, Eiern und ev. gehackten Nüssen, wird in Teig eingeschlagen, halbmondförmig, im Fett ausgebacken und ist ein winterliches Gebäck, das oft während der Fasnacht gegessen wird. Grund für die Saisonalität ist aber weniger die Fasnacht als die Tatsache, dass es Ziger nur im Winter gibt.

      • Ha! Ich wusste es. Zigerkrapfen klingen nahezu unwiderstehlich – und sie sind saisonal perfekt, Zeit, sich endlich der Ricottaherstellung zu widmen. Du hast nicht zufällig ein Rezept für die leckeren Krapfen?

      • Ouw ja du!! Zigerkrapfen, natürlich! Die hatte ich ganz vergessen, dabei mag ich die doch so unglaublich gerne 🙂 Irgendwie habe ich nur an salzigen Spezialitäten rumstudiert…

  13. Also gut, überredet. Dann werde ich wohl demnächst auch mal Kimchi versuchen 😉 Und nachdem ich das hier bei Wikipedia dazu gelesen habe, erst recht: “Am 5. Dezember 2013 wurde Kimjang, die gemeinschaftliche Herstellung von Kimchi, von der UNESCO zur Liste des Immateriellen Kulturerbes hinzugefügt”. Vielleicht sollten wir zu Ehren dieses Ereignisses am 5.12.14 alle ein gemeinschaftliches Blogger-Kimjang veranstalten – so ähnlich wie die schöne Idee mit dem synchronen Brotbacken. Bis dahin wäre ja noch genügend Zeit zum Üben. Ich habs jedenfalls noch nie gemacht.

    • Hey, das ist ein gute Idee. Ich habe das Datum schon im Kalender eigetragen, obwohl ich gestehen muss, dass dieses Kimchi ein gekauftes war. Es selbst zu machen ist aber wirklich nicht schwer. Ich mache es demnächst nochmal (süchtig ;-)) und lege es unter den “Grundrezepten” ab. Als Inspirationsquelle – und sich bin sicher, dass dir die (vegetarischen) Mandu auch vorzüglich schmecken würden!

  14. Wunderbar, da kann ich ja gleich etwas von meinem kimchi drin unterbringen! Solche Teigtaschen mache ich viel zu selten, dabei mag ich sie so gerne.

    • Ja, dafür sind sie klasse – ich habe meins extra dafür gekauft (es kommt frisch aus Korea, krass, oder?), aber ich werde im Februar welches machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen