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Der Gorgonzola-Trick

rosenkohl polenta 1

Mit (gelber) Polenta stand ich bislang immer ein wenig auf dem Kriegsfuß. Klar, man kann sie erstarren lassen, in die gewünschte Form schneiden und anschließend braten, backen oder frittieren, aber der intensive Mais-Geschmack bleibt stets erhalten. Und den finde ich nicht besonders attraktiv. Zumindest nicht in der Polenta, frisch gegrillte Maiskolben weiß ich durchaus zu schätzen. Als Herr H. also ein neues Kochbuch* anschleppte und sich als erstes Rezept daraus die Gorgonzola-Polenta mit Pilzen und Spinat wünschte, war ich wenig begeistert. Zumal wir weder frische Champignons noch Spinat vorrätig hatten. Ein kurzer Blick ins Aromenbuch*² schaffte Klarheit. Rosenkohl und Steinpilze, wunderbar, auf Rosenkohl hatte ich eh schon seit Tagen Appetit.

Für die Gorgonzola-Polenta:

  • 125 g mittelfeiner Maisgrieß (ich: Instant-Polenta)
  • 750 g Gemüsefond
  • 10 g Butter
  • 75 g Mascarpone-Gorgonzola
  • Salz, schwarzer Pfeffer

polenta serie

Ich kochte Bouillon und Butter in einem Topf auf und ließ die Polenta unter Rühren einrieseln. Nach ca. 5 Minuten sanften Köchelns, immer unter stetem Rühren, war die Polenta fertig. Verwendet man die “richtige” Variante, muss sie ca. 40 Minuten zugedeckt unter gelegentlichem Rühren bei kleinster Hitze köcheln. Ich nahm den Topf vom Herd, zerteilte den Gorgonzola in Stückchen und rührte ihn ein. Die Polenta soll sehr weich und cremig sein. Ich schmeckte mit Salz und Pfeffer ab und stellte die Polenta im Backofen warm.

Für die Pilzrahmsauce:

  • 1/2 Zwiebel, fein gehackt
  • 7 g getrocknete Steinpilze, in warmem Wasser eingeweicht (ich: weg gelassen)
  • 200 g Champignons (ich: 100 g Steinpilze aus dem TK)
  • 50 g Madeira oder roter Portwein
  • 25 g Sahne
  • Olivenöl zum Anbraten
  • Salz, schwarzer Pfeffer

pilz rahmsosse serie

Herr H. schwitze die Zwiebeln bei milder Hitze in etwas Olivenöl glasig. Das dauerte rund 10 Minuten. Dann fügte er die Steinpilze hinzu, dünstete sie kurz mit und erhöhte die Temperatur etwas. Er goss den roten Portwein an, ließ ihn um die Hälfte reduzieren und gab die Sahne hinzu. Leicht panisch rief er mich herbei. Schau dir diese Farbe an, das ist doch Mädchen-Rosa! Im Buch sieht das ganz anders aus. Nun, entgegnete ich geduldig, gibt man Sahne in eine rote Flüssigkeit, dann ist das Ergebnis Rosa, war doch klar! Er schüttelte unwillig den Kopf, würzte die Sauce mit Salz und Pfeffer und stellte sie ebenfalls warm. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Für den Rosenkohl:

  • ca. 300 g Rosenkohl (ich: TK)
  • Speck nach Belieben (optional)
  • 1 TL Zucker
  • Salz, schwarzer Pfeffer

rosenkohl serie

Ich überlegte kurz, ob ich probieren sollte, den Rosenkohl wie Toettchen zu frittieren, entschied mich dann aber mangels Kokosfett oder Frittieröl, ihn zu dämpfen und anschließend zu braten. Ich legte den noch gefrorenen Rosenkohl in den Dämpfeinsatz, stellte ihn in einen Topf, dessen Boden ich ca. 2 cm hoch mit Wasser bedeckt hatte und kochte es mit geschlossenem Deckel auf. Vom Kochzeitpunkt des Wassers an garte der Rosenkohl perfekt in 10 Minuten. Ich schreckte die Röschen in eiskaltem Wasser ab und stellte sie beiseite. Herr H. hatte bereits den Speck in wenig Öl knusprig braun ausgelassen. Er nahm ihn aus der Pfanne und ließ ihn auf Küchenpapier abtropfen. Ich gab den Rosenkohl in die “Speckpfanne” und briet ihn knusprig an. Zum Schluss fügte ich den Zucker hinzu, ließ den Kohl leicht karamellisieren und schmeckte mit Salz, Pfeffer und einem Spritzer Rotweinessig ab. Wunderbar.
rosenkohl polenta 12

Fazit: Nach dem üblichen Prozedere probierte ich gespannt von der Polenta. Der “lästige” Maisgeschmack hielt sich sehr dezent im Hintergrund und die Konsistenz der Polenta war herrlich cremig. Der Mascarpone-Gorgonzola hatte ein Wunder bewirkt! Die Pilzsauce, wenn auch von zauberhafter Mädchen-Farbe, passte sehr gut und die auf den Punkt gegarten, saftig, aromatischen Rosenkohlröschen rundeten die Mahlzeit ab. Auf diese Art bereitet, könnte ich glatt noch ein richtiger Polenta-Fan werden!

*Mein Küchenjahr – 365 Rezepte Annemarie Wildeisen

Das Lexikon der Aromen- und Geschmackskombinationen Karen Page, Andrew Dornburg

Ein Kommentar

  1. Polenta bin ich auch kein Fan von, weniger des Mais-Geschmacks wegen aber die Konsistenz, ich mag auch keinen Grießbrei oder die berühmte “brannte Gieß-Supp” aus dem Schwäbischen. Daher müßte es schon mindestens so eine Luxus-Variante sein wie deine die mich hinter dem Ofen vorlockt…. zumal du die histaminreichen Champignons und Spinat gegen für mich Verträglicheres eingetauscht hast….

    • Und das noch unwissend. 😉
      Ich oute mich mal: ich mag auch weder Griesbrei, noch Milchreis und derlei Breiiges. Es ist schon ein Riesenforschritt, dass ich mich wieder an Kapü und Co. “gewöhnt” habe…

  2. Ich liebe Polenta, aber nur die, die man lange rühren muss. Am besten schmeckt sie, wenn sie über offenem Feuer gekocht wird. Klar, das Rühren ist anstrengend, aber dafür habe ich ja meinen selbstrührenden Polentatopf, mit dem ich so allerlei Sachen mache. (http://toettchen.eu/gebrannte-mandeln/) Dazu die Pilzrahmsauce und den Rosenkohl, dass muss großartig schmecken.
    Liebe Grüße
    Gerd

    • Das tat es. Ich werde beim nächsten Einkauf auch “richtige” Polenta kaufen, die andere muss aber vorher noch aufgebraucht werden, mal sehen, vielleicht lasse ich die einfach im Brot verschwinden. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Wenn du irgendwo mal weissen Maisgriess siehst, solltest du den ausprobieren. Der Maisgeschmack ist bei hellen Sorten viel dezenter. Im Laufe der Jahre haben einige Gäste mich deshalb gefragt, wie ich denn auf die tolle Idee gekommen sei, Griessbrei salzig zuzubereiten….
    P.S. Gorgonzola-Polenta mit frischem Basilikum ist ebenfalls eine geniale Kombination.

    • Den weißen Maisgrieß hatte ich auch schon einmal, machte sich prima in Form von Polenta-Gnocchi. 🙂
      Das mit dem frischen Basilikum werde ich testen – nächsten Sommer. 😉

  4. Ich reihe mich ein bei denen, die Polenta nicht sooooo toll finden. Aber mit Gorgonzola, da würde ich sie mögen – Gorgonzola hilft bei mir gegen (fast) alles 🙂

    • Ich würde es sogar noch weiter fassen, Käse allgemein hilft bei mir gegen (fast) alles. 😉

  5. Mit Tricks arbeite ich immer gerne 😉 Wenn die Tricks dann auch noch aus Mascarpone-Gorgonzola bestehen, sowieso

    • Das habe ich schon geahnt. 😉
      Und der Mascarpone-Gorgonzola ist soo herrlich mild und cremig…

  6. Ich reihe mich bei denen ein, die Gorgonzola nicht so unbedingt lieben, aber ein bisschen (nicht zu viel) davon in Polenta einrühren, kann ich mir gut vorstellen!!
    lg

    • Aha. 😉 Der Mascarpona-Gorgonzola ist gar nicht soo kräftig, eher mild und cremig. Der wäre vielleicht sogar was für dich!

  7. Verrückt, wie bei Polenta die Geschmäcker auseinander gehen… Vielleicht hatte ich auch Glück, aber bisher hat Polenta bei mir immer ganz wunderbar geschmeckt. Dafür kann ich wie mach anderer auch nichts mit Gorgonzola anfangen, obwohl ich kräftigen Käse liebe ist mir Gorgonzola doch immer zu streng. Dein Rezept klingt aber natürlich (trotzdem) wunderbar lecker! 🙂
    LG Nele

    • Danke, Nele. Ja, das ist immer wieder erstaunlich. Der Mascarpona-Gorgonzola ist, wie gesagt, eher sehr mild im Geschmack. Der überzeugt sicher auch Gorgonzola-Gegner. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  8. Polenta mag ich sehr gerne, vor allem wenn es nicht die Instant Variante ist. Monsieur G. ist da leider weniger zu begeistern und mit Gorgonzola und Rosenkohl locke ich ihn noch viel weniger hinter dem Ofen hervor. Dabei könnte ich mir das durchaus sehr gut vorstellen…Liebe Grüße Melanie

    • Ah, dann sieht es danach aus, als müsstest du uns mal allein besuchen – oder wir backen Monsieur ersatzweise eine Quiche, dagegen hat er doch sicher nichts einzuwenden? 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  9. Eva Eva

    Ich muss gestehen: ich mag Polenta sehr gern; aber du hast sie mit dem Gorgonzola noch aufgepimpt…überhaupt ist die gesamte Kombi klasse und wird sicherlich mal nachgekocht!

    • Danke, Eva. Ich werde es einmal mit einer “richtigen” Polenta probieren, vielleicht sagt die mir eher zu. Ein Besuch bei Andronaco ist eh längst überfällig. 🙂

  10. Polenta mag ich, Gorgonzola mag ich und ich kann mir diese Kombination gar nicht vorstellen. Das heißt wohl ich muss sie nachkochen! 🙂

  11. Auf Kriegsfuss mit (gelber) Polenta? Eieiei, kann ich gar nicht verstehen 🙂 Ich könnte mich (fast) täglich davon ernähren, muss allerdings zugeben, dass ich aufgrund der langen Zubereitungszeit relativ selten damit koche. Magst du weisse Polenta dann besser?

    • Ja, weiße schmeckt mir viel besser. Aber das angebrochene Päckchen muss erst aufgebraucht werden, bevor ich das nächste kaufe – dann die “langsame” Variante. 🙂

  12. Da nehm ich eine Portion, ohne Rosenkohl bitte 😉
    Wir schwimmen gerade auf einer kleinen Polenta-Welle, gibt es mindestens 1x die Woche. In der Regel als ungebackene Variante – sehr lecker. Ich wechsel zwischen weißer und gelber Polenta, wobei wir beide mögen.

    • Wie, kein Rosenkohl? Das geht jawohl gar nicht. 😉 Naja, weil du es bist, könnte ich stattdessen auch Spinat dazu servieren.
      Und wer weiß, vielleicht komme ich auch noch einmal dazu, auf einer Polenta-Welle zu surfen. Manches muss man ja einfach nur immer wieder probieren und irgendwann schmeckte’s. 🙂

  13. Ela Ela

    Interessante Farbkombination! Die Pilzsauce konnte ich zuerst gar nicht einordnen. Sieht auf jeden Fall sehr lecker aus!
    LG
    Ela

    • Danke, Ela. Die Farbe der Sauce (im Gegensatz zu ihrem Geschmack) ließe sicher Mädchenherzen höher schlagen. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  14. Polenta geht bei mir immer, und sehr gern mit Käse :-). Mascarpone-Gorgonzola kenne ich noch nicht – was unterscheidet den denn von “normalem” Gorgonzola?

    • Das weiß ich, ehrlich gesagt nicht, es stand “Dolcelatte” auf der Packung und der Käse war sehr mild und cremig.

  15. Ich habe bisher immer nur die schnelle Polenta verwendet und mag die recht gerne. Mein Trick für etwas Pep ist Buttermilch. Die richtige Polenta muss ich auch mal ausprobieren. Wo kauft ihr die?

    • Buttermilch? Okay. Das werde ich ausprobieren, eine Portion habe ich noch da. Die Polenta kaufe ich bei Andronaco, einem italienischen Supermarkt, gibt es, glaube ich, in Berlin auch. 🙂

  16. Genau wie du beschrieben hast, so konnte ich mit Polenta auch nie was anfangen. Das hört sich aber echt gut an!

    • Endlich eine, die mich versteht. 😉 Das Rezept ist aber echt empfehlenswert und die Polenta stammt sogar noch aus Südtirol…

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